Peugeot Citroën
Warum es französische Autos in Europa schwer haben
PSA Konzernchef Philippe Varin treibt Sanierung voran: 6000 Stellen fallen 2012 weg, 800 Millionen Euro werden eingespart. Der Blick richtet sich nach Asien.
Von Nikolaus Doll
Angetrieben wird der schnelle Kleinwagen von einem 1,6-Liter-Turbomotor mit 207 PS. Damit beschleunigt der DS3 in 6,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.
Es passiert auf einer dieser Preisverleihungen, mit denen sich die Autokonzerne hierzulande regelmäßig feiern lassen. Die deutschen Hersteller räumten das Gros der Auszeichnungen ab, ihre Manager verbreiteten gute Laune und das Gefühl, unschlagbar zu sein. Schließlich fragt ein Branchenneuling einen Vertreter von Peugeot, der keinen Preis erhalten hat: "Wie haltet ihr das eigentlich aus?" Worauf der entgegnet: "Man gewöhnt sich dran."
In Deutschland läuft es richtig gut
Auf Branchenauszeichnungen konnte die deutsche Tochter des französischen Konzerns im vergangenen Jahr locker verzichten. Deutschland ist für den Automobilhersteller ein besonders harter Markt - doch ausgerechnet dort läuft es für PSA Peugeot Citroën derzeit richtig gut. Peugeot hat zwar im vergangenen Jahr geringfügig Marktanteile verloren und dennoch bei Umsatz (plus 9,2 Prozent auf 1,66 Mrd. Euro) und Gewinn kräftig zulegt. "Wir haben 2011 das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt", sagt Deutschland-Chef Thomas Bauch.
Wenn sich der Zwei-Marken-Konzern überall so schlagen würde wie hierzulande, hätte Konzernchef Philippe Varin keine Sorgen. Doch weil das nicht so ist, treibt er das Sanierungsprogramm und den Umbau von PSA massiv voran. Weltweit kappt er Kapazitäten, streicht Stellen, sucht neue Absatzgebiete und lässt neue Modellkonzepte erproben.
Verdienstmarge bei Kleinwagen geringer
Der nach Volkswagen zweitgrößte Autobauer Europas hat zwei Dauerdefizite und ein akutes Problem: Er verkauft auf den wichtigsten und am stärksten wachsenden Märkten zu wenig oder gar keine Autos. In den USA tritt PSA Peugeot Citroën nicht an, in China und Indien liegen die Franzosen gegenüber der Konkurrenz aus Deutschland, den USA oder asiatischen Wettbewerbern weit zurück. Zudem verkaufen die Franzosen überdurchschnittlich viele Kleinwagen, und damit verdient man naturgemäß weniger als mit Oberklasselimousinen.
Konzernchef Varin ist also stark vom europäischen Markt abhängig, fast 60 Prozent des Konzernumsatzes werden dort erzielt. Das müsste kein Defizit sein, wenn der Autobauer dort ausreichend Geld verdienen würde, um es in die globalen Wachstumsmärkte investieren zu können. Das ist Varins Plan - und genau diese Rechnung geht derzeit nicht auf.
Weil Europa kriselt, weil im Süden und Westen des Kontinents die Absatzzahlen dahinschmelzen. Deutschland ist derzeit eine Ausnahme, und das Geschäft hierzulande zeigt, wie es PSA gelingen könnte, sich zu erholen.
Der Gewinn steigt
Eigentlich wollten die Franzosen der Konkurrenz in Deutschland im vergangenen Jahr spürbar Marktanteile abringen. Auf 3,3 Prozent wollten sie im Pkw-Geschäft kommen, geworden sind es 2,6 Prozent - ein Rückgang. Dass dennoch mehr verdient wurde - Ergebniszahlen für Landesgesellschaften gibt PSA nicht bekannt - liegt daran, dass größere, höherwertige Autos verkauft werden konnten, Mittelklassemodelle wie der Peugeot 508 und 308 oder Sportwagen wie der RCZ. Dieses Ziel hat PSA nun für alle Weltmärkte.
Derzeit liegt der Anteil sogenannter höherwertiger Fahrzeuge im Falle Peugeots bei 40 Prozent des Absatzes. Der lag 2011 bei rund 2,1 Mio. Stück. Die Quote soll deutlich gesteigert werden. Und den Anteil von Autos, die außerhalb Europas verkauft werden, will Varin bis 2015 auf 50 Prozent heben.
Was Peugeot angeht, lag die Marke im vergangenen Jahr bei 48 Prozent. Mit dem Ausbau der beiden Gemeinschaftsunternehmen in China, dem Anlauf eines neuen Werks in Indien und der Konzentration auf den russischen Markt wollen sich die Franzosen globaler aufstellen. "Das Thema USA stellt sich für uns nicht, dort wartet man nicht auf uns", sagt ein Peugeot-Manager.
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