Schnäppchen-Markt
Rabatte auf Neuwagen steigen auf Rekordhoch
Mit zahlreichen Aktionen kämpfen die Autohersteller auch 2012 um Privatkunden. Dank Sondermodellen und Tageszulassungen purzeln die Preise wie nie zuvor.
Von Thomas Imhof
Schnäppchen-Preise: Anfang 2012 purzeln die Neuwagenpreise. Der BMW X1 ist besonders günstig zu haben.
Wer sich jetzt für den Kauf eines Neuwagens entscheidet, kann so manches Schnäppchen landen. Denn die unverändert schwache Autokonjunktur in Deutschland und die traditionell absatzarme Winterzeit zwingen viele Hersteller zu deftigen Abschlägen auf den Listenpreis.
Laut einer Auswertung des Kölner Neuwagenportals MeinAuto.de sind die durchschnittlichen Nachlässe beim Kauf von Neuwagen via Internet zwischen 2009 und 2011 von 16,6 auf 20,0 Prozent gestiegen. Setze sich diese Entwicklung fort, werde der durchschnittliche Abschlag in diesem Jahr weiter auf fast 21 Prozent steigen.
"Der harte Konkurrenzkampf um Marktanteile wird in einem weitgehend ausgereizten Absatzmarkt wie Deutschland naturgemäß über das Preisinstrument geführt. Das wird sich auch 2012 nicht ändern", sagt Alexander Bugge von MeinAuto.de.
Neuwagen immer günstiger
Auf den Listenpreis der Hersteller sparten Neuwagenkunden 2011 im Schnitt schon 5587 Euro pro Neuwagen. Im Vergleich zu 2009 – dem Jahr der Abwrackprämie – ist dies eine Zunahme um 1384 Euro. Noch 2010 betrug die Differenz zwischen dem im Verkaufsprospekt gedruckten und dem tatsächlichen Kaufpreis "nur" 5488 Euro.
Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Uni Duisburg/Essen, nennt in einer gerade erst veröffentlichen neuen Studie mit dem Titel "Deutscher Automarkt weiter fragil" für die 25 meistverkaufte Modellen in Deutschland Rabatte bei Internetvermittlern von 15,9 Prozent – gegenüber dem Monat Dezember 2010 sei dies ein Anstieg von nochmals 1,3 Prozent.
Besonders günstig zu bekommen seinen u.a. der auslaufende 3er-BMW, aber auch der 5er und der X1. Auch Deutschlands Auto Nummer Eins, der noch in diesem Jahr zur Ablösung anstehende Golf, sei aktuell besonders günstig zu bekommen: Ein Basis-Modell wurde in einer Stichprobe bei der Händlergruppe Max Moritz für 14.888 Euro offeriert – ein Abschlag von 17 Prozent. Ford Fiesta mit Tageszulassung werden per Zeitungsanzeige sogar mit bis zu 32 Prozent Abschlag feilgeboten.
Tageszulassungen steigen an
Überhaupt das Phänomen "taktische" Zulassungen: Laut CAR-Center Automotive Research stieg der Anteil der Tageszulassungen am Gesamtmarkt im Dezember 2011 auf 28,7 Prozent – der höchste Wert für diesen Monat in den letzten vier Jahren.
Tageszulassungen werden mit Abschlägen von bis zu 20-25 Prozent regelrecht verramscht; sie haben sich laut Dudenhöffer "zu einem zweiten Vertriebskanal entwickelt, über den mittlerweile in Deutschland über ein Viertel aller Neuwagen in den Verkehr gelangen. Der hohe Anteil dieser taktischen Zulassen zeigt den hohen Druck im Markt."
"Besorgniserregender Wert"
Während bei Mercedes (14,4 %), BMW (15,6 Prozent) und Audi (24,3 Prozent) die Relationen noch im Lot sind, machen die Tageszulassungen bei den Großvolumenherstellern Volkwagen und Ford mit 31,2 beziehungsweise 31,5 Prozent schon fast ein Drittel der Neuzulassungen zu.
