09.01.13

Erster Fahrbericht

Nicht nur billiger, auch besser als der Golf

Er galt immer als der Golf für Arme: Der neue Skoda Octavia stiehlt dem Bruder aus Wolfsburg die Show. Er bietet mehr Platz, vier Golftaschen passen in den Kofferraum. Aber passt das zum Image?

Von Peter Weißenberg
Foto: Skoda

Auch die von Ende Februar an zu Preisen ab 15.990 Euro erhältliche dritte Generation des tschechischen Erfolgsmodells Octavia teilt sich eine Vielzahl von Komponenten mit seinen Konzernbrüdern Seat Leon, Audi A3 und dem deutschen Marktführer VW Golf.

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Überall Golf: Wer an der Küste der Algarve entlang fährt, rauscht von einem malerischen Platz dieser Sportart zum nächsten. Und wer das in der neuen Skoda Octavia Limousine macht, der wird von Martin Hrdlicka augenzwinkernd darauf hingewiesen, dass in dem höhlenartigen Riesenkofferraum unter dem Fließheck auf Wunsch gleich vier Golf-Taschen Platz finden.

Das Ladebeispiel verwundert, galt der Octavia immer auch als der Golf für Arme. Und jetzt soll er auch für die gediegenen Golfplätze taugen? Es geht vielmehr um den unvermeidlichen Vergleich mit dem übermächtig scheinenden Schwestermodell VW Golf.

Mehr Platz als im Golf

Auch die dritte Generation des ab 15.990 Euro erhältlichen Octavia teilt sich schließlich eine Vielzahl von Komponenten mit seinen Konzernbrüdern Seat Leon, Audi A3 und eben dem ewigen Bestseller aus Wolfsburg. Anders als die anderen Marken will Skoda aber vor allem eines mehr bieten: Raum. Zwei Generationen des Tschechen haben damit überzeugt.

Und schon beim Einsteigen wird klar: Generation Drei setzt noch was drauf. Vor allem auf der Rückbank machen sich die fünf Zentimeter mehr Radstand zum Golf deutlich bemerkbar. Von Kompaktklasse ist im Octavia keine Spur mehr – und dank luftiger Innenraumhöhe herrscht auch auf den hinteren Sitzen mehr Kopffreiheit als in manchem aktuellen Angebot der Mittelklasse-Konkurrenz. Beim Heckabteil müsste sogar noch eine halbe Wagenklasse größer gesucht werden, bevor ähnliche Maße wie im Octavia zu finden sind.

Sehr gut zugängliche bis zu 1580 Liter Laderaum sind ein Argument, dem Golf und dessen Rivalen nichts Vergleichbares entgegenzusetzen haben. Und beim Ikea-Einkauf findet Billy gleich mehrfach Platz, denn die Beifahrersitzlehne lässt sich flach umlegen, so dass bis zu 2,74 Meter lange Gegenstände in den Octavia passen.

Mehrlenker-Hinterachse erst ab 180 PS

Und wo ist jetzt der Haken? Die Küstenstraße und das hügelige Hinterland der Algarve geben Gelegenheit zu erfahren, wo die Grenzen des Octavia liegen. Vorher haben wir Golf-Geprägte schließlich noch verinnerlicht, dass der Tscheche ja die noble Mehrlenker-Hinterachse erst ab der 180-PS-Version eingebaut bekommt, die es im Golf schon ab der 122-PS-Version gibt.

Der Durchschnitts-Skoda fährt also bloß mit einfacher Verbundlenkerachse zwischen Faro, Flens- und Freiburg durch die Lande. Leidet die Straßenlage? Das könnte nur der hauptamtliche Chauffeur bei bewusst sportiver Fahrweise ansatzweise erspüren. Der typische Skoda-Kunde wird sich wohl in allen normalen Fahrsituationen absolut sicher fühlen. Und bei der klassischen Urlaubsreise machen sich die zusätzlichen Zentimeter Radstand zum Golf in vergleichsweise sanfterem Abrollen auf langen Bodenwellen bemerkbar. Länge läuft eben.

