21.08.08

Praxistest

Chrysler Sebring Cabrio – Perfektion ist anders

Das Chrysler Sebring Cabrio hat so einen einzigartigen Verkaufsanreiz - die Dachkonstruktion. Den knapp fünf Meter langen Viersitzer gibt es in klassischer Ausführung mit Faltverdeck aus Stoff oder mit einem dreiteiligem Stahlklappdach. Im Praxistest zeigt sich jedoch, dass es kleine Schönheitsfehler gibt.

Zwei verschiedene Dächer für das Crysler-Cabrio - das klingt nach der Qual der Wahl. Eine wirkliche Wahlmöglichkeit hat allerdings nur der Kunde, der sich für einen Dieselmotor entscheidet. Im Grundpreis von 32.990 Euro ist das Auto mit einem 140-PS-Vierzylinder und Stoffdach ausgestattet, das Stahldach kostet 2620 Euro Aufpreis. Das Sechszylindermodell mit dem 2,7-Liter-Benzinmotor, das 38.610 Euro kostet und für diesen Praxistest zur Verfügung stand, ist in jedem Fall ein Coupé mit Open-Air-Option.

Unabhängig von der Dachvariante ist das Sebring Cabrio ein Fahrzeug von beeindruckenden Dimensionen. Fast fünf Meter lang und 1,85 Meter breit zeichnet sich die Silhouette durch lange Karosserieübergänge vorn und hinten aus.

Die Abrisskante am wuchtigen Heck ist mit knapp 1,15 Metern für die meisten Menschen mehr als hüfthoch. Das wäre nicht weiter problematisch, wäre die gewaltige Klappe so gelagert, dass sie sich leicht bewegen ließe. Das ist aber nicht der Fall. Eine Griffmulde in der Verkleidung sucht man vergebens, ebenso eine Zugschlaufe, um den Widerstand der bedien Gasdruckstoßdämpfer zu überwinden. Wer also den mit 371 Liter üppig dimensionierten Kofferraum beladen hat, muss den Arm bis in über zwei Meter Höhe strecken, um dann mit ordentlichem Kraftaufwand den Deckel zu schließen.

Üppig sind auch die Platzverhältnisse im Innenraum. Das Sebring Cabrio ist kein Pseudo-Viersitzer, sondern hat das, was man von einem amerikanischen Cruiser erwartet: Ordentlich Raum für die Insassen, Halter für die Getränke und ein seidenweich schaltendes Automatikgetriebe für den sanften Vortrieb. Weniger erfreulich ist allerdings, wenn man feststellen muss, dass Fugen zwischen Verkleidungsteilen unterschiedlich breit sind oder sich am Scheibenrahmen eine Abdeckung löst. Das lässt auf verbesserungswürdige Verarbeitungssorgfalt schließen.

Mit 186 PS ist das Auto alles andere als übermotorisiert, zumal dieser "Pferdestärke" ziemlich genau 10 Kilogramm Fahrzeuggewicht anschieben muss. Mit elf Litern Testverbrauch je 100 Kilometer war das große Auto erstaunlich nah am offiziellen Normwert (10,5). Beim gemütlichen Gleiten über die Landstraße sind auch deutlich weniger als 10 Liter drin.

Über die Leistungsfähigkeit von Federn und Dämpfern informiert am besten eine Fahrt über holpriges Kopfsteinpflaster. Der Reisekomfort ist sowohl in puncto Stoßminderung als auch in der Geräuschdämmung über jeden Zweifel erhaben.

Ist das massige Stahldach in der Versenkung verschwunden, reduziert sich das nutzbare Volumen des Gepäckabteils um rund die Hälfte. Zwei Reisetaschen können dann noch in den nominal vorhandenen 188 Litern verstaut werden. Gleichzeitig verlagert sich der Fahrzeugschwerpunkt nach hinten und die serienmäßige Schlupfregelung des Frontantriebs tritt häufiger in Aktion als erwartet. Glatte oder feuchte Straßenbeläge können die Ursache dafür sein. Ansonsten ist die Lenkung frei von Antriebseinflüssen.


Sind nur zwei Personen Teilnehmer des Frischluft-Vergnügens, kann man auf das serienmäßige Windschott gut verzichten. Front- und Seitenscheiben bieten ausreichend Schutz vor Zugluft. Allerdings muss man damit rechnen, dass die hinten an der Sitzinnenseite befestigten Sicherheitsgurte Fahrtwind einfangen und in bestimmten Tempobereichen für ein lästiges Flattergeräusch sorgen.

Für einen moderaten Aufpreis von 1670 Euro liefert Chrysler das Cabrio mit einem Festplatten-Navigationssystem inklusive DVD-Laufwerk und 20-GB-Festplatte aus, auf der man sich seine eigene Reisediskothek abspeichern kann.

Wer über diese Investition nachdenkt, sollte sich zuvor eingehend mit der Bedienbarkeit via Touchscreen und der Aktualität der Grafikdaten auseinander setzen. Bereits seit zwei Jahren in Betrieb befindliche Umgehungsstraßen erkannte das Testwagensystem als "off Road" und die grobe Maßstabsabstufung der Kartendarstellung erwies sich als praxisfremd.

Fazit: Für deutlich unter 40.000 Euro bietet Chrysler ein großzügig geschnittenes Cabriolet mit voller Wintertauglichkeit und hohem Ausstattungsniveau an. Der Kunde muss bei seinem Komplettpreis weder auf Leichtmetallfelgen oder Lederpolster, Sitzheizung oder Tempomat noch auf Nebelscheinwerfer, Klimaautomatik, Wegfahrsperre oder Alarmanlage verzichten. Er sollte freilich bereit sein, sich im unterkühlten Kunstoffambiente des Innenraums wohl zu fühlen und die eine oder andere Unzulänglichkeit bei der Verarbeitung hinzunehmen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
24.05.13Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
24.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Am Maxim Gorki Theater feiert am Samstag das Stück „Leben des Galilei“ Premiere. Pressesprecherin Claudia Nola rechnet damit, dass diese nicht ausverkauft sein wird
24.05.13Bühne
Champions-League-Finale bringt Berlins Theater in Bredouille

Berlins Theater sehen sich am Samstagabend einem kaum besiegbaren Konkurrenten ausgesetzt. Denn nicht nur potenzielle Zuschauer wollen das Champions League Finale sehen, sondern auch viele Darsteller. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
24.05.13Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia

Porsche 911 Carrera 4S

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote