01.07.12

Energiekosten

Mehr als 30 Gasanbieter erhöhen die Preise

Gas könnte für Millionen deutsche Verbraucher schon bald deutlich teurer werden. In den kommenden drei Monaten planen mehr als 30 Versorger Preiserhöhungen, teilweise um bis zu 16 Prozent.

Foto: Check 24, Verivox
Gaspreise
Die geplanten Preiserhöhungen und -senkungen beim Gas

Insgesamt 32 Gasversorger erhöhen im Juli, August und September ihre überregionalen Tarife. Darunter auch die Energieriesen RWE und E.on. Das geht aus Untersuchungen der Vergleichsportale Check24 sowie Verivox hervor.

Nach Berechnungen von Check24 steigen die Preise im Schnitt um sieben Prozent – für einen Vier-Personen-Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden bedeutet das ein Plus von 91 Euro im Jahr.

In der Spitze steigen die Preise gar um fast 16 Prozent – für besagten Durchschnittshaushalt bedeutet das 190 Euro mehr auf der Gasrechung. 4,8 Millionen Haushalte befinden sich im Liefergebiet der Gasversorger, die bei ihren Preisen von Juli bis einschließlich September anziehen.

Demgegenüber stehen lediglich zwei Anbieter, die angekündigt haben, ihre Preise zu senken – einer davon ist die EnBW, die im August den Preis für Ihren Tarif "ErdgasPlus" um 0,9 Prozent senken wird – für einen Vier-Personen-Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch entspricht das einer durchschnittlichen Ersparnis von 13 Euro im Jahr.

"Allerdings hat die EnBW 'nur' ihr Tarifsystem für die Gaspreise umgestellt. Vorher war der Gas-Grundversorgungstarif ein relativ komplizierter Stufentarif, der jetzt vereinfacht wurde", sagt Isabel Wendorff, Check24-Energieexpertin.

E.on macht nach Strom auch Gas teurer

Der Energieversorger RWE erhöht zum August die Preise. Gaskunden müssen dann 0,54 Cent mehr für die Kilowattstunde bezahlen – bei 20.000 Kilowattstunden sind das 108 Euro mehr im Jahr. Die Erhöhungen betreffen Haushaltskunden in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Deutschlands größter Energiekonzern, E.on, hatte bereits zum Juni die Strompreise angehoben – und legt jetzt mit sieben Gesellschaften auch beim Gas nach. In Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt sowie Schleswig-Holstein müssen Standardtarif-Kunden ab September mehr bezahlen.

Etwas besser könnten es Berliner Gas-Kunden haben: Man überlege, Kunden "attraktive Preisangebote" zu machen, heißt es beim Berliner Grundversorger Gasag. Allerdings sei noch keine definitive Entscheidung darüber gefallen.

Ob es zu Preissenkungen komme und wie hoch diese ausfallen, hänge sowohl von der allgemeinen Energiepreisentwicklung als auch der Wettbewerbssituation in Berlin ab. Egal wie die Gasag-Entscheidung für die kommende Heizsaison ausfällt: Berliner Kunden die in ihrem Grundversorgungstarif angemeldet sind, sollten über einen Wechsel nachdenken, wenn sie Geld sparen wollen. 507 Euro, hat Check24-Frau Wendorff errechnet, können Berliner Kunden bei einem Wechsel aus der Grundversorgung sparen.

Nur jeder Zehnte sucht nach Alternativen

Obwohl Verbraucher bei einem Wechsel ihres Gas-Anbieters deutlich höher und nachhaltiger sparen können als beispielsweise bei Strom, ist die Bereitschaft, zum Alternativanbieter zu gehen in der Sparte eher gering, sagt auch Reinhard Goethe, Geschäftsführer des Energieportals Hauspilot: "Viele Kunden wissen nicht, dass der Gaswechsel überhaupt möglich ist und gar keine Probleme bereitet." Nur etwa jeder zehnte Gas-Kunde schaut sich nach anderen Angeboten um und greift auch zu.

Dabei ist es der Wettbewerb um Kunden, der vor allem unter den alternativen Gasanbietern die Preise niedrig hält. "Der muntere Preiswettbewerb unter den alternativen Anbietern hat dazu geführt, dass ihr Preisniveau seit zwei Jahren im Wesentlichen stabil geblieben ist – auch während Grundversorger bereits wieder im 'Preiserhöhungsmodus' waren", sagt Goethe.

Er rechnet damit, dass neue Anbieter weiter die Preise senken werden. Spielräume könnten sich aus den seit Monaten fallenden Gas-Großhandelspreisen ergeben. Auch bei den klassischen Versorgern sieht er keinen deutlichen Preisanstieg auf Kunden zukommen: "Viele Grundversorger orientieren sich bei ihrer Gaspreisbildung immer noch an der Ölpreisentwicklung. Da auch hier der Trend nach unten zeigt, ist in den kommenden Monaten eher mit stabilen Preisen zu rechnen."

Man sollte sich daher nicht unnötig lange vertraglich binden, empfiehlt Goethe: "Denn die Zeichen stehen eher auf ein weiteres Absinken des Marktes als ein erneutes Ansteigen." Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox schätzt die Entwicklung des Gaspreises anders ein. Er sieht ihn deutlich steigen und empfiehlt daher eine langfristige Bindung: "Da wir mit deutlichen Preissteigerungen rechnen, halte ich eine Preisgarantie für besonders empfehlenswert."

Lange Laufzeiten hindern, günstige Angebote wahrzunehmen, wenn sie – oft nur für kurze Zeit – am Markt sind. "Viele scheinbar günstige Tarife sind in der Erfahrung der Verbraucher schon nach ein bis zwei Jahren teurer als die Grundversorgung", sagt Goethe.

Guter Zeitpunkt für einen Wechsel

Insgesamt – da sind sich die Experten einig – ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den alten Gasvertrag zu überprüfen und einen neuen abzuschließen. Wie sich der Gaspreis weiter entwickeln wird, ist tatsächlich schwer abschätzbar. Im Wesentlichen wirken sich die Großhandelsmärkte für Erdöl und für Erdgas aus.

"Durch das seit einigen Jahren bestehende tendenzielle Überangebot von Erdgas haben sich diese Märkte, die früher sehr eng miteinander verbunden waren, voneinander abgekoppelt", sagt Goethe. Es habe sich ein eigener "Gas-zu-Gas-Wettbewerb" entwickelt.

Interessante Marktwirkungen ergeben sich in seinen Augen für den Verbraucher vor allem daraus, dass die klassischen Versorger oft noch "in der Vertrags- und Denkwelt der Ölpreisbindung gefangen" scheinen, während neue Anbieter, alle Möglichkeiten modernen Erdgashandels nutzen, um die Chancen der Marktbewegung für den Ausbau ihres Geschäftes nutzen.

Mit neuen Anbietern kommen auch neue Tarife und Tarif-Arten auf den Markt – nicht alle sind empfehlenswert. Oft locken Versorger Neukunden mit hohen Boni. Das kann sich auch für den Kunden lohnen.

Allerdings ist zu bedenken, dass einmalige Boni nur im ersten Jahr die Rechnung drücken – und das meist nur, wenn der Vertrag auch durchgehalten wird. Wer also beispielsweise wegen einer Preiserhöhung bereits im ersten Vertragsjahr wieder wechseln möchte, der läuft Gefahr, den Rabatt wieder zu verspielen.

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