Hybridauto
Der Toyota Prius ist kompliziert, aber zuverlässig
Glanzleistung im Dauertest: Beim Toyota Prius versagten in über 100.000 Kilometer nur zwei Glühbirnen. Innen gab es Anlass zur Kritik im bekanntesten Hybridauto.
Der Toyota Prius bringt Menschen in Verlegenheit. Nicht, weil das Hybridauto mit der derzeit wohl kompliziertesten Antriebstechnik am Markt unzuverlässig wäre. Das Gegenteil ist der Fall: Auf einem 100.000 Kilometer langen Dauertest der Fachzeitschrift "Auto Bild" ging an dem Prius nichts kaputt – bis auf zwei Glühlampen in den Scheinwerfern.
Noch weitere 100.000 Kilometer
So sahen sich die Tester genötigt, beim Hersteller anzurufen, um eine Frage zu stellen, die am anderen Ende der Leitung meist betretenes Schweigen hervorruft: "Dürfen wir den noch weitere 100.000 Kilometer fahren?" Keine 24 Stunden brauchte Toyota für ein "Ja", wo andere Hersteller eine abschlägige Antwort lange hinauszögern.
Denn je höher die Laufleistung ist, desto eher kann die Mängelquote steigen, und die Firmen fürchten Negativschlagzeilen.
Toyota ist überzeugt von der Langzeitqualität seines Autos, zumal auch der Dekra-Gutachter, der seine Prüfliste am Prius abarbeitete, ein Problem hatte: "Worüber soll ich bei diesem Wagen denn sprechen?" Mängel fand er nicht.
Der 1997 eingeführte und seit 2009 in dritter Generation verkaufte Hybrid-Vorreiter überzeugte auf breiter Front: Weder dem 82 PS starken 1,8-Liter-Vierzylinder waren die Strapazen des Dauertests anzusehen, noch der Karosserie oder dem Fahrwerk. Weder dem Elektromotor, der die Systemleistung auf 136 PS erhöht, noch den Batterien hatten die Redakteure etwas anzukreiden. "Alles reibungslos", lautete das Urteil.
Prius 2006 besteht ohne Mängel
Mit hohen Erwartungen waren sie aber auch in diesen Test gegangen: Einen ersten Dauercheck hatte ein Prius 2006 mit null Fehlern beendet. Diskret arbeiteten die Motoren zusammen, für schaltruckfreies Beschleunigen sorgte die stufenlose Automatik. Das rein elektrische Ausparken faszinierte, wenngleich die offiziell angegebene Reichweite von 1,5 Kilometern im reinen Elektromodus während des Tests nie erreicht wurde.
40 Euro für die beiden Glühbirnen
Am Ende summierten sich die Reparaturkosten auf rund 700 Euro, 40 Euro machten die beiden Glühbirnen aus, der Rest ging auf Kosten der Bremsbeläge, die verschleißen. Hinzu kamen alle 15.000 Kilometer übliche Inspektionskosten. Je Kilometer fielen 17 Cent an; den Wertverlust eingerechnet, waren es 32 Cent.
Ein bisschen, aber nur ein bisschen krittelten die Testfahrer dann doch noch am Hybrid-Musterschüler herum: Holprig sei das Fahrwerk, Handschuhfach und Mittelkonsole seien schlampig verarbeitet, und es fehle eine USB-Buchse – alles keine großen Mängel, aber Auffälligkeiten, die nicht zum Hightech-Anspruch des Prius passen.
Hybridfahrzeuge vollbringen keine Wunder
Dass auch Hybridfahrzeuge in Sachen Effizienz nach derzeitigem Stand der Technik keine Wunder vollbringen, zeigt der Verbrauch: 6,3 Liter im Durchschnitt für ein 1,4 Tonnen wiegendes Auto sind nicht schlecht, aber auch kein Wert, der besonders beeindruckt.
Vergleichbare Diesel arbeiten auf ähnlichem Niveau. In optischer Hinsicht wird der Prius mit seinem Stummelheck von vielen immer noch als "Geschmackssache" empfunden. Doch technisch gesehen ist der Japaner mit den zwei Motorherzen keine Verlegenheitslösung.
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