22.07.12

"Batman"-Massaker

Holmes' Wohnung war eine einzige Tötungsmaschine

Die Polizei von Colorado hat sich in einer riskanten Aktion Zugang zur Wohnung des mutmaßlichen Täters James Holmes verschafft. Sie sei eingerichtet, um "jeden zu töten, der sie betritt".

Foto: DAPD

Das Haus, in dem der mutmaßliche Täter James Holmes wohnte, wurde von der Polizei abgesperrt.

8 Bilder

Der mutmaßliche Amokläufer von Aurora, James Holmes, hat die Bluttat mit zwölf Toten und 58 Verletzten offenbar seit Monaten vorbereitet. Bei seinem Anschlag auf das Kino im US-Staat Colorado sei er mit "Berechnung und Absicht" vorgegangen, sagte der örtliche Polizeichef Dan Oates.

Inzwischen konnten die Einsatzkräfte alle gefährlichen Sprengfallen aus Holmes' Wohnung beseitigen. Die Bewohner umliegender Häuser könnten nun zurückkehren, teilte die Polizei mit.

Munition im Internet gekauft

Schon seit vier Monaten habe der mutmaßliche Amokläufer mit der Post etliche Lieferungen erhalten und kürzlich über das Internet 6000 Schuss Munition gekauft, sagte Polizeichef Oates. Außerdem erstand der Verdächtige eine Trageweste, zwei Magazinhalter und ein Messer für rund 300 Dollar (rund 246 Euro) bei einem Online-Händler für Polizei- und Militärausrüstung.

Die Bestellungen habe er sich sowohl nach Hause als auch an die Universität schicken lassen, sagte Oates. "Das ist der Beweis für eine gewisse Berechnung und Absicht. Die Wohnung des Verdächtigen sei so mit Krügen mit Brandbeschleunigern, Sprengstoff und Chemikalien präpariert gewesen, um "jeden, der sie betrat" zu töten. Das hätte auch einer seiner Polizeibeamten treffen können. "Ob wir wütend sind? Wir sind stinksauer", antwortete Oates bei einer Pressekonferenz auf die Frage eines Reporters.

Wohnung voller Sprengfallen

Offenbar war die Wohnung des Verdächtigen mit unterschiedlichen Sprengfallen gesichert. Ein Sprengsatz sei durch eine kontrollierte Explosion detoniert und etliche andere entschärft worden, nachdem ein Roboter ein elektrisches Kabel durchtrennt habe, sagte FBI-Agent James Yacone.

Daraufhin hätten Sprengmeister eine sogenannte "hypergolische Mixtur" und einen anderen selbstgebauten Sprengsatz unschädlich gemacht. Außerdem seien etliche Brandbeschleuniger entdeckt worden. "Es war eine extrem gefährliche Umgebung", sagte Yacone weiter. Jeder, der hineingegangen wäre, hätte sich "erhebliche Verletzungen" zuziehen oder umkommen können.

Mutmaßlicher Täter in Einzelhaft

In der Wohnung des Verdächtigen waren die Einsatzkräfte noch immer damit beschäftigt, Beweismaterial zu sichern. Die Fenster wurden zudem mit schwarzer Plastikplane verdeckt, damit Schaulustige keinen Blick hinein werfen konnten.

Über das Motiv des Täters herrschte noch immer Rätselraten. Er befand sich am Samstag in einer Haftanstalt zu seinem Schutz in Einzelhaft. Nach Behördenangaben soll er am Montag vor Gericht erscheinen. Ihm sei zudem ein Pflichtverteidiger zugewiesen worden.

"Das Leben ist zerbrechlich"

US-Präsident Obama und sein republikanischer Herausforderer Romney sprachen derweil den Familien der Opfer ihr Mitgefühl aus. Er hoffe, jeder nehme sich am Wochenende Zeit für "Gebete für die Opfer dieser schrecklichen Tragödie", erklärte Obama in seiner wöchentlichen Radioansprache am Samstag.

Unter dem Eindruck der Bluttat war er vorzeitig von einer Wahlkampfreise in Florida nach Washington zurückgekehrt. Die Schießerei sei eine "Erinnerung daran, wie zerbrechlich das Leben ist", erklärte er unmittelbar nach dem Amoklauf vor Anhängern in Fort Myers. "Letztlich geht es nicht um die kleinen, trivialen Dinge, sondern wie wir einander behandeln und wie wir uns lieben."

Wahlkampf verstummt

Sicherheitsberater John Brennan unterrichte Obama über den Fortgang der Ermittlungen und dem Einsatz der Sicherheitskräfte in der Wohnung des Verdächtigen, teilten Gewährsleute mit. Am Sonntag will der Präsident nach Colorado fliegen, wie das Weiße Haus mitteilte.

Romney kondolierte bei einem Auftritt im Staat New Hampshire und stimmte in den Aufruf Obamas zu nationaler Einheit ein. Er spreche jenen sein Mitgefühl aus, "deren Leben in einigen wenigen Momenten erschüttert wurden, einigen wenigen Momenten des Bösen in Colorado", sagte Romney. "Die Antwort ist, dass wir zusammenkommen können. "Wir werden unseren Mitbürgern das gute Herz Amerikas zeigen."

Sechsjährige unter Todesopfern

Auch immer mehr Einzelheiten über die Opfer der Tragödie von Aurora wurden bekannt. Das jüngste Todesopfer war ein sechsjähriges Mädchen. Die kleine Veronica Moser sei in der Nacht zum Freitag mit ihrer Mutter in das Kino gegangen, sagte eine Verwandte, Annie Dalton. "Sie war so lebensfroh, wie man es von einer Sechsjährigen erwarten würde." Die Mutter liege mit Kugeln im Hals und einer Schusswunde im Unterleib auf der Intensivstation, sagte Dalton. "Niemand hat ihr etwas gesagt. Sie ist in kritischem Zustand, aber sie fragt nur nach ihrer Tochter."

Keine Einspielergebnisse des Films

Aus Solidarität mit den Opfern des Amoklaufs verzichten die großen Hollywood-Studios an diesem Wochenende auf eine Veröffentlichung der Einspielergebnisse ihrer Filme an den Kinokassen. Warner Bros. hatte einen solchen Schritt bereits am Freitag angekündigt. Sony, Fox, Disney und Universal schlossen sich dem Vorgehen an.

Üblicherweise veröffentlichen die großen Studios ihre Einnahmeschätzungen jeweils am Sonntag in der Hoffnung, sich gegenseitig zu übertrumpfen und den Nummer-Eins-Filmhit der Woche gelandet zu haben.

Quelle: dapd/dpa/wos
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