Sie werden aber noch deutlich übertroffen von Opel: Im Dezember wurden 51,6 Prozent aller Neuwagen auf den Rüsselsheimer Hersteller oder einen seiner Vertragshändler zugelassen. Das schönt die Statistik beim Kraftfahrt-Bundesamt, ist aber schlecht fürs Geschäft. Dudenhöffer spricht im Falle Opel sogar von einem "besorgniserregenden Wert."
Rabattniveau auf Höchststand
Auch die Zahl der Verkaufsförderungsaktionen – wozu auch attraktive Sondermodelle zählen – ist im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gestiegen. Diese Tatsache trage mit dazu bei, dass das Rabattniveau im Januar das höchste Niveau seit fünf Jahren erreicht habe, sagen Dudenhöffer und der Leiter Preisstudien bei CAR, Karsten Neuberger.
Ihr Fazit: Der deutsche Automarkt bleibt trotz positiver Stimmung in der Wirtschaft und verbesserter Aktien-Index-Entwicklung fortgesetzt schwierig. Des einen Leid ist des anderen Freud – der deutsche Neuwagenkäufer hat jedenfalls deutlich mehr Vor- als Nachteile von der jetzigen Situation.
Aktuelle (offene) Verkaufsförderungsaktionen
(Auszug aus 334 Aktionen)
- Citroen – "love selection". Attraktive Leasing-Offerten und Rabatte von 3000 Euro ("Partner-Prämie") für C3, C3 Picasso, C4 und C4 Picasso. C3 für 12.810 Euro.
- Ford – "Champions-Edition". Sondermodelle von C-Max, Fiesta, Focus, Galaxy, Ka, Kuga, Mondeo und S-Max. Preisvorteile zwischen fünf (C-Max) und zwölf Prozent (Ka).
- Mazda – 0,9-Prozent-Finanzierung über vier Jahre für Mazda 2,3,5 und 6. Dazu wird ein Rabatt in ungefährer Höhe des Mehrwertsteueranteils (knapp 16 Prozent) gewährt. Mazda3 so für 16.990 Euro.
- Nissan – Anhebung der "City-Cars"-Rabatte. Beim Micra erhöht sich der Nachlass von 2250 auf 2750 Euro; NOTE-Käufer erhalten 3500 statt 3100 Euro geschenkt.
- Renault – Sondermodell Kangoo "Tom-Tom" für 14.990 Euro (Preisvorteil 4500 Euro oder 23 Prozent). Clio Yahoo! Für 9990 Euro (minus 3110 Euro oder 23,7 Prozent)
- Opel – beim Kauf eines Astra "Opel eco-Prämie" bei Inzahlunggabe eines Gebrauchtwagens. Kundenvorteil 2500 Euro. Corsa Leasingangebot, 0 %, Laufzeit 37 Monate, Anzahlung 0 Euro, Monatsrate 149 Euro, Schlussrate 5181 Euro.
- Seat – 0-Prozent-Finanzierung ohne Anzahlung mit vier Jahren Laufzeit für Ibiza, Leon, Altea und Exeo. Kundenvorteil liegt bei 12 Prozent.
- Volkswagen – "Match"- ersetzen "Style"-Sondermodelle. Golf "Match" mit 3300 Euro oder 14,2 Prozent Preisvorteil (gegenüber nur 10,2 Prozent beim "Style").
- Fiat – Panda vor dem Modellwechsel als "Classic" für 6990 Euro. Entspricht einem Rabatt von 26 Prozent! Punto Easy für 9.990 Euro.
- Peugeot – Auslaufmodell 207 mit ESP, Nebel, Klima und Audio für 9990 Euro.
- Lancia – Modell Musa zum Barpreis von 12.690 Euro (Kundenvorteil 3000 Euro).
- Toyota – "Specialleasing" für das Modell Verso (Kundenvorteil 5027 Euro).
- Chevrolet – "Happy Deals", Chevrolet Aveo für 8740 Euro (Abzug von 3095 Euro)
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