27.02.13

Autolegende

Peugeot 205 – Kleiner Retter aus großer Not

Manchmal sind die Kleinen doch die Größten, das demonstrierte vor 30 Jahren der Peugeot 205. Der Wagen führte den Konzern aus der Krise und wurde für die Marke die bis dahin meistgebaute Modellreihe.

Von Wolfram Nickel
Foto: Peugeot

Wie die Zeit vergeht: Der Peugeot 205 ist nun ein Oldtimer und darf ein H-Kennzeichen tragen.

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Allmählich macht man sich Gedanken über das eigene Alter, wenn Fahrzeuge, die die eigene Kindheit bestimmt haben, nun bereits als Oldtimer bezeichnet werden können und ein H-Kennzeichen tragen dürfen. 30 Jahre liegen dann zwischen dem Gestern und dem Heute, mindestens.

Zu diesen Autos, die in der Erinnerung noch so frisch sind, zählt seit diesem Jahr der Peugeot 205. Und auch wenn drei Jahrzehnte seit der Markteinführung des kleinen Franzosen vergangen sind, so ähnelt die aktuelle Situation von Peugeot der von 1983 doch sehr stark. Damals ging es ums Überleben, heute ebenfalls.

Ende der 70er-Jahre war Peugeot durch die Übernahme von Citroën und Chrysler Europa (Talbot) gerade zum damals größten Automobilkonzerns Europas aufgestiegen. Allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen, denn die Kunden vermissten eine klare Markentrennung, störten sich an überalterten Modellen, mangelhafter Qualität und fehlender Faszination vieler Typen.

Die Folge war ein Absturz, der ins Bodenlose zu führen drohte. So ging der europäische Marktanteil des Konzerns allein in den Jahren 1979 bis 1982 um über ein Drittel zurück.

Kein Design von Pininfarina

Zum letzten Rettungsanker sollte der Kleinwagen 205 werden. Zum letzten Rettungsanker sollte der neue Peugeot-Kleinwagen mit der geplanten Modellnummer 105 werden. Tatsächlich übernahm der Hoffnungsträger sogar den Radstand des Vorgängers 104, rollte dann aber am 20. Februar 1983 unter der Bezeichnung 205 in die Präsentationsräume der Händler.

Eine Entscheidung, die von der Konzernführung in letzter Minute gefällt wurde, waren es doch bis dahin immer die Modelle der 2er-Reihe wie 201, 203 und 204, durch die Meilensteine in der Unternehmensgeschichte gesetzt wurden.

Das Design wurde diesmal nicht von Pininfarina übernommen, sondern von hauseigenen Kreativen erledigt. So sorgten eine niedrige Gürtellinie mit nach vorn abfallender Motorhaube und große Fensterflächen für einen charmanten Auftritt.

Coupé-Charakter bot die dreitürige Version durch abgerundete hintere Seitenscheiben und eine massive C-Säule. Eine sportive Optik, die besonders dem starken 205 GTI zugute kam.

2700 Bestellungen täglich

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Täglich 2700 Bestellungen liefen bei Peugeot im ersten Jahr für den 205 ein – bei einer Produktionskapazität von nur 1700 Einheiten, die von Experten noch kurz vor Serienstart als zu optimistisch eingestuft worden war.

Längere Lieferzeiten hatten aber nicht nur die Limousinen, auch die von Pininfarina kreierte Cabriolet-Version avancierte ab 1986 zum begehrtesten Sonnenanbeter unter den kleinen Viersitzern.

Fast 72.000 Käufer erlagen der offenen Versuchung, die nicht einmal der feststehende, massive Überrollbügel einbremsen konnte. Auch auf dem deutschen Markt wurde der 205 schnell zum Bestseller und Sieger zahlreicher Kleinwagenvergleichstests.

Im Vorteil gegenüber VW Polo, Ford Fiesta und Opel Corsa war der 205 auch durch einen drehfreudigen und sparsamen 1,8-Liter-Diesel, mit dem er als erster Diesel-Kleinwagen eine Millionenauflage erreichte. Besonderheit war auch die optionale Viergang-Automatik, die beim 205 ihr Deutschland-Debüt im Kleinwagensegment feierte.

GTI-Fieber in den kleinen Klassen

Auch beim Antrieb war der Peugeot Avantgarde. Der ab 1984 angebotene 205 Électrique zählte zu den ersten Elektroautos überhaupt. Zwölf Nickel-Cadmium-Akkublöcke speisten einen Gleichstrom-Motor, der 25 PS an die Antriebsräder abgab – und dies bis zu einer Distanz von rund 100 Kilometern.

Für die Rekord-Verkaufszahlen des 205 entscheidend waren allerdings andere Antriebsvarianten, die sich zu wichtigen Imageträgern entwickelten. So führten die Franzosen 1984 zwei Motorversionen ein, die das damals grassierende GTI-Fieber von der Kompaktklasse auf die Kleinwagen übertrugen.

Während der gerade einmal 875 Kilogramm wiegende 205 GTI mit Motorstärken von 105 PS bis 128 PS in nur 7,8 Sekunden auf Tempo 100 spurtete und damit auch dem Golf GTI keine Chance gab, war der 205 Turbo 16 ein reinrassiges Renngerät für Rallyepisten.

Um die Homologation zu erreichen, produzierte Peugeot von dem 240 PS freisetzenden Mittelmotorsportler mit Allradantrieb 200 Einheiten mit Straßenzulassung, die in Deutschland zum damals exorbitant hohen Preis von 94.400 Mark angeboten wurden.

Erst der 206 war ein würdiger Nachfolger

Damit war der Peugeot 205 T 16 sogar teurer als ein deutlich stärkerer Ferrari 308 GTB i, was das auflagenlimitierte Löwenbaby offenbar nur noch begehrenswerter machte. Sicher lag dies auch daran, dass der T 16 schon beim dritten Einsatz in der Rallye-WM, der 1000-Seen-Rallye in Finnland 1984, seinen ersten Gesamtsieg errang.

1985 und 1986 trug der T 16 die Marke dann zum Weltmeistertitel in der Rallye-WM. Nach dem Ende der legendären Gruppe B schickte Peugeot seinen Renner in die Wüste, wo er 1987 und 1988 bei der Rallye Paris-Dakar siegte.

Am Ende eines langen Produktlebens blieb der 205 allerdings ohne richtigen Nachfolger. Erst der Peugeot 206 schloss 1998 die Lücke im Modellprogramm – und übertraf die Erfolge seines Vorgängers noch einmal.

Für den aktuellen Peugeot 208, der so wie einst der 205 das Unternehmen aus der Krise fahren soll, könnte die Messlatte also kaum höher liegen.

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