15.01.13

Rallye Monte Carlo

VW sucht den deutschen Rallye-Superstar

Der Weltkonzern stürzt sich mit dem kleinen Polo ins große Abenteuer: Volkswagen will jetzt auch im Motorsport nach ganz oben. Ein Traum der Wolfsburger wären Siege mit einem deutschen Star-Piloten.

Von Jürgen C. Braun
Foto: Volkswagen

Der Polo R WRC, mit dem Volkswagen in der Rallye-Weltmeisterschaft antritt, ist kein Prototyp. Das Fahrzeug basiert auf dem normalen Serienfahrzeug.
Der Polo R WRC, mit dem Volkswagen in der Rallye-Weltmeisterschaft antritt, ist kein Prototyp. Das Fahrzeug basiert auf dem normalen Serienfahrzeug

Glanz und Glamour, PS und Power, dazu eine malerische Szenerie mit einem atemberaubenden Mix aus verschneiten Seealpen und strahlend blauer Côte d'Azur: Was für geschätzte 200.000 Besucher ein Speed-Spektakel vor traumhafter Kulisse ist, bedeutet für Fahrer und Teams nervliche Anspannung und puren Stress. Die Rallye Monte Carlo, als "die Monte" zum festen Begriff geworden, ist viel mehr als nur der alljährliche Auftakt zur Rallye-Weltmeisterschaft im monegassischen Fürstentum.

Sie ist die größte Herausforderung für die weltbesten Rallye-Piloten und sie ist für Volkswagen ein kleiner Baustein auf dem Weg zum Ziel, der weltweit größte Automobilhersteller zu werden. Just in der Woche, in der der Konzern erstmals mehr als neun Millionen verkaufte Einheiten meldet, startet er mit neuem Team und neuem Fahrzeug bei der prestigeträchtigsten Rallye der Welt.

In dieser Woche beginnt auf den anspruchsvollen Wertungsprüfungen rund um den legendären "Col de Turini" die neue Saison in der Rallye-WM. Ein Datum, auf das Volkswagen Motorsport mit akribischer Vorbereitung und höchste Ansprüchen an sich selbst hingearbeitet hat. Nach dem Erfolg und dem darauf folgenden Rückzug mit dem "Race Touareg" beim Wüsten-Abenteuer "Rallye Dakar" planen die Wolfsburger nun den Angriff auf die Krone im Rallyesport.

Rallye-WM – Chance und Risiko für VW

Mit zwei zwar sehr jungen, aber bereits erfahrenen Piloten geht VW Motorsport im neuen Polo R WRC (World Rallye Car) 2013 erstmals in der Rallye-WM an den Start. Der Franzose Sébastien Ogier (29) und der Finne Jari-Matti Latvala (27) sollen für den deutschen Neu-Einsteiger nicht nur möglichst viele WM-Punkte, sondern auch viel Renommee einfahren.

Seit 17 Monaten plant Volkswagen Motorsport unter der Regie des ehemaligen Ford-Rallye-Chef Jost Capito das "Unternehmen Rallye-WM". 20.000 Testkilometer, 1700 völlig neue konstruierte Einzelteile im etwa 315 PS starken Polo R WRC: Der Start in die WM auf Basis der Serienfahrzeuge ist für Volkswagen Motorsport der Beginn einer neuen Ära. Denn die Rallye-WM gilt als anspruchsvollste und vielseitigste Art des Motorsports.

Nachdem der neunfache Weltmeister und Seriensieger, der französische Citroën-Pilot Sébastien Loeb, ab 2013 nur noch vereinzelte Veranstaltungen fahren wird, ist die Serie auf der Suche nach einer neuen Hierarchie. Für VW Chance und Risiko zugleich.

Rallye-Polo basiert auf Serienfahrzeug

"Für uns sind WM-Rallyes in der Top-Klasse WRC ein neues Metier. Der Polo R WRC ist ein völlig neu entwickeltes Fahrzeug. Bei der Premiere werden wir sehen, wo wir stehen", sagt Capito, der jedoch weiß, was sein neuer Arbeitgeber auf Dauer von ihm erwartet: Siege und Titel, um die Kompetenz der Marke Volkswagen nachhaltig zu demonstrieren.

