21.06.12

Gutachten

Spanischen Banken fehlen bis zu 62 Milliarden Euro

Nun liegen die konkreten Zahlen auf dem Tisch: Die spanischen Banken benötigen laut zwei Gutachten bis zu 62 Milliarden Euro. Das ist immerhin deutlich weniger als zunächst befürchtet.

Quelle: dapd
21.06.12 0:59 min.
Ein lockerer Deutscher, ein fröhlicher Spanier und ein ernster Grieche. Zum Auftakt des Treffens in Luxemburg stand einigen die Anspannung ins Gesicht geschrieben, während andere Witze machten.

Die Spannung war den Herren anzusehen. Wirtschaftsstaatssekretär Fernando Jiménez Latorre und Fernando Restoy, stellvertretender Notenbankchef, wagten sich nur als Duo vor die Presse, um einen von ausländischen Experten erarbeiteten Sanierungsbericht über die maroden spanischen Banken zu präsentieren.

Doch dann gab nach einer langen Vorrede eine angenehme Überraschung. Die Experten von Roland Berger und der amerikanischen Beratungsgesellschaft Oliver Wyman veranschlagen den Sanierungsbedarf des spanischen Finanzsektors auf maximal 62 Milliarden Euro.

"Das ist deutlich weniger als die 100 Milliarden Euro, die die Eurogruppe den Spaniern als Hilfe für die Rettung ihrer Banken bereits zugesagt hat", so Restoy zufrieden. Betroffen sei nur eine kleine Gruppe von Finanzinstituten, die bereits unter den Fittichen des spanischen Bankenrettungsfonds FROB befände, so der Notenbanker.

Die beiden Spanier wollten keine Namen von Banken nennen. "Es gibt weder Namen noch Zahlen", machte Latorre klar, doch die Wackelkandidaten sind in aller Munde. Es handelt sich um die Sparkassengruppe Bankia, die ihren Sanierungsbedarf auf stolze 23,5 Milliarden Euro veranschlagt hatte, gefolgt von CatalunyaCaixa, Novagalicia und Banco de Valencia.

Das "Worst-Case-Szenario"

"Die Experten haben unabhängig voneinander gearbeitet, sie hatten in der Prüfungszeit keinen Kontakt", so Restoy. So kam die US-Firma im sogenannten "Worst-Case-Szenario" auf eine Summe zwischen 51 und 62 Milliarden Euro, Roland Berger errechnete ein Finanzloch von 51,8 Mrd. Euro.

Die zwei spanischen Großbanken Banco Santander und BBVA sowie die katalanische Finanzgruppe CaixaBank seien auf keine fremden Hilfen angewiesen, so Restoy. In Madrid war Erleichterung zu spüren, denn am Vortag hatte die Ratingagentur Fitch den Sanierungsbedarf des Sektors auf 90 bis 100 Mrd. Euro beziffert.


Die spanische Regierung von Mariano Rajoy fühlt sich durch die Expertise von Wyman und Berger bestärkt, an ihrer Hinhaltetaktik festzuhalten. So will das Land den offiziellen Antrag auf Hilfe für die Banken erst in den kommenden Tagen stellen. "Die Antragstellung ist nur eine Formsache", so de Guindos. Er ließ durchblicken, dass Spanien versuchen wird, bessere Bedingungen bei der Kreditlinie auszuhandeln.


In diese Richtung zielen auch Kommentare von Experten im eigenen Land. "Es ist ungerecht, wenn die Probleme von einzelnen Kreditinstituten auf den ganzen Sektor übertragen werden und zu ungerechtfertigten Zweifeln am gesamten spanischen Finanzsystem führen", so Pedro Pablo Villasante, Präsident des spanischen Bankenverbands AEB. Er unterstrich, dass die wirtschaftliche Lage von Spanien weiterhin sehr schwierig sei.

Das spiegelt sich auch in den Einnahmen der spanischen Banken wieder. Im ersten Quartal brachen die Gewinne des Sektors um 27,5 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro ein. Da die Regierung von den Banken immer höhere Rückstellungen fordert, dürften die Gewinne der Banken auch in den nächsten Quartalen rückläufig sein.

Stemmen gegen das umfassende Rettungspaket

Die Regierung stemmt sich indessen weiterhin mit Händen und Füßen gegen ein umfassendes Rettungspaket. "Wir müssen nicht gerettet werden, wir machen ja schlieβlich alle geforderten Strukturreformen, das sind alles Phantastereien" so Finanzminister Cristobal Montoro im Parlament.

Trotz unhaltbarer Kreditkosten brauche das Land keine internationale Hilfe in dem Ausmaß, wie sie bereits Griechenland, Irland und Portugal erhalten hatten. Derweil werden die Proteste auf den Straßen lauter.

Erst am Mittwochabend hatten Tausende spanische Gewerkschaftsmitglieder auf den Straßen von Madrid gegen die Sparmaßnahmen der Regierung Rajoy protestiert. Sie warfen ihr vor, mit den Maßnahmen, mit denen sie ein Rettungspaket zu verhindern versucht, gleichzeitig die Wirtschaft des Landes zu zerstören.

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Wo bei Spanien der Schuh drückt
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    Die EU-Kommission fordert "dringende wirtschaftspolitische Maßnahmen", da sich nach dem Platzen der Immobilienblase in Spanien makroökonomisch "äußerst schwerwiegende Ungleichgewichte" aufgebaut haben: Die Verschuldung des Privatsektors und die geschwächte außenwirtschaftliche Position des Landes lassen in Brüssel die Alarmglocken schrillen. Es gelte, negative Folgen für die Euro-Zone zu verhindern.

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    Wegen der akuten Probleme hat die Kommission Spanien mehr Spielraum gegeben, sein Defizit auf die Maastricht-Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Sie will dem Land bei entsprechenden Reformanstrengungen bis 2014 und damit ein Jahr länger Zeit geben.

  • Föderale Struktur

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  • Rentenreform

    Ausdrücklich lobt Brüssel die 2011 auf den Weg gebrachte Rentenreform als wichtigen Schritt hin zur Nachhaltigkeit. Durch die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven Spaniens werde die erwünschte Strukturreform jedoch erschwert.

  • Steuersystem

    Brüssel rät der Regierung in Madrid dazu, sein Steuersystem "wachstumsfreundlicher" zu gestalten. Hierzu sollen beispielsweise der Mehrwertsteuersatz erhöht und Ausnahmeregelungen weitgehend gestrichen werden.

  • Rezession

    Auch im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung weiter geschrumpft. Wirtschaftsminister Luis de Guindos erklärte, er rechne in den kommenden Quartalen aber mit einer Stabilisierung. Das spanische Bruttoinlandsprodukt war in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent geschrumpft. Für das laufende Jahr rechnet die Regierung in Madrid mit einem Minus von 1,7 Prozent.

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