21.02.13

Pritschenwagen

Der Ford Ranger – zu schade für die Baustelle

Pick-Ups sind in Deutschland Exoten. Wer gern einen hätte, sollte das Angebot von Ford ins Auge fassen. Der Ranger ist zwar nicht ganz fehlerfrei, aber geländegängig und hart im Nehmen.

Foto: Ford

Zwei Sitzreihen und eine große, offene Ladefläche. Der Ford Ranger richtet sich an alle, die öfters mit Sperrgut unterwegs sind.

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Groß, breit, schwer, unhandlich – das ist das, was einem als durchschnittlichem Europäer zu Pick-Ups einfällt. Zwar sind die Autos praktisch, weil man Transportgut einfach auf die Pritsche werfen kann, aber ob ihrer raumgreifenden Erscheinung passen die Wagen besser in die Prärie nach Texas oder auf eine Farm in Südamerika als in zugeparkte Zonen wie die Kölner Südstadt oder München-Schwabing.

Auch der Ford Ranger ist nicht gerade ein Kleinwagen. Mit einer Länge zwischen 5,27 und 5,35 Meter überragt er sogar Mercedes' S-Klasse. Doch dafür kann er auch mehr transportieren - und etwas Komfort ist auch mit an Bord.

Bei der Verarbeitung hat man sich Mühe gegeben, das maskuline Design rückt den Ranger näher als bisher an den großen Bruder F-150, das meistverkaufte Auto der Vereinigten Staaten.

Viele Annehmlichkeiten im Innern

Die Ausstattung klingt allerdings nach mehr als nur Nutzfahrzeug: Mit an Bord sind sieben Airbags, CD-Radio, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Berganfahrassistent, ESP, höhenverstellbarer Fahrersitz, schlüsselloses Zugangssystem und eine Anhänger-Stabilisierung.

Die besonders vornehme "Wildtrak"-Version bietet dazu noch Klimaanlage, Navigationssystem, Rückfahrkamera, 18-Zoll-Räder und jede Menge Chrom. Das Ergebnis ist ein Ford, der jedem gefallen dürfte, der früher Fan von Colt Seavers und dessen GMC Sierra war.

Wer bereit ist, Aufpreis zu zahlen, kann in eine Standheizung investieren (1785 Euro), in ein abschließbares Laderaumrollo (1904 Euro) und natürlich in eine Anhängevorrichtung, die wohl die meisten Pick-up-Besitzer ab und zu benötigen werden (774 Euro).

Im Gelände kommt der Ranger sehr weit

Aber trotz aller Annehmlichkeiten: Wenn er gefordert wird, dann kommt beim Ford Ranger das Arbeitstier durch. Zuschaltbarer Allradantrieb nebst 23 Zentimeter Bodenfreiheit laden zu Fahrten ins Gelände ein, auch die Wattiefe von 80 Zentimetern ist aller Ehren wert.

Damit ist die Bestimmung des Fahrzeugs klar: Er gehört auf die Baustelle oder in die Landwirtschaft, weniger in die engen Straßen einer Großstadt. Mit einer 1,56 Meter langen Ladefläche reicht die Doppelkabiner-Version auch noch zum ausgedehnten Baumarkt-Einkauf. Damit will Ford gegen die starken Konkurrenten wie Nissan Navara, Toyota Hilux, Mitsubishi L200 und VW Amarok punkten.

Doch auch in der City kommt der Ford enigermaßen zurecht. Zwar fällt er schon durch seine Maße auf, aber trotz hinterer Blattfedern ist der Abrollkomfort auch unbeladen erträglich, nur bei kurzen Wellen schaukelt das Heck kurz auf. Gerade bei Regen, Wind und Schneematsch fühlt man sich im Ranger ausgesprochen sicher, thront dabei über dem Verkehr und erfreut sich an den Reserven, die der Wagen bereitstellt.

Ein lärmiger, starker Fünfzylinder

Drei verschiedene Motoren bietet Ford für den Ranger, alles Diesel zwischen 2,2 und 3,2 Liter Hubraum mit zwischen 125 und 200 PS. Die größte Variante, ein Fünfzylinder, begeistert zwar mit einem satten Drehmoment von 470 Newtonmeter zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen, dabei macht der Motor aber auch eine Menge Lärm – das schnaubende Standgas erinnert eher an einen Schiffsdiesel als an einen Automotor, auch die unharmonisch schaltende Automatik ist sehr gewöhnungsbedürftig.

Mit einem Tankvolumen von 80 Litern bleibt der Aktionsradius trotz eines Normverbrauchs von 10 Litern ausreichend groß. Allerdings laufen in der Praxis eher 12 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen. Das muss man bezahlen können, ebenso wie die Anschaffungskosten: Als Wildtrak kostet der Ford Ranger mindestens 40.865 Euro. Für die Baustelle ist er damit eigentlich zu schade.

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