28.01.13

Spar-Tuning

Große Klappe, aber leider nicht viel dahinter

Der Europastart von Nissans Werkstuner Nismo wurde mit Spannung erwartet. Nun kommt mit dem Juke das erste Serienauto. Es hat lächerliche zehn PS mehr Leistung als das Normalmodell.

Foto: Nissan

200 PS leistet der Nissan Juke Nismo, das sind zehn mehr als die stärkste ungetunte Variante sie hat.

6 Bilder

Was ist denn nur in die Nissan-Ingenieure gefahren? Über ein Jahr lang hatten sie die Erwartungshaltung hochgeschraubt für den Europa-Start ihres Werkstuners Nismo. Sie hatten beeindruckende Einzelstücke gezeigt, den faszinierend neuartigen Rennwagen Deltawing, einen Nissan Juke mit 530 PS, den elektrisch angetriebenen Leaf als Rundstreckenrenner – da durfte man auf das erste Nismo-Serienprodukt ziemlich gespannt sein.

Aber dann das: Denn wenn die Japaner Mitte Februar mit die Nismo-Version des Juke zu den Händlern bringen, wird sich die Konkurrenz ein Lachen nicht verkneifen können. Denn gerade einmal zehn PS mehr Leistung und ein bisschen Schminke sollen reichen, um gegen die John Cooper-Works-Modelle von Mini oder den Citroen DS3 Racing anzutreten.

Mehr Sondermodell als Bolide

Zwar kostet der Nismo dafür auch nur 26.400 Euro, 2300 Euro mehr als der stärkste Normal-Juke. Aber in dieser Konfiguration ist er mehr Sondermodell als Sportwagen, so verwässert er gleich zum Start eine Marke, die bei den wenigen Fans in Europa für viel mehr Feuer steht.

Dabei fährt der Juke Nismo gar nicht schlecht. Wer so sanft mit dem Gas umgeht, dass die nervöse Stabilitätskontrolle nicht gleich die Leistung reduziert, der erlebt den Juke als quirligen Stadtflitzer und Kurvenräuber erleben. Er ist relativ stramm und trotzdem noch angenehm komfortabel abgestimmt, geht knackig um die Ecken, und jenseits von 3000 Touren macht der Turbo dem 1,6-Liter-Direkteinspritzer auch ordentlich Druck.

Blutdrucksenker im Innenraum

Doch weil schon das stärkste "Normal"-Modell auf 190 PS und auch nur zehn Newtonmeter Drehmoment weniger kommt, ist der Lustgewinn vergleichsweise gering. Zumal die Ingenieure auch beim Soundtuning sehr zurückhaltend waren. Dass der Nismo unter den tiefer gezogenen Schürzen einen Sportauspuff hat, hört man nur, wenn man direkt hinter dem Wagen steht.

Auch innen senkt der Juke Nismo eher den Blutdruck, als dass er den Puls beschleunigen würde. Daran können auch die Sportsitze mit Alcantara-Bezug und roten Nähten nichts ändern, der rot eingefärbte Drehzahlmesser oder das griffige Lenkrad.

Ein paar rote Farbtupfer

Und auch das Außendesign ist nicht gerade ein Blickfang: Ein paar rote und silberne Akzente, tiefere Schürzen und eine retuschierte Front mit neuen LED-Lichtleisten – das muss reichen, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen als es die Front mit ihren vielen verschiedenartigen Stilelementen sowieso schon tut.

Die Fahrleistungen heben sich ebenfalls nicht sehr von normaleren Jukes ab – kein Wunder bei nur zehn Mehr-PS. Beim Sprint auf Tempo 100 holt die Sportversion gegenüber der Serie zwar ein paar Zehntel, 7,8 Sekunden braucht der Nismo dafür. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 215 km/h identisch. Immerhin gilt das auch für den Normverbrauch, den Nissan mit 6,9 Litern angibt.

Allrad kostet 3000 Euro extra

Die Basisversion kommt mit Frontantrieb und einer knackigen Sechsgang-Schaltung. Für 3000 Euro mehr bietet Nissan den Juke Nismo auch als Allradler an. Dann allerdings koppeln die Japaner den Motor mit einer stufenlosen Automatik und bremsen ihn dadurch ein: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht er dann 8,2 Sekunden und Schluss ist schon bei 200 km/h. Gleichzeitig steigt der Verbrauch auf 7,4 Liter.

Zur Presse-Premiere des Nismo-Jukes haben die Japaner auch ein erstes Exemplar des 370Z Nismo dabei, mit infernalischen 344 PS statt 328 im normalen Modell. Und außerdem noch einen Juke, bei dem man sich fragt, warum Nissan nicht ihn als erstes Modell mit Nismo-Logo auf den Markt gebracht hat.

Die heiße Variante kommt im Herbst

Sein 1,6-Liter-Turbo leistet 218 PS, dieser Auspuff macht ordentlich Radau und mit einem seinem deutlich strammeren Fahrwerk liegt der stärkere Juke so gut, dass man den Leistungssprung nun wirklich auch spüren kann. Diese Variante fährt auf Augenhöhe mit den John-Cooper-Works-Modellen von Mini und soll ab Herbst verkauft werden.

Dass sie mit der aktuellen Version nicht den ganzen großen Wurf gelandet haben, wissen die Verantwortlichen aber offenbar schon selbst. Nicht umsonst kommen in ihrer Vertriebsplanung für 2013 auf fast 13.000 normale Juke für Deutschland gerade einmal 210 Nismo-Modelle.

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