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21.02.12

Kolumne "Steuerberater"

Mercedes ML – Ganz schön im Schlamm unterwegs

Zu den Vorzügen der dritten Generation des Mercedes-SUV gehören sein kantiges Design, seine Sicherheitsfeatures und die Technik. Als V6-Benziner lässt der Geländewagen aber einige Wünsche offen.

Hersteller/sp-x

Mercedes plant, mit der A-Klasse ein neues Einstiegsmodell auf den Markt zu bringen.

8 Bilder

Es gibt Fahrzeuge aus dem Hause Mercedes-Benz, die teilen die Betrachter in scharf getrennte Lager. Ein Beispiel? Der kleinere Geländewagen GLK. Für die einen ein Fahrzeug wie ein unförmiger, unproportionaler Schuhkarton, andere mögen gerade den keilförmigen robusten Auftritt.

Über den ML, der vergangenes Jahr in der dritten Generation auf den Markt kam, kann man nicht von einem geteilten Echo sprechen. Man betrachtet das Auto aus unterschiedlichen Richtungen, und es wirkt immer ansehnlich.

Der Entwicklungssprung des ML wird deutlich, wenn man den aktuellen ML der Erstausgabe von 1997 gegenüberstellt. Der erste ML sieht gegen das Auto des Baujahres 2012 wie eine hässliche Ente aus – von einem Entlein kann man wegen der Größe und des Gewichts (rund 2,3 Tonnen) des Wagens nicht sprechen.

Auch technisch ist der ML der dritten Generation (ab 2011) auf hohem Niveau. Das betrifft vor allem die Sicherheitsausstattung und die drei angebotenen Motoren, darunter zwei Diesel (AMG bietet zusätzlich noch einen V8 an zu Preisen von knapp 109.000 Euro).

Der Benziner mit sechs Zylindern und 306 PS (Preis: ab 56.763 Euro) stand zum Test bereit. Und wer heute einen Geländewagen mit Benzinmotor fahren möchte, schaut zunächst einmal vorsichtig in die Liste mit der Verbrauchsangabe. Mercedes nennt 8,5 Liter im Durchschnitt. Das klingt gut. Doch die Realität kann brutal sein. Nach den ersten 100 Testkilometern, wenn auch in klirrender Kälte, zeigte der Bordcomputer einen völlig anderen Wert an.

Klaffen Anspruch und Wirklichkeit des ML auseinander?

Außen und innen:

Ja, wie denn nun? Handelt es sich nun um einen kantigen Offroader oder einen glattgebügelten Geländewagen für Autobahn oder Landstraße? Mercedes hat einen Kompromiss gesucht – und gefunden.

Es gibt markante Linien an der Seite, eine recht steil im Wind stehende Front mit einem dominanten, verchromten Grill mit zentralem Stern und ein in die Breite gezogenes Heck. Aber es gibt eben auch eine sanft nach hinten abfallende Dachlinie.

Mit diesem Design schafft es Mercedes, sich von den runden, windschnittigen Audis abzusetzen. Das Design zählt zu den Stärken der 2011 eingeführten ML-Klasse.

Innen herrschen großzügige Platzverhältnisse. Ablagen gibt es genügend, natürlich sind auch die entsprechenden Cupholder dabei. So lieben das die amerikanischen Kunden.

Mercedes hat den Wahlhebel für die 7Gtronic ans Lenkrad gesetzt. Das passt eher zu bequemen Limousinen, als zu Geländewagen. Ein Makel ist das aber nicht. Die Bedienung von Navigation, Radio und Telefon ist vorbildlich. Die Sitze wirken wie Sessel im Wohnzimmer, bieten trotzdem guten Seitenhalt.

5 Punkte

Komfort und Sicherheit

Wer es möchte und über genügend Geld verfügt, kann den ML zu einem Bollwerk ausbauen. Einiges gehört bereits zur Serienausstattung. Beispiel der Müdigkeitswarner Attention Assist. Er "beobachtet" den Fahrer (zwischen Tempo 80 und 180) und warnt ihn, nachdem er für müde Fahrer typische Lenkbewegungen erkannt hat. Zunächst durch eine Kaffeetasse zwischen den beiden zentralen Anzeigen, dann auch akustisch.