Beim Berühren minderwertig

Etwas weniger sanft entfaltet sich das Motorengeräusch. Der Octavia ist beileibe kein Brüller – aber die gleichen Aggregate scheinen schon etwas einfacher gedämmt zu sein als im Golf. Wirklich störend ist das nicht. Mit den Innenraum-Materialien ist es übrigens ähnlich: Auch sie sind optisch auf Augenhöhe mit dem Bruder aus Wolfsburg und ebenso penibel verarbeitet – nur beim Berühren etwa der unteren Mittelkonsole oder dem Bereich unter dem Lenkrad merkt der Skoda-Fahrer, wo gespart wurde. Eher Plastik als Kunststoff. Na und?

Viel wichtiger ist ein anderes Sparpotenzial: Der gewachsene Octavia hat erheblich abgespeckt. Bis zu 102 Kilo weniger als der Vorgänger – das macht sich auf der Straße sofort bemerkbar. Selbst der 1,2-Liter-Benziner mit 105 PS sorgt dank seiner bereits ab 1.550/min anliegenden 175 Newtonmeter Drehmoment für flottes Vorankommen. Mit fünf Personen und dem großen Urlaubsgepäck an Bord wird das bei der Fahrt über die Alpen natürlich nicht mehr so sein. Aber diese Fahrsituation ist ja nicht die Regel.

Deutlich billiger als das Pendant aus Wolfsburg

Der klassische Pendler aus der Vorstadt ist bereits mit diesem Skoda angemessen motorisiert. Die versprochenen 4,9 Liter Super im Mix sind allerdings kaum zu erreichen; auch, wenn man das Gaspedal nur anhustet und kilometerweit vorausschauend fährt, landet man bei mindestens einem Liter mehr. Aber das ist ja auch kein schlechter Wert.

Entscheidend könnte für den kühlen Kostenrechner auch sein, dass der neue Octavia ausstattungsbereinigt deutlich billiger ist als der Verwandte aus Wolfsburg. Der Tscheche beginnt bei 15.990 Euro Verkaufspreis mit dem 1,2-Liter-Benziner (63 kW/86 PS) und in der Basis-Ausstattung Active. Andere Preise wollen die Tschechen erst in den kommenden Wochen herausrücken. Es wird aber sicher auch möglich sein, einen Octavia zu mehr als dem Doppelten dieser Summe zu bekommen.

Neben den zwei Dieseln ist von den vier Benzinern der 1,4-Liter-Benziner mit früh anliegenden 250 Newtonmetern Drehmoment besonders empfehlenswert. Und anders als in früheren Octavias hat die Zentrale in Wolfsburg dem Bestseller aus Mlada Boleslav auch deutlich mehr Hightec-Features gegönnt: Der Octavia-Fahrer kann auf den Spurhalteassistenten Lane Assist setzen oder auf eine automatische Notbremsfunktion mit Multikollisionsbremse, die das Fahrzeug nach einem Crash automatisch stoppt, um Folgeunfälle zu vermeiden.

Stereoanlage mit 570 Watt

Und auch Fahrprofilwahl, Parkassistent und Müdigkeitserkennung sind teils gegen Aufpreis an Bord. ESP und bis zu neun Airbags sowieso. Sogar der Abstandsregel-Tempomat aus Golf und A3 sowie das beeindruckende Acht-Zoll-Mediacenter mit einer 570-Watt-Stereoanlage sind inzwischen im Skoda-Angebot. Ach ja, und so Skoda-typische Helfer wie ein eingebauter Mülleimer, der Laderaumboden mit Wendefunktion – die andere Seite ist gummiert – oder der Tickethalter an der Windschutzscheibe. Einfach nur praktisch.

Vieles wird allerdings Aufpreis kosten; die Zahlen hält Skoda hier ebenfalls noch unter Verschluss. Aber in der Basis soll der Octavia ja auch weiterhin vor allem die preisaggressive Konkurrenz in Schach halten. Und die wird nicht weniger. Gerade erst hat der Octavia einen neuen Konkurrenten bekommen: einen frechen Nachwuchs aus eigenem Hause. Der neue Rapid ist nur 18 Zentimeter kürzer als sein größerer Bruder – oder 20 Zentimeter länger als ein Golf. Alles eben eine Frage der Betrachtungsweise.

Quelle: sp-x
Quelle: dapd
02.01.13 0:55 min.
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