30.01.13

Autolegende

8500 DM – Von Luxus keine Spur beim ersten Passat

Der Passat leitete vor 40 Jahren eine Zeitenwende bei VW ein. In vielem nur ein umgemodelter Audi 80, hatte er neuartige Technik an Bord. Zur Grundausstattung aber gehörte gerade mal eine Heizung.

Foto: Volkswagen Aktiengesellschaft

Deutschland 1973, unmittelbar vor der großen Erdölkrise: In diesem Jahr bringt Volkswagen den Passat auf den Markt.

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Frühjahr 1973. Bundeskanzler Willy Brandt lenkt die politischen Geschicke Deutschlands, Roger Moore rettet als James Bond in "Leben und sterben lassen" die Welt, und Pink Floyd veröffentlichen ihr legendäres Album "The Dark Side of the Moon". In jenem Jahr bringt Volkswagen den ersten Passat auf den Markt. Ein Auto, in das der Konzern viele Hoffnungen steckt, denn in Wolfsburg herrscht Krisenstimmung. Und das bereits seit einiger Zeit.

Zwar sind die angebotenen Fahrzeuge robust (darunter auch der Dauerbestseller Käfer, der sich auch nicht mehr so gut verkauft), doch laufen sie der technischen Entwicklung hinterher, und für eine kostengünstige Produktion sind sie zu aufwendig. Zu lange haben die Verantwortlichen am Heckantrieb mit luftgekühltem Boxermotor festgehalten.

Der Konzern muss nun dringend handeln. Dennoch: Sehr experimentierfreudig ist man bei Volkswagen nicht. Ein abrupter Wechsel scheint in diesen Krisenzeiten zu riskant. Also gehen die Strategen vorsichtig vor.

Wassergekühlter Motor und Frontantrieb

Da die Produktionskosten nicht ausufern dürfen, werden für den neuen Passat die Plattform und der Aufbau des Audi 80 genommen. Designer Giorgetto Giugiaro überarbeitet den Audi-Entwurf, formt ein Schrägheck und gibt dem Ur-Passat eine eigenständige Note.

Das wirklich Neue befindet sich jedoch unter dem Blech: ein vorne (!) längs eingebauter wassergekühlter (!) Reihenmotor (Einstiegsangebot ist der 1,3-Liter mit 55 PS) mit Viergang-Schaltgetriebe. Eine Sensation. Zudem hat der Wagen Frontantrieb. Dazu ein Fahrwerk mit Starrachse hinten und Federbeinen vorn.

Das Topmodell ist der Passat TS mit 85 PS. Übrigens sind die Scheinwerfer ein Indiz für die Ausstattung: rund für das Basismodell, oval für L- und LS-Versionen, Doppelscheinwerfer für den TS.

Von Luxus kann beim Passat allerdings keine Rede sein. Selbst der Bremskraftverstärker zählt nicht zur Serienausstattung. Wer diese Annehmlichkeit haben möchte, muss noch einmal 95 Mark investieren. Zumindest die "stufenlos regelbare Heizung" gehört zum Basispaket.

1974 kommt der Passat Variant auf den Markt

Das schreckt die Menschen jedoch nicht ab, im Gegenteil. Die Qualitäten dieses geräumigen Volkswagen sprechen sich schnell herum. Der Nachfolger der Modelle 1600 und 411 entwickelt sich zum Verkaufserfolg, vor allem bei Familien.

Denn trotz des Fließhecks ist der Wagen sehr geräumig. Schon im ersten vollen Verkaufsjahr entscheiden sich 133.000 Käufer für den Passat, der in der einfachsten Ausführung 8500 D-Mark kostet. Lieblingsfarben: orange, grün und gelb.

Zu Beginn wird der Passat sowohl als Zwei- als auch als Viertürer angeboten, ein Jahr nach der Markteinführung können die ganz großen Transportaufgaben vom Passat Variant übernommen werden. Bereits im Dezember 1976 durchbricht der neue Bestseller die Marke von einer Million verkaufter Fahrzeuge.

Und so geht es weiter; bis heute ist der Passat ein Bestseller – nach dem Golf und Käfer ist er der meistverkaufte Volkswagen der Geschichte.

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