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31.08.09

IAA-Neuheit

Bei diesem BMW ist das Design unwichtig

Aus der richtigen Perspektive sieht der BMW Vision wie eine Libelle aus, die zum Flug ansetzt. Doch das Design des rassigen Flügeltüren-Coupés ist gar nicht interessant. Viel spannender ist die Technik des Hybriden. Sie verbindet die Fahrleistungen eines M3 mit den Verbrauchswerten eines Kleinwagens.

an.niedermeyer/BMW Group MediaPool

Adrian van Hooydonk, 44, arbeitet seit 1992 bei BMW. Mit einem sportlichen 2+2-Sitzer sorgte der Niederländer auf der IAA 2011 in Frankfurt für großes Aufsehen.

8 Bilder

Efficient Dynamics – dieser Anglizismus, mit dem BMW besonders verbrauchsarme Modelle bezeichnet, ist ebenso wie das Blue-Motion-Siegel von VW unter Autofahrern inzwischen bekannt. Rund 55 Prozent der Neuwagenkäufer kennen die Begriffe. Das belegen BMW-interne Studien.

Damit verbunden ist auch die Ansicht, dass BMW eine Vorreiterrolle bei Öko-Antrieben besitzt. Ein Image, an dem selbst CO2-Monster wie der X6 M (325 Gramm/Kilometer, der V12-760i (299 g/km) oder das M6 Cabrio mit rekordverdächtigen 352 g/km nicht kratzen können.

BMW konnte in der Vergangenheit auch vom Erfolg des Mini profitieren. Durch den Absatz der Kleinwagen sanken zwischen 1995 und 2008 die CO2-Flottenemissionen um 25 Prozent. Liegt der Durchschnittsverbrauch der in Deutschland verkauften neuen Autos heute bei 6,3 Liter, konsumiert ein BMW im genormten Messzyklus nur 6,0 Liter.

Deutlich durstiger sind da Audi (6,6) und Mercedes (7,1). Auch in der CO2-Verbrauchsliste liegen die Bayern trotz im Durchschnitt deutlich PS-stärkerer Motoren vorn: Mit 160 Gramm verweist BMW Audi (176), Mercedes (188), Lexus (207), Jaguar (226) und Porsche (284) auf die Plätze.

Auf der IAA zeigt BMW nun eine Studie, die Fahrleistungen auf dem Niveau eines M3 mit den Verbrauchswerten eines modernen Kleinwagens kombiniert. Im Unterschied zu allen anderen Fahrzeugen, die mit den Efficient-Dynamics-Techniken wie Bremsenergierückgewinnung und Start-Stopp-System ausgestattet sind, handelt es sich hier um ein Modell, das auch vom Design her einen sparsamen Verbrauch unterstützt. BMW will damit auch zeigen, dass der Bau umweltgerechter Fahrzeuge nicht zwangsläufig Spaßverzicht zur Folge haben muss.

Der Chefdesigner von BMW, Adrian van Hooydonk, wählte sehr bewusst die Form eines viersitzigen Sportcoupés, denn dadurch wird das BMW-Konzeptauto auf einer vor Weltpremieren überbordenden IAA trotzdem viel Aufmerksamkeit bekommen. 4,60 Meter ist der Wagen lang und besitzt die klassische Form eines Gran Turismo, eines auch zum komfortablen Reisen geeigneten Autos.

Ungewöhnlich ist, dass van Hooydonk das Konzeptauto mit nach oben schwingenden Flügeltüren ausstattete. So sehr auch die Optik des 1,24 Meter flachen Autos die Sinne betören mag, in die Serienproduktion wird dieses Fahrzeug nicht kommen. Das ist nicht entscheidend, denn das Spannende an diesem Auto verbirgt sich unter dem Blech.

