26.08.12

Mysteriöse Infektion

Neue Immunschwäche-Krankheit gibt Rätsel auf

Forscher berichten von einer neuen Variante einer tödlichen Immunschwäche: Die Krankheit bricht erst spät im Leben aus – bei den Betroffenen nisten sich gefährliche Mikrobakterien im Körper ein.

Foto: dpa

Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer HIV (Humane Immunschwäche-Viren) - Wissenschaftler haben ein mysteriöse Krankheit mit AIDS-ähnlichen Symptomen identifiziert
Elektronenmikroskopische Aufnahme mehrerer HIV (Humane Immunschwäche-Viren) - Wissenschaftler haben ein mysteriöse Krankheit mit AIDS-ähnlichen Symptomen identifiziert

Bisher ist sie namenlos. Die rätselhafte Krankheit, die US-Forscher jetzt im Fachblatt "New England Journal of Medicine" beschreiben, ist eine bislang unbekannte Immunschwäche, die erst ab einem Alter von ab 50 Jahren auftritt. Woher sie kommt ist noch unklar.

Die Wissenschaftler des National Institute of Allergy and Infectious Diseases hatten unter der Leitung der Medizinerin Sarah Browne 203 Patienten in Thailand und Taiwan untersucht, bei denen der Verdacht auf eine erworbene, also nicht angeborene Immunschwäche bestand.

Entgegen erster Vermutungen litten die Untersuchten aber nicht an der Immunschwäche Aids. Dieser Verdacht lag zunächst nahe. Denn bei Aids, dem "aquired immune deficiency syndrome", also der erworbenen Immunschwäche, ist das Immunsystem mit der Zeit immer schlechter dazu in der Lage, in den Körper eindringende Erreger zu bekämpfen.

Keiner der Patienten war HIV positiv

Diese Immunschwäche entwickelt sich erst in Folge einer Infektion mit dem HI-Virus, besteht also nicht von Geburt an aufgrund vererbter Gendefekte. Doch bei der Untersuchung stellte sich heraus: Keiner der Patienten war HIV positiv. Auch die T-Helferzellen, wichtige Abwehrzellen des Immunsystems, die bei einer Aids-Erkrankung zerstört werden, waren bei den Untersuchten intakt.

Stattdessen fanden die Forscher bei 88 Prozent der Patienten Auto-Antikörper im Blut. Auto-Antikörper sind Abwehrstoffe, die das Immunsystem aus einer krankhaften Fehlregulation heraus gegen die eigenen Körperzellen produziert. Sie sind deshalb ein guter Indikator für Autoimmunerkrankungen.

Bei den Patienten nisten sich Mikrobakterien ein

In der Studie blockierten die Auto-Antikörper ein Protein namens Interferon-Gamma. Dieses Protein wird von den T-Helferzellen gebildet und ist für eine gute Immunabwehr unerlässlich. Ohne Interferon-Gamma baut das Immunsystem seine Leistungsfähigkeit nach und nach ab – und kann so den Körper nicht mehr vor eindringenden Viren, Pilzen, Parasiten oder Bakterien schützen. Wie bei HIV-Infizierten nisteten sich bei den untersuchten Patienten besonders gern Mikrobakterien aus der Tuberkulosenfamilie stammen ein, die eine schwere Lungenerkrankung auslösen.

Bisher sind lediglich Menschen aus asiatischen Ländern betroffen, nur wenige Fälle traten bisher auch in den USA auf. Im Jahr 2004 wurden die ersten Fälle bekannt – wie viele Menschen inzwischen tatsächlich betroffen sind, lässt sich jedoch nur schwer absehen.

Erkrankungen wird womöglich mit Tuberkulose verwechselt

Brownes Team vermutet, dass viele der Erkrankungen aufgrund der Symptome womöglich mit Tuberkulose verwechselt werden. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine genetische Veranlagung in Kombination mit Auslösern in der Umwelt, etwa einer Infektion, zum Ausbruch der Krankheit führt.

Allerdings tritt die Immunschwäche ersten Erkenntnissen zufolge nicht gehäuft in Familien auf, was die Theorie einer genetischen Anfälligkeit eher unwahrscheinlich macht. Den Forschern zufolge überträgt sich die Krankheit aber auch nicht von Mensch zu Mensch.

Bis die Krankheit ausbricht, vergehen Jahre

Der wahrscheinlichste Weg zu der Erkrankung führt daher über eine anfängliche Infektion mit einem Virus, Bakterien oder einem Pilz, der dann im Körper den Anstoß zur Krankheit gibt. Ähnlich wie bei der erworbenen Immunschwäche Aids dauert es aber vermutlich Jahre, bis die Krankheit tatsächlich ausbricht. Darauf weist das recht hohe Alter der untersuchten Patienten hin, Jüngere zeigten keine Symptome.

Einige der in der Studie untersuchten Patienten starben inzwischen bereits an den Infektionen, die nach Ausbruch der Krankheit auf ihr geschwächtes Immunsystem einstürmten.

Bei manchen Patienten helfen Antibiotika um Symptome der jeweiligen Infektion zu bekämpfen, die Ärzte versuchten jedoch auch mit Krebsmedikamenten, welche die Produktion von Antikörpern drosseln, zu helfen. Letzten Endes aber handelt es sich wie bei Aids bei der Immunschwäche auch um eine chronische Krankheit.

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