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14.08.09

IAA

BMW bringt Hybridantrieb mit fast 500 PS

Wer "Hybridantrieb" hört, denkt wohl zuerst an Autos wie den Toyota Prius, bei dem das Spritsparen im Vordergrund steht, nicht der Fahrspaß. Prius-Fahrer sollten allerdings um die ersten Hybridmodelle von BMW lieber einen Bogen machen. Denn mit fast 500 PS sind X6 und Siebener nicht gerade typische Öko-Autos.

Daimler

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Es hat lange gedauert, bis die deutsche Autoindustrie auf den Hybrid-Zug aufgesprungen ist. Während die japanische Konkurrenz von Toyota im Kompaktwagen Prius schon seit mehr als zehn Jahren den Benzinmotor mit einem Elektroantrieb unterstützt, gibt es teilelektrifizierte Modelle aus heimischer Produktion erst jetzt zu kaufen.

Nach dem kürzlich gestarteten Mercedes S 400 Hybrid legt BMW auf der IAA in Frankfurt in gut einem Monat mit zwei ganz unterschiedlich konstruierten Modellen nach – ihren hohen Preis haben beide allerdings gemein.

Denn mit 102.900 Euro bewegt sich etwa der X6 Active Hybrid in Regionen, die für die meisten Autofahrer unerreichbar sind. Was der Active Hybrid 7 kosten wird, wenn er wie der X6 im April 2010 zum Händler rollt, steht noch nicht fest.

Aber es ist damit zu rechnen, dass auch die Oberklasse-Limousine preislich in den sechsstelligen Bereich vorstoßen wird. Grund dafür ist neben dem Hybridsystem der bereits kostspielige Grundantrieb. Denn statt Vier- oder Sechszylindermotoren arbeiten in beiden Modellen mächtige V8-Benziner.  

"Die Autos sind Technologieträger und zeigen, was derzeit technisch machbar ist", erklärt BMW-Sprecher Frank Strebe. "Zudem harmonieren die kräftigen Achtzylinder besonders gut mit den Elektromotoren." Ähnlich wie etwa 1995 bei der Einführung des elektronischen Stabilitätsprogramms ESP, das Mercedes zuerst in der S-Klasse einsetzte, spielen auch für BMW Kosten eine große Rolle.

Neue und teure Technologien fallen bei einem Auto für rund 100.000 Euro weit weniger ins Gewicht als bei einem Kompaktwagen. "Wir denken natürlich darüber nach, für welche Fahrzeugklassen die Hybridtechnik zukünftig sinnvoll ist", sagt Strebe. "Um Prognosen abzugeben, ist es aber noch zu früh."

Dass BMW nach Mercedes als zweiter deutscher Hersteller Hybridmodelle auf den Markt bringt, ist kein Zufall. Denn die Technik entstammt der seit einigen Jahren bestehenden Kooperation beider Unternehmen in der Hybridtechnik. Kein Wunder also, dass im Siebener das gleiche System zu finden ist, das auch in der S-Klasse verwendet wird.

Der sogenannte Mildhybrid besteht aus einem 20 PS leistenden Elektromotor, der im Getriebegehäuse sitzt und beim Bremsen als Generator die überschüssige Energie in Akkus speichert. Als Stromspeicher kommen dabei moderne Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz. Der Elektromotor unterstützt den Benziner beim Anfahren und soll so für einen niedrigeren Verbrauch sorgen.

Dass der allerdings mit angegebenen 9,4 Litern im Durchschnitt (CO2-Ausstoß: 219 g/km) nicht gerade Eingang in die Rekordbücher findet, liegt am mit zwei Turboladern zwangsbeatmeten 4,4-Liter-V8, der 449 PS leistet.

Zusammen mit dem Elektromotor ergibt sich eine maximale Gesamtleistung von 465 PS – eine solch hohe Leistung gibt es nicht zum Nulltarif.

Im Vergleich dazu hat etwa der auch nicht gerade untermotorisierte Mercedes S 400 Hybrid einen Sechszylinder an Bord und kommt bei einer Systemleistung von 279 PS auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern.

Auch bei den Fahrleistungen gibt sich der Siebener wenig bescheiden: Dank zusätzlichem Elektro-Schub und der Kraft von insgesamt 700 Newtonmetern sprintet der Zweitonner in nur 4,9 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei 250 km/h elektronisch eingebremst - das sind Werte, die auch einem Sportwgen zur Ehre gereichen..

Der Antrieb des X6 Active Hybrid als zweitem BMW-Hybridmodell ist völlig anders aufgebaut als der des Siebeners. Genau wie beim Mercedes ML 450 Hybrid, der ausschließlich in den USA angeboten wird, ist der X6 ein Vollhybrid und verfügt über gleich zwei leistungsfähige Elektromotoren mit 91 und 87 PS. Hauptantrieb ist auch beim Gelände-Crossover-Modell X6 ein 4,4-Liter-V8-Benziner, der allerdings auf 407 PS kommt. Die maximale Systemleistung liegt bei 485 PS und einem Drehmoment von 780 Newtonmetern. Damit beansprucht BMW mit dem X6 Active Hybrid den Titel "leistungsfähigstes Hybrid-Fahrzeug der Welt".

Der 2,5-Tonnen-Koloss beschleunigt in 5,6 Sekunden auf 100 km/h. Mit 9,9 Litern Durchschnittsverbrauch bleibt der X6 knapp unter der Zehn-Liter-Marke. Absolut gesehen sicher kein überragender Wert, allerdings verbraucht der große Allrader fast drei Liter mehr, wenn er als X6 xDrive 50i nur mit dem V8-Benzinmotor bestellt wird – und das trotz 260 Kilo niedrigerem Gewicht und fast 80 PS weniger Leistung. Dieser Fortschritt muss dem Käufer jedoch einen Aufpreis von 25.000 Euro wert sein.

IIm Gegensatz zum Siebener kann der X6 bis zu einem Tempo von 60 km/h auch rein elektrisch fahren. Die Reichweite soll maximal 2,5 Kilometer betragen.

Dann ist die elektrische Energie aufgebraucht, und der Benziner springt wieder an. Gespeichert wird der Strom nicht in den modernen Lithium-Ionen-Akkus, wie sie etwa auch in Mobiltelefonen und Notebooks zum Einsatz kommen, sondern in den schon länger verfügbaren Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH). "Diese Akkus werden bei allen Vollhybriden eingesetzt", sagt Andreas Lampka von BMW. "Und das wird sich auch erst einmal nicht ändern."

Zwar gelten die Lithium-Ionen-Akkus als Zukunft der Batterietechnik, momentan sind die Zellen aber noch wenig erprobt, teuer und stoßen bei bestimmten Anwendungen an ihre Grenzen.

"Der X6 Active Hybrid gewinnt im Schiebebetrieb etwa 25-mal mehr Energie zurück als ein herkömmlicher BMW", erklärt Lampka. "Diese Schnellladung halten Lithium-Ionen-Akkus im Dauerbetrieb nicht aus."

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