15.07.12

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Die miese Masche beim Autokauf im Internet

Wie kommen eigentlich die wundersamen Schnäppchen bei manchen Autoanzeigen im Internet zustande? Die einfache Antwort: Meist stehen dahinter Betrüger. Deren Masche ist simpel – aber offenbar effektiv.

Foto: DAPD
Autokauf
Autokauf: Wer sich im Internet umschaut, sollte misstrauisch werden, wenn ein Kontakt mit dem Verkäufer nur per E-Mail möglich ist

Eine BMW R 1200 GS, Baujahr 2009, mit gerade einmal 2700 Kilometern auf dem Tacho und im Bestzustand, für unglaubliche 6500 Euro? Motorradfan Johannes M. aus Oberfranken traut an einem Samstagabend Ende Mai seinen Augen nicht recht, als ihm das Inserat in der Motorrad-Sektion der Kleinanzeigen-Seite kalaydo.de ins Auge springt.

Die schwere Reise-Enduro des bayerischen Herstellers ist das beliebteste Motorrad in Deutschland und als Gebrauchte gewöhnlich sehr preisstabil. Ein drei Jahre altes Modell mit diesem niedrigen Kilometerstand wird in der Regel für etwa 12.000 Euro gehandelt, das Inserat wäre, selbst wenn die Maschine Macken haben sollte, ein echtes Schnäppchen.

Laut Beschreibung ist das Motorrad "wie neu", zudem mit Vollausstattung, Navigationssystem und Kofferset versehen – allein all das würde bei BMW neu über 4000 Euro kosten.

M. schreibt eine Mail an die angegebene Adresse peter1951@arcor.de. Am nächsten Morgen ruft er unter der angegebenen Telefonnummer an – "Kein Anschluss unter dieser Nummer". Ein Tippfehler? Johannes M. wird misstrauisch, und fragt im deutschen Internet-Forum für GS-Fahrer nach.

Spurensuche im Netz

Ihn wundert: Kalaydo.de sammelt Kleinanzeigen aus regionalen deutschen Tageszeitungen, eine Veröffentlichung dort ist nicht kostenlos – wer bezahlt denn Geld für eine falsche Anzeige? Er und andere Motorrad-Fahrer machen sich auf die Suche nach weiteren Fahrzeuganzeigen mit der Mailadresse peter1951@arcor.de – prompt werden die Forumsnutzer deutschlandweit fündig: in vor allem regionalen Zeitungen, auf verschiedenen Kleinanzeigen-Portalen sowie Auto-Portalen – in insgesamt über einem Dutzend Anzeigen findet sich ebendieser Peter, der sein Motorrad abgeben will – jedes Mal allzu günstig.

Und ebenfalls jedes mal steht eine lokale Nummer dabei – wer die anruft, bekommt entweder verdutzte Anschlussbesitzer ohne jede Kenntnis von Peter, oder aber das lapidare "Kein Anschluss unter dieser..."

Auf eine E-Mail jedoch bekommen Interessierte sehr wohl eine Reaktion. So wie Johannes M., der eine zwar in holprigem Deutsch aber sehr enthusiastische Antwortmail in seinem Maileingang vorfindet: "Das Moto ist immer noch zum Verkauf", schreibt Peter, und erklärt weiter: "Ich bin als Architekt tätig in Deutschland für ein Jahr und dann habe ich das Moto gekauft. Letztes Jahr habe ich meinen Vertrag fertig und ich musste nach Griechenland, wo ich mit meiner Familie lebe zurückzukehren. (…) Ich frage nach einem günstigen Preis, dass es momentan in der Zeit der Finanzkrise sehr schwer ist, etwas für den gewünschten Preis zu verkaufen", steht in der Mail.

Angeblicher "Top-Zustand"

Und bekräftigend hat Peter hinzugefügt: "Das Moto ist in TOP-Zustand und unfallfrei; die Karosserie ist perfekt, der Innenraum ist in ausgezeichnetem Zustand." Die Forumsnutzer freuen sich über den "ausgezeichneten Zustand des Innenraums" des Motorrads – hier wurde offensichtlich eine Standard-Mail verwendet, mit denen die Betrüger sonst auch Autos anpreisen.

Peter möchte nun, dass man die Hälfte des Kaufpreises, also über 3000 Euro, per Western Union einer angeblichen Maklerfirma namens Herakles überweist, die dann – natürlich auf seine Kosten – das Motorrad von Griechenland nach Deutschland transportiert.

Soviel sei verraten: Wer den Fehler macht, Peter vorab die 3000 Euro zu senden, wird weder von Peter noch von seinem Motorrad je wieder etwas sehen. Selbst die Fotos der Maschine sind geklaut: Die Meta-Informationen aus Peters Online-Photoalbum verraten, dass die Bilder ursprünglich aus einer fremden Ebay-Auktion stammen.

Bekannte Betrugsmasche

Peters Masche – die rührende Story über einen Notverkauf zum Ramschpreis, das Fahrzeug steht in Taka-Tuka-Land, jedenfalls aber nicht in Reichweite, deswegen will der Verkäufer eine nur ihm bekannte Treuhandfirma hinzuziehen – ist die wohl beliebteste Betrugsmethode beim Online-Autoverkauf. Forumsnutzer Rolf warnt zu Recht: "Gier frisst Hirn..." – wer einen solchen Preis in den Anzeigen entdeckt, sollte die Finger davon lassen.

Im Verbraucher-Blog Facto24 sammeln geprellte Nutzer seit 2010 Hunderte Mailadressen, die Betrüger immer wieder verwenden. Ob Dacia Logans aus Irland oder Mercedes-Transporter aus Spanien: Nur die Außengrenzen der europäischen Union scheinen die Fantasie der Betrüger zu stoppen. Verzweifelte Kommentare zeigen: Gerade bei Summen um 3000 Euro scheinen viele Nutzer bereit zu sein, Geld einfach vorab zu überweisen, immer wieder fallen Käufer darauf herein und zahlen.

Peter aus Griechenland bewies besondere kriminelle Energie, indem er das Motorrad bei einem Dutzend Lokalzeitungen gleichzeitig inserierte.

Vorkasse erwünscht

Die Facto24-Sammlung zeigt: Meist beschränken sich die Betrüger auf Autoportale wie Autoscout24.de oder mobile.de. Wer dort selbst ein Fahrzeug verkaufen will, sollte ebenfalls misstrauisch sein: Oftmals bieten Käufer aus dem Ausland an, sie würden per Scheck zahlen, man solle vorab schon einmal die Spedition entlöhnen.

Wer darauf eingeht, verliert mindestens die angeblichen Speditionskosten, vielleicht sogar sein Fahrzeug, wenn der Scheck kurz nach Einlösung platzt. Die Autoportal-Betreiber warnen entsprechend deutlich: Niemals sollten Interessenten ein Geschäft tätigen, ohne das Fahrzeug Probe zu fahren. Die Fahrzeugübergabe sollte vor Zeugen in Bar abgewickelt werden.

Auch wer verkauft, sollte misstrauisch bleiben, sich keineswegs unter Druck setzen lassen, und eine Probefahrt nicht alleine, nicht mit den kompletten Fahrzeugpapieren, und vor allem nicht vor der eigenen Haustür starten: Leicht lässt sich ein Auto gleich oder in der folgenden Nacht auf einen Transporter laden.

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