22.01.2013, 12:11

Testserie "Autoquartett" Der Volvo V40 ist ideal für Sicherheitsbedürftige

Von Denise Juchem

Mit dem V40 hat Volvo das sicherste Auto seiner Klasse geschaffen. Vielleicht auch das schönste. Sehenswert ist vor allem das Heck. Schade nur, dass gerade das Gefahren birgt.

Schön, intelligent, sportlich. Diese drei Worte in einer Kontaktanzeige untergebracht, und man kann sich sicher sein, dass viele Leser Interesse zeigen werden. Natürlich würde zuerst ein Foto verlangt. Damit könnte schon mal der erste Punkt, die Schönheit, nachgewiesen werden. Und sollte es zu einem Treffen kommen, dann wären die Erwartungen natürlich hoch. So ähnlich geht es uns mit dem Volvo V40, der auf Fotos bereits unglaublich gut aussah.

Das erste Aufeinandertreffen findet in einer schummrigen Tiefgarage statt. Die Neonröhre direkt über dem Volvo flackert. Leider ist der Wagen rückwärts eingeparkt, sodass das im Internet so vielversprechend aussehende Heck, das an den P1800 ES, den legendären Schneewittchensarg, erinnern soll, verborgen bleibt.

Zumindest die Front ist unverkennbar ein Volvo. Und da im nächsten Moment der Wagen, der neben dem V40 geparkt hat, wegfährt, ist der Blick frei auf die Silhouette: 4,37 Meter lang gestreckt, mit coupéhafter Dachlinie, fast wie ein Shooting Brake. Die Fotos hatten nicht zu viel versprochen. Doch die Aufgabe, die diesem Wagen auferlegt wurde, ist keine leichte, denn der Neue soll gleich zwei Modelle ersetzen: die Limousine S40 und den Kombi V50.

Schnörkelloses Design im Cockpit

Doch man wäre oberflächlich, würde man sich bei einer Beurteilung ausschließlich mit diesen Äußerlichkeiten begnügen. Also reinsetzen und auf den Startknopf drücken. Und auch im Inneren des V40 ist der erste Eindruck überwiegend positiv.

Schnörkelloses Design, alles scheint gut verarbeitet zu sein, sehr gute Sitze, das leicht zum Fahrer geneigte Cockpit mit der frei schwebenden Mittelkonsole. Wer schon einmal eines der letzten Volvo-Modelle gefahren ist, wird sich direkt zurechtfinden. Neulinge hingegen haben Schwierigkeiten. Denn die Bedienung der Instrumente ist das Gegenteil von intuitiv.

Der Motor startet, ein 177 PS starker Fünfzylinder-Diesel (Einstiegspreis 28.980 Euro, Sechsgangschaltgetriebe, 4,3 Liter Verbrauch Herstellerangabe, Testverbrauch 5,8 Liter), und im Display erscheinen digitale Instrumente, die in ein tiefes Rot getaucht sind. Beeindruckend, vor allem in der dunklen Tiefgarage. 360 Euro kostet der Spaß. Alternativ kann der Tacho auch vom Fahrer Grün oder Braun eingefärbt werden.

Straffes Fahrwerk, synthetische Lenkung

Wer sich für solche Spielereien begeistert, der sollte noch 30 Euro drauflegen und den von innen beleuchteten Schalthebel bestellen. Keine schlechte Performance, die der Volvo V40 während der ersten Minuten unseres Kennenlernens bietet, dabei sind wir noch nicht einmal einen Meter gefahren.

Also raus auf die Straße, rein in die Realität. Präzise lässt sich der Wagen durch die Kurven dirigieren – selbst bei forschem Tempo bleibt er gutmütig. Das Fahrwerk ist sportlich-stramm abgestimmt. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die elektrische Lenkung, die sich etwas künstlich anfühlt.

Das sicherste und intelligenteste Auto seiner Klasse soll der V40 sein. Konkurrieren möchte er mit den Premium-Kompakten, also Mercedes-A-Klasse, Audi A3 Sportback und BMW 1er. Serienmäßig bietet der Volvo neben den mittlerweile gängigen Airbags noch einen Knie-Airbag für den Fahrer.

