07.02.13

Dacia im Check

Der gebrauchte Sandero ist beim TÜV ein Ärgernis

Als Neuwagen ist er ein Preisbrecher, auch aus zweiter Hand bekommt man ihn für wenig Geld. Beim TÜV allerdings nervt der Dacia Sandero mit vielen Macken, auch wenn die technische Basis solide ist.

Von Fabian Hoberg
Foto: Dacia

Als Neuwagen startete er mit Preisen unter 7000 Euro, Dacia brachte den Sandero mit Kampfpreisen in den Markt.

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Ein Neuwagen zum Preis eines Gebrauchten? Als Dacia seine ersten Modelle auf den Markt brachte, da war das eine kleine Revolution. Nach dem Logan mit seinem skurrilen Stufenheck kam 2008 der Sandero auf den Markt, der mit seinem Schrägheck formal eher den deutschen Geschmack traf.

Für rund 7000 Euro war und ist ein neuer Sandero zu haben, auch wenn er dann so karg ist, dass fast alle Kunden mehr Ausstattung orderten und ordern. Die ersten Baujahre finden inzwischen ihren Weg auf den Gebrauchtmarkt. Aber ist das Billigmodell aus Vorbesitz eine gute Wahl?

Karosserie und Innenraum: Exakt 4,02 Meter Länge bietet der Sandero, in ihm lassen sich fünf Personen sowie 320 Liter Gepäck verstauen. Legt man die Rückenlehnen um, dann passen sogar 1200 Liter, für einen Wagen dieser Größe ist das ein guter Wert.

Abstriche muss man allerdings bei der Innenausstattung, den Sitzpolstern und der allgemeinen Anmutung machen – angesichts des Preises wohl alternativlos.

Die Sitze sind recht weich und bieten wenig Seitenhalt, das Armaturenbrett ist hartes Plastik, die Schalter und Drehknöpfe sind grob und das Lenkrad nicht optimal zu verstellen. Die Belüftung bläst ungefilterte Luft in den Innenraum und der grobe Kunststoff dünstete zumindest anfangs penetrant seine Weichmacher aus.

Die Motoren stammen von Renault

Motor: Die Motorenauswahl für den kleinen Rumänen ist überschaubar, aber nicht schlecht. Kleinster Motor war anfangs ein 1,4-Liter-Benziner mit 75 PS, der auch in einer Autogas-Variante verkauft wurde. Ab 2009 wurde das Aggregat durch einen 1,2-Liter mit gleicher Leistung ersetzt.

Darüber rangiert ein 1,6-Liter-Benziner mit zunächst 87 PS, ab 2010 dann nur noch 84 PS. Als Diesel wurden zwei 1,5-Liter-Vierzylinder eingebaut. Der eine mit anfangs 68 PS, später 75 PS. Der andere mit zunächst 86 PS, ab 2010 dann 88 PS.

Die Motoren stammen wie auch der Großteil der sonstigen Technik aus dem Renault-Fundus. Sie sind bewährt und zuverlässig, die Benziner allerdings etwas durstig. Allerdings verursachen die sparsameren Diesel höhere Unterhaltskosten, für die meisten Fahrer rechnen sich die Selbstzünder deshalb nicht.

Die Lenkung unterbindet den Fahrspaß

Es sei denn, man will sie sich gönnen. Denn sie bieten zumindest so etwas wie Fahrfreude und passen am besten zum Fahrwerk. Denn bei dessen Konstruktion hatte man offensichtlich die Pisten im rumänischen Hinterland im Auge – die Teile sind großzügig dimensioniert, die Aufhängungen schlucken auch tiefe Schlaglöcher, eine Begegnung mit dem Bordstein lässt sie in der Regel kalt.

Richtiger Fahrspaß kommt im Sandero allerdings nicht auf, dafür ist die Lenkung zu unharmonisch und unpräzise, egal, ob in der Kurve oder auf der Geraden.

Beim TÜV fällt der Sandero schon bei der ersten Hauptuntersuchung des Öfteren auf: Schon junge Modelle haben zu großes Lenkspiel oder Probleme mit den Antriebswellen, vor allem eingerissene Manschetten sind häufig. Interessenten sollten beim Blick unters Auto darauf besonders achten.

Der Auspuff ist schnell durchgerostet

Auch in Sachen Licht ist der Kleinwagen schlechter als der gleichaltrige Durchschnitt, oft sind die Scheinwerfer aber nur falsch eingestellt. Schlimm sieht es bei der Auspuffanlage aus, die selten länger als drei Jahre hält. Gut, wenn der Vorbesitzer belegen kann, dass sie bereits ersetzt wurde. Außerdem kritisieren die Prüfingenieure auch bereits nach drei Jahren immer wieder eine schwache Bremswirkung an der Vorderachse. Ein aktuelles Protokoll vom Bremsprüfstand bringt hier schnell Klarheit.

Ausstattung und Sicherheit: Wer hätte das gedacht angesichts des Preises – wer Luxus und Komfort sucht, sitzt als Dacia-Fahrer im falschen Auto. Der Basis-Sandero bot wenig Annehmlichkeiten, selbst Servolenkung und Seitenairbags (280 Euro Aufpreis) fehlten.

Aber es gab von Anfang an die höheren Ausstattungsvarianten Ambiance und Lauréate, die der Großteil der deutschen Kunden wählte. Sie boten teilweise elektrische Fensterheben, Zentralverriegelung und Radio. Klimaanlage, Metallic-Lackierung und Servolenkung konnten gegen Aufpreis bestellt werden. Seit 2009 gibt es die Variante Stepway, sie ist etwas höher gelegt und ist optisch einem Geländewagen angenähert.

In puncto Sicherheit steht beim Sandero nicht alles zum Besten: Ein ESP war für den Sandero nicht lieferbar, beim EuroNCAP-Crashtest konnte der Wagen im Jahr 2008 nur drei von fünf möglichen Sternen ergattern.

Der Zustand steht und fällt mit der Wartung

Qualität: Ein alter Handwerker-Spruch lautet: Über den Preis spricht man einmal, über die Qualität immer. Ein biblisches Alter werden die meisten Sanderos sicher nicht erreichen, wenn sie schon beim ersten TÜV so viele Krankheiten zeigen. Zwar ist der Kern der Technik robust und die Verarbeitung insgesamt in Ordnung, die erste Hauptuntersuchung schaffen aber nur knapp 70 Prozent ohne Mängel – der Durchschnitt aller Autos liegt bei 81 Prozent.

Jeder neunte Sandero fällt beim ersten TÜV sogar glatt durch. Das kann angesichts des "Billig"-Images aber auch an mangelnder Pflege der Vorbesitzer liegen. Deshalb sollte man vor dem Kauf einen genauen Blick in das Wartungsheft und auf den allgemeinen Zustand des Autos werfen.

Fazit: Mit dem Sandero fahren alle gut, die ein Auto nicht als Statussymbol sehen und mit der einfachen Technik leben können. Fahrzeuge gibt es schon ab 2800 Euro. Der kleine Benziner mit 75 PS reicht für die Stadt allemal, die Basisausstattung ist aber keine Empfehlung, lieber Ambience oder Lauréate wählen, um wenigstens etwas Komfort genießen zu können. Und: genau hinsehen vor dem Kauf.

Quelle: sp-x
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