06.08.12

Sport

Wie Vereine gegen Rechtsextremismus kämpfen sollen

Seit Jahren ist bekannt, dass rechtsextreme Gruppen versuchen, Sportvereine zu unterwandern. 2011 startete die Bundesregierung eine Kampagne dagegen. SPD und Grünen ist das nicht genug.

Foto: picture-alliance
Fußball
Fußballer beim Spiel. 2011 wurden die deutschen Sportvereine dazu aufgerufen, ihre Mitglieder für die Versuche rechtsextremer Einflussnahme zu sensibilisieren

Die Politik will jetzt keine Zeit verlieren. Voraussichtlich am 26.September befasst sich der Sportausschuss des Bundestags mit der Ruderin Nadja Drygalla und ihrem Nazi-Umfeld. Die Ausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) fordert rasche Aufklärung – auch im Interesse der Athletin. "Spitzensport wird mit Steuergeldern gefördert", sagte Freitag "Berliner Morgenpost". "Da erwarten wir von den Spitzensportverbänden, dass sie ihre unbestreitbaren Lücken im Kommunikationssystem schnellstens schließen."

Der Fall Drygalla lenke aber auch die Aufmerksamkeit auf das grundsätzliche Problem des Rechtsextremismus im Sport, betonte Freitag. Dass rechtsextreme Gruppen versuchen, Sportvereine zu unterwandern, ist seit Jahren bekannt. Eine Expertise für das Innenministerium warnte bereits 2009, der organisierte Sport sei "aufgrund seines hohen gesamtgesellschaftlichen Stellenwerts eine Zielgruppe für menschenverachtendes Gedankengut".

Beispiele rechtsextremer Personen in ehrenamtlichen Funktionen zeigten, "in welcher Zwickmühle sich die Vereine befinden", heißt es weiter. Es sei eine "schleichende Infiltration" von aktiven Sportlern festzustellen.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Im Januar 2011 startete die Bundesregierung daher die Kampagne "Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus". Die rund 91.000 Sportvereine in Deutschland wurden aufgerufen, ihre Mitglieder, Trainer und Ehrenamtlichen für die Versuche rechtsextremer Einflussnahme zu sensibilisieren und sich für Toleranz, Respekt und Menschenwürde stark zu machen.

"Klar ist, dass Extremismus im Sport keinen Platz haben darf", heißt es jetzt aus dem Bundesinnenministerium. Die Bekämpfung rechtsextremistischen Gedankenguts sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zweifelt jedoch am Erfolg der Kampagne. So sei etwa ein "Gütesiegel" für Sportvereine angekündigt worden, die sich vorbildlich gegen rechtsextreme Einflüsse wehren – beispielsweise durch einen Passus in ihrer Satzung, der Mitglieder einer rechtsextremen Vereinigung von einer Mitgliedschaft im Sportverein ausschließt. Doch bislang seien nicht einmal Kriterien für die Vergabe dieses Siegels formuliert worden, kritisierte Gerster. Im Grundsatz hält er das Siegel aber für richtig und sinnvoll.

"Unterschätzt und verharmlost"

Die SPD-Bundestagsfraktion hatte es auch in einen Antrag aufgenommen, in dem sie die Bundesregierung im März 2011 aufforderte, rechtsextremistische Einstellungen im Sport konsequenter zu bekämpfen. Unter anderem sollten konkrete Fallzahlen von betroffen Vereinen ermittelt und mehr Gelder zur Erforschung des Problemfeldes bereitgestellt werden. Die Initiative fand jedoch keine Mehrheit.

Nach der parlamentarischen Sommerpause soll nun geprüft werden, ob ein Antrag mit entsprechenden Nachbesserungen auf Grund der aktuellen Falls Drygalla eine fraktionsübergreifende Mehrheit erhalten könnte. So schlägt Gerster etwa vor, die Nominierungskriterien für die Olympiateilnahme eines Sportlers zu überprüfen und endlich Kriterien für das Gütesiegel zu formulieren

Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, würde eine solche fraktionsübergreifende Initiative unterstützen. Die Gefahr von rechts werde nicht geringer. Sportverbände sollten sich im eigenen Interesse genau unter die Lupe nehmen und zertifizieren lassen.

"Rechtsextremismus im Sport wird von den Vertretern der Verbände immer noch unterschätzt und verharmlost", sagte Cramon "Berliner Morgenpost". Das betreffe sowohl den Breitensport als auch den Spitzensport. Vorstände dürften nicht von Rechtsextremen unterwandert werden. Und es müsse Möglichkeiten geben, diese Personen mit rechtsextremem Gedankengut aus Vereinen auszuschließen. Cramon: "Wir müssen uns mit vereinten Kräften gegen Rechtsextremismus im Sport stemmen."

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