16.08.2012, 16:30

Ende der Haltefrist Facebook-Aktie stürzt unter 20 Dollar

Foto: Emily Wabitsch / dpa

Von Karsten Seibel

Mit diesem Donnerstag endet die Haltefrist für Facebook-Aktien nach dem Börsengang. Prompt stürzte das Papier an der Wall Street zeitweilig unter 20 Dollar. Und weitere Aktien kommen auf den Markt.

Der Ausverkauf der Facebook-Aktie geht weiter. Nach Ablauf einer ersten Haltefrist sackte der Kurs in den ersten Minuten des Handels in New York um mehr als fünf Prozent ab. Die Aktie notierte zeitweilig bei weniger als 20 Dollar.

Schon nach der ersten Handelsstunde notierte die Aktie sieben Prozent im Minus. Sie markierte im Handelsverlauf mit 19,69 Dollar ein neues Allzeittief. Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar Mitte Mai hatte sich der Kurs damit nahezu halbiert. Im weiteren Verlauf kletterte der Kurs wieder über 20 Dollar

Zuckerbergs eigenes Aktienpaket war erstmals weniger als zehn Milliarden Dollar wert – in Spitzenzeiten brachte es mehr als 20 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage.

An diesem Donnerstag lief eine erste Haltefrist nach dem Börsengang aus, zahlreiche Alteigentümer durften erstmals Papiere verkaufen. Die Zahl der zum Handel zugelassenen Facebook-Aktien erhöhte sich mit einem Schlag von 421 Millionen auf knapp 700 Millionen Stück.

Groß war im Vorfeld die Sorge, dass das zusätzliche Angebot den Kursverfall seit dem Börsengang Mitte Mai noch einmal beschleunigen könnte. Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar hatte das Netzwerk zuvor bereits rund 45 Prozent an Wert verloren.

Eigner sitzen im Verwaltungsrat

Mit Spannung schauten Beobachter vor allem deshalb auf das Datum, weil viele der langjährigen Eigner im Verwaltungsrat von Facebook sitzen, dem höchsten Firmengremium – darunter auch der deutsche Wagniskapitalgeber Peter Thiel.

Sie alle haben Einblick in den Geschäftsverlauf und die Zukunftsplanungen des weltgrößten sozialen Online-Netzwerks. Gründer, Firmenchef und Großaktionär Mark Zuckerberg durfte allerdings zunächst keine weiteren Aktien verkaufen. Er hält allein 503 Millionen Stück.

Zurückgenommene Gewinnerwartungen der Analysten, technische Probleme beim Börsengang und enttäuschende Geschäftszahlen für das zweite Quartal hatten zu einem steten Wertverfall des Unternehmens gesorgt – statt auf anfangs mehr als 100 Milliarden Dollar kam es zuletzt auf weniger als 60 Milliarden Dollar.

Als Problem hatte sich vor allem erwiesen, dass immer mehr Nutzer mit ihren Smartphones auf Facebook zugreifen – auf den kleinen Bildschirmen lässt sich aber kaum Werbung unterbringen. Anzeigen sind die Haupteinnahmequelle von Facebook. Von den 955 Millionen Nutzern kommunizieren inzwischen 543 Millionen mobil mit ihren Freunden und Bekannten auf Facebook.

Abschreckendes Beispiel Zygna

Abschreckende Beispiele dafür, was mit einem Aktienkurs passieren kann, wenn Haltefristen auslaufen, gab es zuvor schon reichlich. Bei den ebenfalls von viel medialer Aufmerksamkeit begleiteten Börsengängen des Internet-Spiele-Anbieters Zynga und des Rabattportals Groupon handelten viele Anleger nach dem Motto "Jetzt retten, was noch zu retten ist".

Als viele Zynga-Mitarbeiter Ende Mai erstmals an ihre Aktien kamen, brach der Kurs innerhalb weniger Stunden um weitere acht Prozent ein. Bei Groupon musste Anfang Juni sogar kurzzeitig der Handel der Aktie ausgesetzt werden, weil der Kurs um mehr als zehn Prozent nach unten sackte.

Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele: Als bei dem Suchmaschinenunternehmen Google im Februar 2005 die wichtigste Haltefrist endete, stieg die Aktie um drei Prozent. Es standen ausreichend Abnehmer bereit, um die Stücke verkaufswilliger Google-Aktionäre einzusammeln. Kein Wunder, der Kurs hatte sich schon in der Zeit nach dem Börsendebüt im August 2004 mehr als verdoppelt.

Zahl der frei handelbaren Aktien verdreifacht sich

Sicher können sich Facebook-Aktionäre auch jetzt nicht fühlen. Der große Schwung an neuen Aktien steht erst noch bevor. Allein bis Mitte November wird sich die Zahl der frei handelbaren Facebook-Aktien verdreifachen. Ab 14. November, wenn allein 1,3 Milliarden weitere Papiere freigeschaltet werden, darf dann auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verkaufen.

Eine Rolle bei der Entscheidung "Halten" oder "Verkaufen" spielt für jeden Facebook-Aktionär auch in den nächsten Wochen, zu welchem Preis er selbst eingestiegen ist. Microsoft erwarb seine Anteile vor fünf Jahren als Facebook laut Datenanbieter Bloomberg mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet wurde, heute liegt der Börsenwert trotz des Kursverfalls immer noch bei fast 60 Milliarden Dollar.

Goldman Sachs kam dagegen erst zu einem Zeitpunkt an die Stücke, als bereits 50 Milliarden Dollar aufgerufen wurden – da ist nicht mehr viel Gewinn übrig, den man jetzt noch schnell realisieren könnte. Und die vielen Mitarbeiter, die in den zurückliegenden Jahren häufig zu einem großen Teil mit Aktien bezahlt wurden, werden sich ebenfalls genau überlegen, ob nicht ein Verkauf zu etwas weniger als 20 Dollar immer noch sinnvoll ist

Mi, 15.08.2012, 12.32 Uhr

Eine neue App erkennt in Geschäften über angebrachte Kameras Gesichter, die dann bei Facebook abgeglichen werden und schickt danach Einkaufstipps an die jeweilige Person. Datenschützer laufen Sturm.

Video: dapd
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