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27.12.09

Technik

Autos der Zukunft haben keine Rückleuchten mehr

Auto-Designer haben in den letzten Jahren viel Kreativität in die Entwicklung von Rückleuchten investiert. Doch noch bevor sich die LED-Technik flächendeckend durchsetzt, denken sie schon darüber nach, die Rücklichter ganz abzuschaffen. Der Grund: Die Bremsleuchte hat als solche ausgedient.

Hochschule Pforzheim

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Höhle. Feuer. Schutz. Wie anders ließe sich das Entzünden von Kerzen in halbdunklen Zimmern auf Tannenbäumen erklären, wenn nicht mit der urmenschlichen Suche nach Geborgenheit? Ein Licht erhellt nicht nur die Dunkelheit, sondern auch die Seele des Menschen. Selbst ein Rücklicht an einem Auto kann solch eine beruhigende Wirkung entfalten, wenn man ihm in der Düsternis folgt. Ist es allerdings ein LED, kann die beruhigende Wirkung auch schnell dahin sein und Irritation ihren Platz einnehmen.

Dabei sind die Vorteile von LED-Leuchten unbestritten: "Die Energieeinsparung, verglichen mit Glühlampen, liegt bei etwa 80 Prozent", sagt Cornelius Neumann, einer der beiden wissenschaftlichen Leiter des Lichttechnischen Instituts (LTI) der Universität Karlsruhe. Der Professor kennt noch weitere Vorzüge des Scheins aus "Licht emittierenden Dioden" (LED): Sie reagieren etwa eine Zehntelsekunde schneller als Glühlampen und können damit helfen, Unfälle zu verhüten. Außerdem ist ihre Lebensdauer in der Regel größer als die des Autos selbst.

Doch wie so häufig treten auch Nebenwirkungen auf, die es in den Griff zu bekommen gilt. Eine davon ist die Pulsweiten-Modulation. Sie spielt eine Rolle, wenn für Rücklicht und Bremslicht nur ein Leuchtmittel zuständig ist. Während die entsprechende Glühlampe meist einen schwächeren und einen helleren Glühdraht in einer "Birne" kombiniert, geht dieses bei LED-Leuchten nicht. Stattdessen werden diese für das schwächere Schlusslicht mit einer Frequenz zwischen 100 und 300 Hertz ständig kurz ein- und ausgeschaltet. Das Auge nimmt dadurch insgesamt eine geringere Helligkeit wahr. Beim Bremsen wird diese Taktung schlagartig abgestellt, wodurch das LED-Band mit voller Helligkeit aufleuchtet.

Das Problem, das 2007 auf dem "Symposium on Automotive Lighting" in Darmstadt vorgestellt wurde, besteht aber nicht im Aufleuchten. Bei einigen Menschen löst vielmehr das Vorbeihuschen eines LED-Rücklichts im Normalbetrieb den Eindruck eines Dauerflackerns aus. "Es war gar nicht so einfach herauszufinden, wie der Effekt zustande kam", sagt Neumann – bis die Forscher entdeckten, dass diese Wahrnehmung nur Personen betraf, die Nervenreize besonders schnell verarbeiten konnten. Wenn an solchen Probanden ein Auto mit LED-Beleuchtung vorbeifuhr und sie dem Fahrzeug nicht hinterhersahen, erzeugte dies die Irritation.

Der Grund dafür liegt darin, dass das Auge an seinen Rändern Bewegungen schneller als in der trägen Augenmitte wahrnimmt. Dieser Umstand geht auf unsere Entwicklungsgeschichte und entsprechend benötigte Fluchtreflexe zurück. "Der Löwe kommt nie von vorn", erklärt Neumann diesen Unterschied in der Wahrnehmung.

Das irritierende Flackern der LED-Rückleuchten kann aber durch die Anhebung der Frequenz behoben werden, weshalb nun die Vorteile gegenüber herkömmlichen Glühlampen überwiegen. Diese beruhen nicht zuletzt auch in den schier unendlichen Möglichkeiten, die sich durch die Einführung der LED-Technik dem Design bieten.

"Ob in Zukunft ein Auto überhaupt noch Rückleuchten haben muss, ist derzeit völlig offen", sagt Lutz Fügener, der Professor für Transportation Design ist und an der Hochschule Pforzheim lehrt. Pforzheim gilt neben London und Pasadena als eine der Ausbildungsstätten, die man als Autodesigner besucht haben sollte, wenn man etwas werden will. Einer der Gründe dafür ist auch die Radikalität, mit der dort Herkömmliches infrage gestellt wird. "Mit LED nur Lichtreihen zu basteln, hat Hinterhofcharakter", sagt Fügener.

In Pforzheim stellt man nun die ganze Rückleuchte auf den Prüfstand. Technisch wäre es schon heute machbar, LED-Leuchten in Fugen verschwinden zu lassen – oder überhaupt keine Leuchten hinten am Auto anzubringen. Dies wäre zum Beispiel möglich, wenn Teile des Hecks als Bildschirm interpretiert würden. Nicht anders als auf dem Bildschirm eines Computers könnten auf diese Weise Informationen an den nachfolgenden Verkehr weitergegeben werden, die weit über die Signalwirkung von Bremsleuchten hinausgehen.

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