02.02.13

Kolumne "Autonom"

Wer baut das schönste Auto der Welt?

Beim internationalen Preis "World Car of the Year" sitzt die "Welt" in der Jury und muss nicht nur über Qualität, sondern auch über Schönheit urteilen. Die Frage ist nur, wie die Chinesen das sehen.

Von Stefan Anker
Foto: Reuters

Aston-Martin-Chef Ulrich Bez (l.) und David Richards, Chef des Verwaltungsrates, feiern dieses Jahr den 100. Geburtstag der legendären Marke. Hier sind sie zu sehen mit einem Model A3 von 1921 und dem neuen Vanquish, der beim Autopreis „World Car of the Year“ die Kategorie Design gewinnen könnte
Aston-Martin-Chef Ulrich Bez (l.) und David Richards, Chef des Verwaltungsrates, feiern dieses Jahr den 100. Geburtstag der legendären Marke. Hier sind sie zu sehen mit einem Model A3 von 1921 und dem neuen Vanquish, der beim Autopreis "World Car of the Year" die Kategorie Design gewinnen könnte

Jetzt wird es ernst. Die erste Runde beim Autopreis World Car of the Year ist um, nun ist aus der langen Liste an Kandidaten eine Shortlist von nur noch zehn Neuheiten geworden. So etwas gibt es ja auch bei Büchern, und vielleicht verwendet man dieses Wort sogar bei den Nominierungen für die Oscars, das weiß ich aber nicht so genau.

Als Automensch bin ich kein Experte im Kulturbetrieb, sondern nur ein interessierter Laie. Heute Abend zum Beispiel bewegt mich an der Verleihung der Goldenen Kamera, die bei uns im Verlagshaus stattfindet, eher die Frage, wie ich wohl an dem ganzen Trubel vorbei in die Tiefgarage zu meinem Auto komme.

Trotzdem: Da ich nun zum ersten Mal beim "World Car of the Year" Mitglied der Jury bin, erfasst mich eine Art kultureller Schauder, zumal es bei diesem Preis nicht nur um die Frage geht, welcher Wagen wohl als der beste der Welt zu betrachten ist (kann man das überhaupt sagen?).

Ein Auto als optische Umweltverschmutzung

Nein, neben dem Welt-Auto überhaupt wird auch der beste Sportwagen gewählt, dazu das beste "grüne" Auto und das Autodesign des Jahres. Wenn das nicht mit Kultur zu tun hat, dann weiß ich auch nicht.

Ein schlecht gestaltetes Auto ist optische Umweltverschmutzung, zumindest dann, wenn es sich trotz allem gut verkauft (was häufiger vorkommt, als man denkt). Ein gut verkauftes Auto prägt den Alltag mehrerer Generationen von Menschen. Es ist im besten Falle dauerhaft faszinierend, und wenn das nicht gelingt, dann ist es wenigstens optisch nachhaltig – so wie ein gutes Haus.

Das ist der Grund, warum ich beim Design den VW Golf so schätze. Dafür werde ich häufig kritisiert, weil der Wagen doch so schlicht und einfach sei und gar nichts Ausgefallenes habe. Eben, sage ich da. Eben.

Jedenfalls freue ich mich, dass der Golf auf der Shortlist für den Designpreis gelandet ist, und daran sind noch nicht einmal wir Juroren schuld. Es hat sich ein Gremium aus fünf internationalen Designexperten gefunden (Japan, Italien, England, Deutschland, USA), die uns die Auswahl vorgeben.

Ist ein VW so schön wie ein Aston Martin?

Neben dem Golf steht zum Beispiel der Aston Martin Vanquish zur Wahl, gegensätzlicher könnten die Alternativen wohl nicht sein. Außerdem soll ich den Jaguar F-Type bewerten, den Mazda 6, den Renault Clio und den neuen Range Rover.

Was für ein interessantes Spektrum, und ich bin noch nicht einmal sicher, ob ich den Golf wirklich auf Platz eins setze. Der Clio etwa könnte sich zum modernen Klassiker entwickeln, weil er eine Wende (zum Guten) im Renault-Design markiert.

Der Range Rover dagegen ist eine Ikone, auf noch mehr Meilen gegen den Wind erkennbar als der Golf. Zusammen mit F-Type und Vanquish bildet er das britische Schwergewicht dieser Shortlist, als spielte die Musik des Automobilbaus wirklich auf der Insel. Aber immerhin: Auch die beiden Sportwagen sehen fantastisch aus. Und der Mazda ist zum Schluss eine der schönsten Ehrenrettungen der Stufenhecklimousine, die ich kenne.

Gut, dass ich die Sache nicht allein entscheiden muss. Mein Beitrag ist, ehrlich gesagt, sogar recht gering. Ich bin einer von 66 Juroren, und wir Deutschen sind nur zu viert. Wie die Sache ausgeht, ist also sehr schwer zu sagen.

Der Golf ist noch im Rennen um den Hauptpreis

Eins macht mir allerdings Hoffnung bei der internationalen Jury. Die Shortlist für den Hauptpreis wurde anhand unserer 66 Vorentscheidungen zusammengestellt. Und obwohl wir eben nur vier Deutsche waren, ist der Golf noch im Rennen.

Da das Auto aber im Alltagsleben von mehr als 40 Juroren aus China, Indien, USA und anderen fernen Ländern keine oder nur eine geringe Rolle spielt, fanden viele von ihnen womöglich doch, dass ein VW Golf einfach gut aussieht.

Hätte mich auch gewundert, wenn ich mit dieser Meinung wirklich allein stehen sollte.

"Welt"-Reporter Stefan Anker twittert regelmäßig spontane Autonews und Beobachtungen aus Auto- und Testalltag. Er freut sich, wenn Sie hier klicken und ihm folgen. Oder Sie schauen auf seiner Facebook-Seite vorbei.

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