Fußgänger-Airbag serienmäßig

Selbst für den Fußgänger, der vors Auto läuft, gibt es zum ersten Mal in der Automobilgeschichte ein Prallkissen unter der Motorhaube, das sich um die vorderen Dachholme und die Unterkante der Windschutzscheibe schmiegt und die Haube anhebt. Mit diesem Fußgänger-Airbag könnte Volvo etwas ähnlich Revolutionäres eingeführt haben wie Ende der 50er-Jahre mit dem ersten in Serie angebotenen Dreipunktgurt.

Doch damit nicht genug mit den Sicherheitshelfern im V40. Erkennt das "City Safety"-System im Stadtverkehr (bis Tempo 50) einen Fußgänger auf der Fahrbahn, bremst es automatisch. Droht ein Auffahrunfall (bis maximal 35 km/h), wird der Fahrer mittels eines heftigen Blinkens in der Windschutzscheibe gewarnt. Zur Not bremst der Wagen automatisch. Bei höheren Geschwindigkeiten ist das System deaktiviert.

Auch ohne einen solchen Zwischenfall vergeht bei der Fahrt im V40 kaum ein Augenblick, ohne dass dieses Auto nicht durch Piepen, Blinken oder Vibrieren darauf hinweist, dass es die Lage stets besser im Griff hat als sein Fahrer.

Durch die Coupéform sehr unübersichtlich

Der Lenkeinschlag wird vom Spurhalteassistenten korrigiert, ein Müdigkeitssensor überwacht die Bewegungen des Fahrers und animiert gegebenenfalls zu einer Kaffeepause; Radarsensoren warnen beim Spurwechsel vor nachfolgenden Fahrzeugen und beim Ausparken vor Querverkehr.

Außerdem kann der aktive Tempomat die richtige Distanz zum Vordermann wahren und bei Bedarf auch abbremsen. Das ist vor allem auf längeren Autobahnfahrten angenehm. Bei stärkerem Schneetreiben, also dann, wenn der Fahrer ohnehin stärker als sonst gefordert ist, haben diese Systeme jedoch leider ein paar Probleme.

Die Elektronik des Wagens hilft auf Knopfdruck sogar bei der Parkplatzsuche und dem Einparken. Gar keine schlechte Idee, denn vor allem beim seitlichen Rückwärtseinparken zeigen sich die Nachteile der schicken Coupéform. Man sieht nämlich so gut wie nichts nach hinten.

In den Kofferraum passen nur 335 Liter

Hier haben es die Designer eindeutig zu weit getrieben. Sollten die Grenzen der Gestaltungsfreiheit nicht dort beginnen, wo die Sicherheit aufhört? Denn es ist ja gerade die Sicherheit, mit der Volvo für sein neues Modell wirbt. Also kurbelt das Auto selbstständig in die engste Parklücke. Nur Gas geben und bremsen muss man noch selbst. Wer so viel Bevormundung nicht möchte, sollte aber zumindest die Rückfahrkamera für 450 Euro dazubestellen. Das ist gut investiertes Geld.

Ebenfalls dem Design zum Opfer gefallen ist der Kofferraum. Lediglich 335 Liter fasst er. Zum Vergleich: In den aktuellen VW Golf passen 380 Liter. Und auch wenn der Volvo offiziell fünf Sitzplätze hat, so kann er nicht wirklich als vollwertiger Fünfsitzer bezeichnet werden, denn die Rückbank ist lediglich 1,17 Meter breit und der Platz in der Mitte so schmal, dass man ihn keinem Erwachsenen guten Gewissens anbieten kann. Schade, denn ursprünglich stand das V bei Volvo-Modellen für geräumige Kombis.

Eine Enttäuschung ist die Kontaktaufnahme mit dem Schweden dennoch nicht. Denn schön, intelligent und sportlich ist er unbestritten. Und sicher noch obendrein.

Do, 30.08.2012, 07.34 Uhr

Notbremssysteme in Autos erhöhen die Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen. Sie springen ein, wenn der Mensch nicht rechtzeitig oder zu schwach bremst. Zehn Notbremsassistenten wurden getestet.

Video: dapd
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