Angetrieben wird der "Vision Efficient Dynamics" in erster Linie von einem Dreizylinder-Turbodiesel, der aus 1,5 Litern Hubraum 163 PS schöpft. Das entspricht einer Leistung von 109 PS pro Liter – ein Spitzenwert für einen Selbstzünder. Trotz der beiden Rücksitze fand der kompakte Diesel im Stile eines Mittelmotors vor der Hinterachse Platz. Das ist gut für den Schwerpunkt, das Fahrverhalten und die Aerodynamik. Der cw-Wert von 0,22 unterbietet die Bestmarke für Serienwagen, mit 0,24 gehalten vom Mercedes E-Klasse-Coupé.

Unterstützt wird der Dieselantrieb von zwei Elektromotoren, die die Gesamtleistung auf 356 PS bringen. Der im Heck montierte E-Motor dient zur Unterstützung des Diesels oder zum rein elektrischen Fahren über maximal 50 Kilometer. Im Schubbetrieb und beim Bremsen wird er zum Generator, der Strom in die Akkus speist.

Der zweite E-Motor sitzt an der Vorderachse. Für höchstens 30 Sekunden gibt er 114, für rund zehn Sekunden sogar 141 PS ab. Weil je ein E-Motor an der Vorder- und Hinterachse sitzt, ist auch Allradantrieb möglich. BMW hat errechnet, dass der knapp 1,4 Tonnen schwere Vollhybride in nur 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und 250 km/h erreichen würde. Im Gegenzug soll der Verbrauch nur 3,76 Liter auf 100 Kilometer betragen, was CO2-Emissionen von 99 Gramm entspräche.

Als Plug-in – der an der Steckdose aufgeladen werden kann – käme der Verbrauch im EU-Strommix auf nur noch 50 Gramm herunter. Aufgeladen werden die Batterien durch eine besonders effiziente Form der Bremsenergierückgewinnung. An der Haushaltssteckdose soll das Aufladen 2,5 Stunden dauern – mit einem Starkstromanschluss sogar nur 45 Minuten.

Bei der Wahl der Energiespeicher nutzt BMW moderne Lithium-Polymer-Batterien des koreanischen Herstellers Kokam. Gegenüber den gerade erst salonfähig gewordenen Lithium-Ionen-Akkumulatoren bieten diese Akkus ein nochmals reduziertes Gewicht, eine höhere Speicherkapazität und die Fähigkeit, sich bis zu 80 Prozent entladen zu lassen.

Ein Nachfolgemodell des C1 ist in Planung

Nicht nur BMW weiß, dass die Autoindustrie vor einem Paradigmenwechsel steht. Da sind Flottenemissionen von 160 Gramm CO2 zwar ein guter Wert im Premiumsegent, aber wahrlich kein Ruhmesblatt. Sollten Neuwagen laut einer Selbstverpflichtung aller europäischen Hersteller doch bereits im Jahr 2008 im Schnitt nur noch 140 Gramm pro Kilometer emittieren.

Um das CO2-Senkungsziel von 120 Gramm pro Kilometer bis 2015 einhalten zu können, fährt BMW mehrgleisig. Ein auf der IAA ausgestellter 320d Efficient Dynamics mit nur 109 statt 128 Gramm CO2 pro Kilometer (entspricht 4,1 Liter/km) zeigt, welche Einsparungen herkömmliche Motoren noch bieten. Ab dem Frühjahr 2010 ist der 163 PS starke 3er BMW zum gleichen Preis wie ein regulärer 320d im Handel.

Als Teil des sogenannten Projecti geht derweil das intern "Mega City Vehicle" genannte neue Stadtauto von BMW der Serienreife entgegen. Ein kompaktes Fahrzeug unterhalb des 1er für verkehrsreiche Innenstädte, das es mit reinem Elektroantrieb und mit einem Verbrennungsmotor wie dem Dreizylinder-Diesel aus der IAA-Studie geben wird.

Für Metropolen mit besonders engen Straßen ist ein Nachfolgemodell des C1 in Planung. Jenes überdachten Motorrollers, der ohne Helm, aber mit Pkw-Führerschein gefahren werden durfte. Ein C2 für zwei hintereinander sitzende Passagiere könnte besser in die neuen Zeiten passen als der 2003 wegen Erfolglosigkeit aus dem Programm gestrichene Vorgänger.

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