Ein Bremsassistent (Bas plus) erhöht den Bremsdruck, falls der Fahrer nicht situationsgerecht reagiert. Dazu kommen diverse Airbags (vorn, an der Seite und im Kniebereich des Fahrers). Viel besser geht es nicht. Zur Serie gehören die Klimaautomatik, automatische Sitze und Multifunktionslenkrad. Die Ladefläche ist eben und bietet ein Volumen von 690 bis 2010 Liter. Wo man auch hinschaut, Grund zur Kritik gibt es nicht. Zudem ist alles übersichtlich angeordnet. Und die Verarbeitung wie in einer S-Klasse wirkt.

5 Punkte

Gleiten und Gas geben

Das haben schon viele versucht: durch adaptive Federungssysteme und einen starken Motor einem Schwergewicht sportliche Fahreigenschaften aufzuzwingen. Beim ML mit dem 306-PS-Motor beschränkt sich dieses Ansinnen nicht auf einen beeindruckenden Sprintwert von 7,6 Sekunden (von null auf Tempo 100), sondern es wird ergänzt durch die (optionale und empfehlenswerte) Luftfederung (Aufpreis: 2023 Euro) mit zwei sportlichen Abstimmungen.

Zu einem Sportwagen wird der ML dadurch nicht, aber es entsteht ein gutes und sicheres Fahrgefühl bei höherem Tempo und zügigen Kurvenfahrten. Erstaunlich: Bei kräftiger Beschleunigung wird aus dem sonst feinen Hintergrundgeräusch des Motors eine hörbar kräftiger Antreiber.

Ernüchternd ist der Verbrauch bei Stadtfahrten im Winter: Mercedes gibt einen Wert von unter neun Litern an, doch die Anzeige signalisiert selbst bei gemäßigter Fahrweise nun 15 Liter. In diesem Punkt liegen Anspruch und Wirklichkeit auseinander, auch wenn der Verbrauch auf 11,5 Liter bei Überlandfahrten und wärmeren Temperaturen sinkt.

3 Punkte

Gut und schlecht

Das frische Design und die großzügigen Platzverhältnisse sind klare Pluspunkte des ML. Viel schöner kann man im Gelände nicht unterwegs sein, wenn es denn sein muss. Zu den Stärken gehört außerdem, wie leicht und behände der SUV in der Stadt zu bewegen ist. (Im Gelände wurde der Wagen nicht getestet.) Wankbewegungen sind kaum feststellbar, und in der Comfort-Stellung (bei Luftfederung) wird der Geländewagen zu einem sanften Gleiter, der viele Unebenheiten der Straße schluckt. Die Sicherheitsausstattung ist schon in der Grundform gut, mit den Optionen ist sie hervorragend.

Unbefriedigend war der Verbrauch der Testfahrten, sodass zum Sechszylinder-Benziner nur demjenigen zu raten ist, dem der Verbrauch egal ist. Aber diese Einstellung passt weder in die heutige Zeit, noch zu dem Anspruch von Mercedes, ökonomische Autos zu bauen. In diesem wichtigen Punkt verfehlt Mercedes also das eigene Ziel.

4 Punkte

Technische Daten:

ML 350 4Matic, Automatic mit sieben Stufen, Leistung: 306 PS, Drehmoment: 370 Nm, 0 - 100km/h: 7,6 s., Höchsttempo: 235 km/h, Verbrauch (Herstellerangabe: 8,5l (Test: 12 bis 15 Liter), CO2-Ausstoß: 199 g/km.

Bewertung:

0 Punkte: Ungenügend

1 Punkt: Mangelhaft

2 Punkte: Ausreichend

3 Punkte: Befriedigend

4 Punkte: Gut

5 Punkte: Sehr gut

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