22.02.13

Stiftung Warentest

Neuwagen im Internet billig wie nirgends sonst

Stiftung Warentest hat die von Autoherstellern ungeliebten Rabatt-Portale getestet und rät zum Online-Kauf. Stichproben ergaben bis zu 20 Prozent Rabatt für VW Passat. Das Geschäft wird immer härter.

Foto: dpa
Ab zur Kasse: Noch ist der Verkauf von Neuwagen im Internet eine Nische
Ab zur Kasse: Noch ist der Verkauf von Neuwagen im Internet eine Nische

Rabattportale im Internet bieten die niedrigsten Preise für Neuwagen, hat die Stiftung Warentest jetzt festgestellt. In Stichproben bei Autohändlern und Online fanden Mitarbeiter der Verbraucherschutz-Organisation heraus, dass Rabattportale wie MeinAuto.de, Carneoo oder Autohaus24 fast doppelt so hohe Nachlässe anbieten wie der Kfz-Händler vor Ort – und das ohne langes Verhandeln.

Zehn Prozent Rabatt bot der Verkäufer im Autohaus nach geduldigem Feilschen im persönlichen Gespräch für einen VW Passat Variant der gehobenen Ausstattungslinie "Comfortline". "Kein Vergleich zu dem, was im Internet möglich ist", steht in der Märzausgabe der Zeitschrift "Finanztest". Bei einschlägigen Online-Vermittlern wurde der Passat überwiegend für bis zu 20 Prozent Ermäßigung angeboten. Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost räumte jedoch der zuständige Redakteur ein, dass der Kauf nicht bis zum Ende abgewickelt worden sei.

Der Finanztest-Bericht macht eines deutlich: Die von den Autoherstellern ungeliebten Rabattportale sind bei Kfz-Händlern so präsent, dass sie bereits in die Preisfindung einbezogen werden. So beobachtete der Tester, dass der Kundenberater im Verkaufsgespräch angestrengt auf seinen Computerbildschirm starrte – um selbst in einem der Rabattportale die Preise zu vergleichen. Doch so geschmeidig sich der Verkäufer auch verhielt, es nützte nichts: Die Portale unterboten sein letztes Angebot mühelos.

Autos müssen raus

Der Hintergrund: Vermittler wie MeinAuto.de oder Carneoo ziehen ihre Vorteile aus den Problemen, in dem der Neuwagenmarkt zurzeit steckt. Derzeit liegt die Nachfrage so niedrig wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Im Jahr 2012 wurden rund drei Millionen Autos in Deutschland neu zugelassen, knapp drei Prozent weniger als 2011. Diese knapp 100.000 Pkw weniger stellen Überkapazitäten dar, die "in den Markt gedrückt werden müssen", wie ein Kfz-Händler gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte.

Das tun die Händler vor allem in Form von Rabatten: Wie das Marktforschungs-Institut "Center for Automotive Research" CAR in Bergisch-Gladbach in seinem monatlichen Rabatt-Index feststellt, sind derzeit Nachlässe von bis durchschnittlich 17,6 Prozent üblich – allerdings nur im Rahmen von Werbeaktionen und anderen Maßnahmen, die Hersteller und Händler ganz offiziell gewähren. Nicht erfasst sind dagegen die Rabatte der Online-Autohäuser.

Die Portale gewähren den Nachlass nicht selbst, ebenso wenig wie sie die Autos verkaufen: Unternehmen wie MeinAuto.de und Carneoo sind reine Vermittler, die den Kontakt zwischen Autohäusern und Käufern herstellen. Es sind einige hundert von gut 25.000 Neuwagenhändlern in Deutschland, die mit den Portalen Verträge abgeschlossen haben. Der Deal: Der Händler verzichtet auf einen Gutteil seiner Marge, dafür erreicht er über die Portale zusätzliche Kunden.

Neuwagentage passé

Der Vermittler berät nur die Kunden und sammelt Bestellungen ein. Für diese Dienstleistung erhält er eine Provision von ein bis zwei Prozent des Kaufpreises. Der Autohändler spart sich dagegen die Mühe, um zusätzliche Kunden zu werben. "Früher hat man Neuwagentage veranstaltet, da kam mit Glück eine Handvoll Leute", sagt ein Händler, der bei MeinAuto.de unter Vertrag steht und lieber anonym bleiben will.

Mit dem Internetvertrieb könne er seinen Absatz um zehn Prozent erhöhen. "Das ist die Zukunft – wer da nicht mitmacht, hat verloren."

Der Wettbewerb ist auch nach Erscheinen der Neuwagen-Rabattportale immer schärfer geworden: So dokumentiert eine aktuelle Statistik von MeinAuto.de, dem 2007 gegründeten Marktführer, einen Anstieg des durchschnittlichen Rabatts von 16,6 Prozent im Jahr 2008 auf fast 22 Prozent im vergangenen Jahr.

Auch Google ins Geschäft eingestiegen

Für die nahe Zukunft rechnet MeinAuto.de dagegen mit einem leichten Rückgang: "Da geht nicht mehr viel", so ein Mitarbeiter des Unternehmens.

Derzeit hat der Internetvertrieb einen sehr geringen Marktanteil von unter drei Prozent am gesamten Neuwagenhandel. Bis zu 20 Prozent hält der Händler, der anonym bleiben will, für möglich. Und offenbar glaubt das auch Google: Der mächtige Suchmaschinen-Konzern, der sich durch Kapitalstärke und Innovationen bereits zahlreiche neue Geschäftsfelder erschlossen hat, experimentiert auch im Internet-Neuwagengeschäft.

Seit Ende 2012 ist "Google Cars" live, das seine Dienste vorläufig noch auf die USA beschränkt. Das Geschäft wird härter.

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