Jaguar-Cabrio
Erst kommt die Leidenschaft, dann die Vernunft
Bei der britischen Marke, die heute zum Tata-Konzern gehört, setzt der Hersteller auf Sportlichkeit. Das beweist das neue XKR-S Cabriolet. Es schafft Tempo 300.
Von Dirk Schwarz
So ganz nach oben offen ist er nicht: Jaguars stärkstes Cabrio aller Zeiten wird nämlich bei Erreichen der 300-km/h-Marke elektronisch von weiterer Beschleunigung abgekoppelt. Diese Erfahrung macht der Fahrer beim XKR-S allerdings nur auf einer Rennstrecke mit ausreichend langer Gerade. Sonst aber erweitert das offene Fahrerlebnis den Horizont, wie eine Ausfahrt im eisigen Finnland belegt.
Der britische Hersteller, der seit 2008 zum indischen Tata-Konzern gehört, bereitet für die kommenden Monate einige Produkteinführungen vor. Der wohl wichtigste Motor ist allerdings schon seit ein paar Wochen zu haben: Der 2,2-Liter-Diesel befeuert bereits seit Ende vergangenen Jahres den XF und soll Jaguar vor allem im Business-Segment gegen die Übermacht von BMW, Mercedes und Audi zu einem besseren Stand verhelfen.
Jaguar setzt mehr auf Sportlichkeit
Aber Jaguar setzt natürlich nicht nur auf Vernunft, sondern auch auf Sportlichkeit. Mit dem sogenannten Speedpack wird die große Limousine XJ noch einmal dynamischer: Käufer der 510 PS starken Kompressor-V8-Version (ab 136.750 Euro) können es als Sonderausstattung wählen.
Eine Leistungsoptimierung der Motorsteuerung und zusätzliche Aerodynamic-Kits heben die Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 280 km/h. Das zwischen 1000 und 5000 Euro teure Zusatzpaket für den XJ ist ab sofort bestellbar.
Seit einiger Zeit ist überdies auch das XKR-S-Coupé (ab 129.100 Euro) in Deutschland zu kaufen. Der 5,0-Liter-V8-Kompressormotor erbringt in dieser höchsten Leistungsstufe 550 PS – 40 PS mehr als die bisherige Topversion der Baureihe. Um die Kraft der maximal 680 Newtonmeter auch auf die Straße zu bringen, sind diverse bauliche und elektronische Helfer nötig: Ein komplett neu abgestimmtes adaptives Fahrwerk analysiert rund einhundert Mal in der Sekunde die Lage - und reagiert mit Hilfe härterer Federn und Dämpfer darauf. Auch die Bremsanlage wurde den höheren Anforderungen angepasst.
Das rasante Röhren eines Jaguar lässt sich natürlich noch eindrucksvoller genießen, wenn der Fahrer im Freien sitzt. Dazu hat er ab März in Deutschland Gelegenheit. Dann liegt mitunter noch Schnee auf einigen Straßen unseres Landes. Erste Fahreindrücke in Finnland machten deutlich: Zwei Schwachpunkte hat der XKR-S: die Grenzen der Physik – und den Menschen hinterm Lenkrad.
Ohne ESP ist der Wagen kaum zu halten
Vor allem mit abgeschaltetem ESP – bei Jaguar Trac-DSC genannt – stellt sich selbst beim geschulten Fahrer blitzartig Hilflosigkeit ein. Bereits zu heftiges Ausatmen scheint sich bereits unheilvoll aufs extrem sensible Spiel mit dem Gaspedal auszuwirken. Nur geübte Piloten dürften den XKR-S dann noch einfangen, wenn das Heck ausbricht. Aber für Abenteuer dieser Art ist der Jaguar auch nicht gedacht. Mit Trac-DSC erinnert der Jaguar natürlich rechtzeitig an die Übermacht der Fliehkräfte.
Gerade mit dem exakt abgestimmten technischen Gesamtpaket bringt das Cabrio seine Leistung souverän auf die Straße – und dies trotz im Vergleich zum Coupé rund 50 Kilo höherem Gewicht und den gleichen beeindruckenden Beschleunigungswerten. Den besseren Grip verdankt das Auto seiner Technik. Oder dem Grips seiner Ingenieure.
Dabei ist der Wagen nicht übertrieben hart abgestimmt. Auch das elegante Gleiten über die Boulevards der Metropolen ist im Jaguar-Cabrio sicher ein Vergnügen.
Ab Herbst gibt es wieder einen Kombi
Für kühlere Kunden wird es ab Herbst endlich auch wieder einen Kombi geben. Der XF Sportbrake genannte Lifestyle-Kombi will dann den Wettbewerbern deutscher Herkunft Paroli bieten. Rund 47.000 Euro werden als Einstiegspreis gehandelt. Und passend zur Rückkehr in die Kombiklasse dürfte gegen Jahresende auch der Wiedereinzug einer Allradvariante in die Jaguar-Limousine verkündet werden.
Neben dem XF könnte sie auch im XJ eingebaut werden. Denn nicht nur auf Eis und Schnee würde sich auch der XK-Käufer die Kraft der vier angetriebenen Räder wünschen. Doch die Realisierung dürfte schwierig werden. Im Fußraum des Sportwagens ist zu wenig Platz für den entsprechend breiteren Mitteltunnel.
Jaguar XKR-S Cabriolet – Technische Daten:
Zweisitziges, zweitüriges Cabriolet der Luxus-Sportwagenklasse; Länge: 4,79 Meter, Breite: 1,89 Meter, Höhe: 1,32 Meter, Radstand: 2,75 Meter
5,0-Liter-Achtzylinder-Benzinmotor, Sechsgang-Automatik, Hinterradantrieb, 550 PS, maximales Drehmoment: 680 Nm bei 2500 – 5500 U/min,
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h (abgeregelt), 0-100 km/h: 4,4 s, Durchschnittsverbrauch: 12,3 Liter, CO2-Ausstoß: 292 g/km
Preis: ab 138.100 Euro
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