20.02.13

Autolegende

Mercedes Pagode – Das Auto mit dem Knick im Dach

Mit einem nach innen gewölbten Dach machte der Mercedes 230 SL vor 50 Jahren Karriere. Perfekt war die "Pagode" aber nicht nur für den Schaulauf der Schönen, sondern auch als echter Sportwagen.

Foto: Daimler

Klare Linien und ein leicht wirkendes Dach mit Knick im Dach – Der junge französische Stardesigner Paul Bracq schaffte 1963 mit den Mercedes 230 SL eine Neuausrichtung des Automobildesigns. Vorbei waren die rundlichen Formen der 50er-Jahre.

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Schwieriger hätte ein Start kaum sein können. Der neue Mercedes 230 SL, der vor 50 Jahren beim Automobilsalon in Genf vorgestellt wurde, sollte gleich zwei verschiedene Sportwagenmodelle ersetzen; zwei, die bereits zu Produktionszeiten zu Legenden geworden waren: den Flügeltürer 300 SL und den 190 SL.

Der Neue meisterte diese Herausforderung. Er hielt die Balance zwischen der sportlichen Abstimmung eines klassischen Roadsters und brachte doch alle Annehmlichkeiten eines komfortablen, zweisitzigen Reisewagens mit sich.

Für Furore sorgte bei der Weltpremiere in Genf neben neuen Linien vor allem ein dominierendes Designmerkmal: ein abnehmbares Coupédach, das sich zur Fahrzeugmitte absenkte. Das war einzigartig, polarisierte und erinnerte an fernöstliche Tempelarchitektur. Der Volksmund taufte diese SL-Baureihe deshalb auf den Namen "Pagode".

Der 230 SL – intern nur W 113 genannt – verfügte aber auch über bemerkenswerte innere Qualitäten. Basierend auf der Bodengruppe der "Heckflossen"-Baureihe, war er der weltweit erste Sportwagen mit einer innovativen Sicherheitskarosserie.

Sie war so angelegt, dass sich bei einem Aufprall, egal ob von vorne oder von hinten, der jeweilige Bereich verformte und damit die Bewegungsenergie im Aufprallbereich reduzierte oder ganz abgebaut wurde. Der Innenraum, die eigentliche Fahrgastzelle, war dagegen als Sicherheitszelle für die Passagiere steif ausgelegt.

Das Traumauto von Stirling Moss

Dass die Pagode mit ihren 150 PS, ihren sechs Zylindern und ihrem serienmäßigen Viergang-Schaltgetriebe aber auch ein ernstzunehmender Sportwagen war, das stellte Mercedes-Chefentwickler Rudolf Uhlenhaut 1963 auf der kurzen Rennstrecke von Annemasse-Vétraz Monthoux in Frankreich eindrucksvoll unter Beweis.

Der 230 SL schaffte eine Rundenzeit von 47,5 Sekunden und lag damit lediglich 0,2 Sekunden hinter dem Zwölfzylinder-Ferrari 250 GT des Grand-Prix-Piloten Mike Parkes. Und bei der damals härtesten Rallye der Welt, der 6600-Kilometer-Fernfahrt Spa-Sofia-Lüttich, fuhr der 230 SL im selben Jahr sogar auf den ersten Rang.

Kein Wunder, dass selbst der frühere britische Formel-1-Rennfahrer Stirling Moss ins Schwärmen geriet, wenn er über die Pagode sprach: "Ich kann mich nicht erinnern, während der vielen Jahre, seitdem ich Auto fahre, je ein Auto gefahren zu haben, das ich lieber besäße."

Deutschland-Premiere neben dem Porsche 911

Bei dem Wunsch allein blieb es nicht. Der Rennfahrer erweiterte seine Autosammlung tatsächlich um eine Pagode. Vermutlich entschied er sich jedoch gegen die aufpreispflichtige Getriebeautomatik, die Mercedes erstmals in einem Sportwagen anbot. Die sei sogar für "die zarte Hand der Damen geeignet", wie die zeitgenössische Presse nach ersten Testfahrten begeistert berichtete.

Sein offizielles Deutschland-Debüt feierte die Pagode auf der IAA 1963 – parallel zur Premiere des damals noch 901 genannten Porsche 911. Diesen betrachtete Mercedes als wichtigsten deutschen Konkurrenten, zumal beide Sechszylinder in der gleichen Leistungs- und Preisliga spielten. 21.700 Mark berechnete die Marke mit dem Stern 1963 für den 230 SL, 200 Mark weniger als der Porsche 911 kosten sollte.

Geradezu ein Sonderangebot war der SL im Vergleich zu den Supersportwagen Ferrari 250 GT (ab 49.800 Mark) und Jaguar E-Type (ab 26.000 Mark), mit denen er aber auf Märkten wie Nordamerika immer wieder verglichen wurde. Dort erfreute sich der SL auch als sogenanntes California Coupé ohne Roadsterverdeck, aber mit Hardtop besonderer Beliebtheit.

Nahezu 40 Prozent der Pagoden-Produktion wurde nach Nordamerika verkauft. Dort galt der Roadster als so zeitlos, dass er noch rund zehn Jahre automobiler Hauptdarsteller in diversen TV-Filmen blieb. Für alle Fans ist er bis heute einer der schönsten Stuttgarter Sterne.

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