VW-Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg formuliert es etwas moderater: "Die Rallye-WM bietet Volkswagen die Chance, sich dort sportlich zu beweisen, wo unsere Fahrzeuge schon immer zu Hause sind: auf der Straße." Der Hersteller bemüht sich sichtlich darum, zu unterstreichen, dass "wir nicht mit außergewöhnlichen Prototypen, sondern mit einem Polo, der auf dem normalen Serienfahrzeug basiert", antreten.

Tatsächlich hat VW passend zum Rallye-Einsatz den Polo R WRC auch als Serienauto vorgestellt, wobei die Serie auf 2500 Einheiten limitiert ist. Der R WRC in der auffälligen weiß-blauen Lackierung lehnt sich stark an das Rennfahrzeug an und wird von einem 2,0-Liter-Benziner mit 220 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment angetrieben.

Schnellster Serien-Polo schafft 243 km/h

Den Standardspurt von 0 auf 100 km/h erledigt der Kleinwagen in 6,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 243 km/h. 33.900 Euro müssen Motorsportbegeisterte für den schnellsten Serien-Polo aller Zeiten mindestens anlegen.

Die Regeln der Rallye-WM kommen den Wolfsburgern entgegen. Seit 2011 wird nach einem neuen technischen Reglement gefahren, das Herstellern, Sponsoren, aber auch Privatteams die Teilnahme an der globalen Serie wieder schmackhaft machen soll. Die World Rallye Cars basieren auf dem sogenannten "Super 2000"-Reglement.

Dazu gehören 1,6 Liter-Turbo-Motoren (Benzin-Direkteinspritzer) mit zusätzlichem Aerodynamik-Paket. Damit sind die WRC zwar viel näher an der Serie als ihre Vorgänger, weisen in der Regel aber immer noch über 300 PS auf.

Nur wenige Deutsche bei der "Monte"

Sebastien Ogier ist seit 2011 Werksfahrer bei VW, war an der Entwicklungs- und Testarbeit erheblich beteiligt. Lange galt er bei Citroën als "Kronprinz" seines Landsmannes Loeb. Doch dessen Hausmacht war zu groß, als dass Ogier eine Chance gehabt hätte, die Hierarchie auf den Kopf stellen zu können.

Da kam ihm das Angebot der Wolfsburger vor eineinhalb Jahren gerade recht. Ogier wie auch sein neuer finnischer Teamkollege, WM-Dritter 2012, hat bereits sieben Siege bei Läufen zur Rallye-Weltmeisterschaft auf seinem Konto.

Die Zahl der deutschen Teilnehmer bei der "Mutter aller Rallyes", die 1911 zum ersten Mal ausgetragen wurde, ist in diesem Jahr wieder übersichtlich. Ex-Europameister Armin Kremer (Schwerin) wird in einem seriennahen Subaru Impreza an den Start gehen. Der von VW protegierte deutsche Hoffnungsträger Sepp Wiegand (21) tritt im Skoda Fabia S 2000 an. Privatier Nils Henkel (Suzuki Swift) aus dem Erzgebirge komplettiert das deutsche Aufgebot.

Walter Röhrl bleibt das große Vorbild

Rallye-Ikone Walter Röhrl (65) gelang als einzigem Fahrer bisher das Kunststück, die Rallye vier Mal mit vier verschiedenen Fahrzeugen zu gewinnen: 1980 mit einem Fiat 131 Abarth, 1982 im Opel Ascona 400, 1983 mit dem Lancia Rally 037 und ein Jahr später im Audi quattro A2.

Die Rallye mit einem deutschen Fahrer, einem "neuen Röhrl", zu gewinnen – für Volkswagen ist das ein heimlicher Traum. Doch die Melange deutsches Auto mit deutschem Fahrer muss nicht unbedingt dauerhaften Erfolg verheißen. Das hat Mercedes mit dem Duo Michael Schumacher/Nico Rosberg in der Formel 1 zum eigenen Leidwesen unter Beweis gestellt.

Quelle: sp-x
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