13.02.13

Luxus-Cabrio

Dieser Bentley ist der zugige Gipfel der Genüsse

Schnell wie ein Supersportwagen, edel wie eine Luxusyacht und teuer wie eine Eigentumswohnung: Die britische Nobelmarke zeigt, wie man 2,5 Tonnen in 4,4 Sekunden von null auf 100 beschleunigen kann.

Foto: Bentley

Viel schöner als mit dem neuen Cabrio, das traditionell das Kürzel GTC trägt, kann sich kaum ein Autofahrer belohnen.

8 Bilder

Er ist so schnell wie ein Supersportwagen, so edel wie eine Luxusyacht und so teuer wie eine Eigentumswohnung – viel vornehmer als im Bentley Continental GTC kann man den Sommer kaum genießen. Doch genug ist nie genug: Weil man die Kauflust der krisengeschüttelten Besserverdiener offenbar nicht mit Sonderangeboten, sondern nur mit noch exklusiveren Modellen stimulieren kann, legen die Briten jetzt noch einmal nach und bringen den offen Luxusliner im Juni auch in einer Speed-Version an den Start.

Dabei ist der Name Programm: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h wird sie zum schnellsten viersitzigen Cabrio der Welt.

Wie im Vorjahr schon beim Coupé gibt es nun auch für das Open-Air-Modell noch ein bisschen mehr Überfluss unter der Haube, einen Hauch mehr Strenge für das gleitergleiche Fahrwerk und ein dezent modifiziertes Design. Denn wo andere Boliden die Backen ganz dick aufblasen und sich mit Schwellern und Spoilern schmücken, zeugen bei Bentley nur der etwas dunklere Grill, die von innen neu gestalteten Endrohre und eine kleine Lippe auf dem Heckdeckel von der Kraftkur.

Allerdings hat die vielleicht stilvollste Art, einen Supersportwagen zu fahren, auch ihren Preis: Ist schon das gewöhnliche Bentley-Cabrio kein Schnäppchen, schlägt die VW-Tochter auf den bisherigen Zwölfzylinder nun noch einmal gute zehn Prozent auf und verkauft den rollenden Landsitz deshalb für stolze 227.290 Euro – und lässt mit vielen Extras und Individualisierungsmöglichkeiten – fast wie es sich bei einem Cabrio gehört – nach oben noch jede Menge Luft.

Zwei Turbolader, 625 PS

Im Maschinenraum des rollenden Luftschlosses arbeitet der bekannte W12-Motor, den Bentley mittlerweile für den gesamten VW-Konzern entwickelt. Beatmet von zwei Turboladern und jetzt noch einmal im Detail verfeinert, steigt die Leistung für den Speed um runde zehn Prozent von 575 auf 625 PS.

Gleichzeitig klettert das maximale Drehmoment auf schier unvorstellbare 800 Nm und ist quasi zu jeder Zeit abrufbereit: Egal in welchen der acht Gänge die Automatik gerade kaum fühlbar geschaltet hat, egal ab Stadtverkehr oder Autobahn: Kaum streichelt man auch nur sanft das Gaspedal, macht der Bentley einen Satz nach vorne und presst die Passagiere fest in die tiefen Lederpolster, auf denen man anders als bei Lamborghini & Co nicht kauert, sondern thront.

Dabei klingt der Motor zwar so gelassen, als würde gerade eine schmucke Yacht gemächlich über den Comer See tuckern. Doch von diesem Sound darf man sich nicht täuschen lassen. Wer dem Briten die Sporen gibt, der merkt schnell, das der GTC kein Lustschiff ist, sondern auch als Rennboot taugt: Immerhin schafft er den Sprint von 0 auf 100 in gerade einmal 4,4 Sekunden und gilt den Briten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h als schnellster offener Viersitzer der Welt.

Schwergewicht erstaunlich leichtfüßig

Selbst dabei verliert der Bentley allerdings nicht die Kontenance. Natürlich tut sich der 2,5 Tonnen mächtige Wagen in engen Kurven im wörtlichen Sinne etwas schwerer als ein rassiger Roadster. Doch mit variabler Dämpfung, einer dezenten Tieferlegung um zehn Millimeter, der präzisen Lenkung und der feinfühligen Automatik mit Sportprogramm und Lenkradwippen kann man ausgesprochen dynamisch um die Ecken flitzen.

Zwar macht der "Speed" seinem Namen alle Ehre, kann es zumindest auf dem Papier mit jedem Supersportwagen aufnehmen und bewegt sich trotz seines stattlichen Formats und des Gewichts eines ausgewachsenen Elefanten halbwegs leichtfüßig auch durch enge Kurven. Doch von der zweckmäßigen Nüchternheit eines Lamborghini oder Ferrari ist an Bord des Briten nichts zu spüren.

Wo es Kraft im Überfluss gibt, muss man an Lack und Leder nicht sparen. Und bei 2,5 Tonnen Gewicht spielen die paar Kilo für echte Hölzer, für die Klimazüge aus massivem Metall und das gute Dutzend Elektromotoren für Sitze, Hauben und Klappen nun auch keine Rolle mehr.

Spielzeug für Sonnenseite des Lebens

Deshalb wirkt die luxuriöse Sitzgruppe wie eine Oase des Wohlstands im Auge des Orkans: Statt eingequetscht in dünne Rennschalen thront man im Bentley auf weichen Ledersesseln und muss sich selbst auf der Rückbank nicht verbiegen. Wo sich im Gallardo bisweilen schon zwei Passagiere gefährlich nahe kommen, genießt man hier die Landpartie tatsächlich zu viert. Und genügend Platz fürs Gepäck gibt es natürlich auch.

Der Continental ist zwar in etwa so zeitgemäß und zweckmäßig wie ein Ozeandampfer oder ein Landschloss. Doch Konjunkturflaute hin und Klimasorgen her: Das Auto hat seinen Reiz. Wunderschön gezeichnet, liebevoll ausgestattet und beeindruckend motorisiert, ist es das perfekte Spielzeug für die Sonnenseite des Lebens.

Das gilt selbst im Winter, und zwar nicht nur, weil man es bei aufgestelltem Windschott, geschlossenen Scheiben und voll aufgedrehter Nackenheizung im Bentley sogar bei Minusgraden ganz gut aushalten kann. Sondern vor allem weil den Menschen, die in dieser Preisklasse kaufen, einfach immer die Sonne scheint.

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