19.01.13

Kolumne "Autonom"

Ich entscheide über das Schicksal der Autobranche

Die Berliner Morgenpost zählt erstmals zur Jury des internationalen Autopreises "World Car of the Year". Das ist Ehre und Herausforderung zugleich: Wie wählt man, wenn etwas wirklich Bedeutung hat?

Foto: Volkswagen

"Welt“-Reporter Stefan Anker mit dem neuen VW Golf GTI auf einem zugefrorenen See am Polarkreis. Wie sich künftige Golf-Modelle dort fahren, lesen Sie ab Montag, dem 21. Januar 2013, im Motorkanal der „Welt“. Wie der Golf bei der Wahl zum World Car of the Year abschneiden könnte, lesen Sie hier
"Welt"-Reporter Stefan Anker mit dem neuen VW Golf GTI auf einem zugefrorenen See am Polarkreis. Wie sich künftige Golf-Modelle dort fahren, lesen Sie ab Montag, dem 21. Januar 2013, im Motorkanal der "Welt". Wie der Golf bei der Wahl zum World Car of the Year abschneiden könnte, lesen Sie hier

Der 20. Januar 2013 wird allenthalben als wichtiger Wahltermin gesehen. Es entscheidet sich an diesem Sonntag nicht nur die Niedersachsenwahl, sondern wohl auch das politische Schicksal des FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler. Doch für mich geht es um etwas viel Wichtigeres.

Morgen ist der Abstimmungsschlus für die Juroren, die die Auszeichnung World Car of the Year vergeben, und zum ersten Mal gehöre ich dazu. Ich entscheide also bis morgen mit über das Schicksal der Autobranche.

Nun gut, das ist eine leicht überhöhte Sicht der Dinge, aber wozu bin ich Journalist? Es ist Teil meines Berufes, dann und wann einen normalen Vorgang als Sensation wahrzunehmen.

Darf ich den Audi A3 ignorieren?

In diesem Geist habe ich also heute morgen die Auswahlliste geöffnet und musste per Mausklick meine Top Ten auswählen. Ich dachte, das wäre ganz einfach, schließlich habe ich in der Berliner Morgenpost ja auch schon eine Top-Ten-Liste veröffentlicht.

Aber so leicht war es dann doch nicht. Schließlich diente die Bildergalerie vom Dezember mehr der Unterhaltung und war komplett subjektiv und auch ein bisschen irrational zusammengestellt, nun aber spürte ich eine Verantwortung. Könnte ich etwa den Audi A3 ein weiteres Mal ignorieren, nur weil ich ihn damals nicht überraschend genug fand?

Und was wäre mit dem Volvo V40, dem Renault Clio? Das sind doch wichtige und interessante Autos, die nicht nur strategische Bedeutung für ihre Hersteller haben, sondern auch gut gelungen sind.

Warum ist der BMW 3er nicht dabei?

So geriet ich, je länger ich auf die Auswahlliste sah, mehr und mehr ins Grübeln. Auch fragte ich mich, warum manche Modelle, die ich dort erwartete, gar nicht drauf waren, etwa der BMW 3er. Ich erfuhr, dass man den BMW schon im vergangenen Jahr gewählt hatte (auf Platz drei übrigens), weil er 2011 schon vorgestellt worden war.

Genauso steht dieses Mal der Jaguar F-Type zur Wahl, weil er im Herbst 2012 schon enthüllt worden ist. Leider konnte ihn noch keiner der 64 Juroren aus 21 Ländern je fahren, also was sollen wir bewerten? Na ja, bei der zusätzlichen Wahl der Performance Cars habe ich ihn auf Platz zehn gesetzt, der Schönheit wegen.

Das wäre wohl bei der Wahl zum Car of the Year nicht möglich gewesen. Ja, es gibt Unterschiede zwischen World Car of the Year (WCOTY) und Car of the Year (COTY): Wir Welt-Juroren und unser Preis sind (noch) nicht ganz so bedeutend, das mehr europäisch geprägte "Auto des Jahres" gibt es seit 1963, das WCOTYgeht erst ins neunte Jahr.

Amerikaner und Chinesen stimmen mit ab

Beim "Auto des Jahres" jedenfalls muss jeder Juror jedes seiner Urteile schriftlich begründen, und diese Begründungen werden auch in einer Broschüre gedruckt. Ich habe so ein Exemplar mal gesehen, das ist sehr beeindruckend und ein Ausweis der Ernsthaftigkeit.

Trotzdem mache ich gern beim Konkurrenzpreis mit, denn erstens entwickelt der sich noch, und zweitens – es geht ja um das World Car of the Year – sitzen da auch Amerikaner, Chinesen, Japaner und Australier mit in der Jury, zudem stehen Autos zur Wahl, die es bei uns gar nicht gibt. Der Ausgang der Wahl ist also weniger vorhersehbar.

Mein eigenes Urteil kommt allerdings nicht wirklich überraschend: Der VW Golf steht bei mir ganz oben, bei ernsthafter Betrachtung genau wie in der Spaß-Liste vom Dezember. Sollen ruhig alle wieder schimpfen, dass der Wagen langweilig sei oder zu teuer oder beides: Ich werde meine Wahl auch schriftlich begründen, hier in aller Öffentlichkeit. Aber erst am 28. März, wenn – nach zwei weiteren Auswahlrunden – das World Car of the Year bekanntgegeben wird.

Berliner Morgenpost-Reporter Stefan Anker twittert regelmäßig spontane Autonews und Beobachtungen aus Auto- und Testalltag. Er freut sich, wenn Sie hier klicken und ihm folgen. Oder Sie schauen auf seiner Facebook-Seite vorbei, wo auch ein Video des selbst einparkenden Autos zu sehen ist.

Quelle: DWTV
31.10.12 6:11 min.
Über 29 Millionen Mal hat sich der VW Golf seit seiner Markteinführung 1974 weltweit verkauft. Beim diesjährigen Autosalon in Paris vor wenigen Wochen war die siebte Generation der Star der Messe.
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