29.01.13

Mercedes-Cabriolet

Spektakulärer Prozess um Fünf-Millionen-Oldtimer

Vor dem Hamburger Oberlandesgericht erheben zwei Besitzer Ansprüche auf einen Mercedes 500 k von 1935. Ein Vergleich scheint möglich. Der Prozess kann Folgen für alle Preziosen-Sammler haben.

Von Dagmar Gehm und René Soukup
Foto: Getty Images/Car Culture

Was für ein Automobil! Ein solches Modell wird in Hamburg gestritten: ein Mercedes 500 K Spezial Roadster aus dem Jahr 1935.

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Einer der weltweit spektakulärsten Prozesse, die es jemals um ein Auto gegeben hat, wird wahrscheinlich in einen Vergleich münden. Vor dem Hamburger Oberlandesgericht wurden die Eigentumsverhältnisse an einem Mercedes 500 k verhandelt.

Es geht um eine 68 Jahre währende Odyssee eines Mercedes-Klassikers, die in den Jahren des Zweiten Weltkrieges ihren Anfang nahm und jetzt voraussichtlich ein Ende finden wird. Der Streitwert in Höhe von 4,9 Millionen Euro sagt einiges über die Rarität aus.

Selbst Zeitzeugen aus den USA hatten sich zur Wahrheitsfindung zu Wort gemeldet, die allesamt älter sind als das begehrte Cabriolet selbst. In der Hauptrolle aber glänzte ein Mercedes 500 Kompressor Spezial Roadster, Baujahr 1935, damaliger Kaufpreis 15.000 Reichsmark. Verloren in den Kriegswirren und ursprünglich in Grünmetallic lackiert, wurde das Auto in den USA restauriert und in leuchtend Rot umgespritzt. Ausgestattet mit einem Achtzylinder-Motor, erreicht das Cabriolet dank 160 PS ein Spitzentempo von 160 km/h.

Vor den Nationalsozialisten versteckt

Die Route, die das Traumauto mit der Karosserienummer 201999 zwischen 1945 und heute zurückgelegt hat, ist mysteriös. Gekauft wurde es 1935 vom Stolberger Unternehmer Hans Friedrich Prym – seine Vorfahren haben unter anderem den Druckknopf erfunden. Bis 1945 hatte sich der Mercedes im Besitz der Familie befunden.

Er diente als Firmenwagen, bevor ihn der Hausherr in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten versteckte. Bewunderer des Luxusfahrzeugs gab es viele, zu ihnen zählte auch US-Präsident Eisenhower, der auch des Autos wegen in Stolberg aufgehalten haben soll.

Prym, der nie der NSDAP beigetreten war, aber in dessen Fabriken Kriegsmaterialien hergestellt worden sein sollen, befand sich zeitweilig in Haft. Nach seiner Freilassung und dem Abzug der US-Truppen war der 500 K Roadster spurlos verschwunden. Jahrzehnte blieb das Fahrzeug für die Pryms verschollen. Bis es im September 2011 auf einer Auktion im kalifornischen Monterey versteigert werden sollte.

Recherchen im Internet

Auf diese war der Rechtsanwalt Alexander Martius von der Aachener Kanzlei Stein & Partner, der den Enkel des Erstbesitzers, Michael Prym, vertritt, übers Internet gestoßen. Sofort reklamierte der Anwalt beim zuständigen Unternehmen RM Auctions den Besitzanspruch der Erbengemeinschaft. Vergebens. Der niederländische Oldtimer-Sammler Frans van Haren ersteigerte die Rarität für 3,8 Millionen Dollar.

Was die Prym-Erben offenbar nicht wussten: In den USA war der Mercedes 500 K Roadster bereits Mitte der 70er-Jahre in der Sammlung von Russell Strauch aufgetaucht. Es folgten mehrere Besitzer. Zur Auktion brachte ihn General William Lyon, der das Auto 1988 erworben hatte.

Nur wenige Monate im Besitz des Luxuswagens, präsentierte van Haren den 500 K im April vergangenen Jahres auf der Oldtimer-Show Techno Classica in Essen und ließ ihn dort über den Hamburger Raritätenhändler Eberhard Thiesen für 4,9 Millionen Euro zum Verkauf anbieten – weswegen der Prozess auch vor einem Gericht der Hansestadt stattfand.

Zur Veräußerung kam es vorerst nicht. Martius hatte vom geplanten Verkauf Wind bekommen, schaltete das Amtsgericht Essen ein und erwirkte eine einstweilige Verfügung. Noch auf der Automesse beschlagnahmte der Gerichtsvollzieher den Mercedes. Seitdem steht er in einer Hochsicherheitsgarage in Düsseldorf.

Befragung von Zeitzeugen in den USA

In erster Instanz bekräftigte das Landgericht Hamburg den Eigentumsanspruch der Prym-Erben. Doch van Harens Anwalt, der Hamburger Wolfgang Vehlow, führte an, dass die deutschen Gerichte nicht zuständig seien, wenn festgestellt werden würde, dass das Fahrzeug beschlagnahmt worden sei. 1952 wurde mit der BRD und den drei westlichen Alliierten ein sogenannter Überleitungsvertrag geschlossen. Er regelt, dass alle Güter, die die Amerikaner beschlagnahmten, in den USA verbleiben dürfen.

Um Licht in das Dunkel zu bringen, reiste im August vergangenen Jahres Vehlows Freund Reiner Thiessen, Oberstleutnant bei der Deutschen Luftwaffe, nach Milwaukee in die USA zu einem Veteranentreffen der 3. Panzerdivision Spearhead; jener Einheit, die unter dem berühmten General Patton im Herbst 1944 Stolberg im Rheinland erreicht hatte. Beim Ehemaligentreffen stieß er auf die Zeitzeugen Walter Stitt, Ken Armstrong und Fred Harmann, alle 88 Jahre alt.

Urteil mit Präzedenz-Charakter

In einer eidesstattlichen Erklärung gab Thiessen an: "Alle drei Zeitzeugen haben das Fahrzeug weder gesehen noch durch ihre Kameraden vor Ort oder auch später davon gehört. Sie waren entsetzt zu erfahren, dass Angehörige der US Army, die sich zu der Zeit in Stolberg aufgehalten haben, des Diebstahls bezichtigt werden."

Auf Unverständnis sei bei den Teilnehmern des Veteranentreffens gestoßen, dass weder der damalige Wagenmeister noch dessen damals 17 Jahre alte Tochter, die seinerzeit mit einem Soldaten der US-Streitkräfte zusammen war, der Familie Prym den angeblichen Diebstahl durch die Amerikaner gemeldet hatten.

Der Prozess könnte weitreichende Folgen für das Hochpreissegment des Oldtimergeschäfts haben. Denn es werden noch einige klassische Fahrzeuge gehandelt, die trotz unklarer Provenienzen zwischen 1933 und 1945 weiterverkauft wurden.

Quelle: DW
26.12.2012 6:36 min.
Ein alten Bauernhof vor den Toren Münchens. Hier hat Ralf Kurschewitz seine Werkstatt. Seine Leidenschaft gilt dem Purismus auf vier Rädern, denn Ralfs Herz schlägt für den VW Kübelwagen.
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