08.01.13

Autolegende

Mercedes 180 – Erster Erlkönig der Autogeschichte

Vor 60 Jahren kam der Mercedes 180 auf den Markt. Er war eine technische Sensation. Mehr Aufsehen hatte jedoch ein Jahr zuvor die Veröffentlichung des ersten Fotos von dem Wagen erregt.

Von Denise Juchem
Foto: Daimler

Das Jahr 1953: Elisabeth wird in London zur König gekrönt, der Mount Everest wird erstmals bestiegen, und Mercedes bringt mit dem Modell 180 den ersten Wagen mit selbsttragender Ponton-Karosserie auf den Markt.

9 Bilder

Wie ein Mercedes-Benz 180 aus dem Jahr 1953 ausgesehen hat, das wissen heute nur noch die wenigsten. Den Fachbegriff, den der Wagen noch vor seinem Marktstart geprägt hat, den kennt heute jedoch fast jeder, selbst nicht-autoaffine Menschen. Der Mercedes-Benz 180 war nämlich der erste Erlkönig überhaupt.

Dass Prototypen künftiger Automodelle heute allgemein mit diesem Begriff bezeichnet werden, geht auf einen Journalisten zurück. Die Fachzeitschrift "auto motor und sport" veröffentlichte 1952 das erste Foto des künftigen Mercedes 180, das zufällig geschossen wurde und stellte dazu folgende Zeilen:

Wer fährt da so rasch durch Regen und Wind?

Ist es ein Straßenkreuzer von drüben,

der nur im Umfang zurückgeblieben

oder gar Daimlers jüngstes Kind?

Der stille Betrachter wär gar nicht verwundert,

wenn jenes durchgreifend neue Modell,

das selbst dem Fotografen zu schnell,

nichts anderes wär als der Sohn vom "Dreihundert".

Ein Foto von einem Prototyp, nach heutigen Maßstäben ist das zwar spannend, aber mittlerweile auch sehr normal. In den frühen 50er-Jahren stellte es jedoch eine nie dagewesene Provokation der Automobilindustrie dar. In der Chefredaktion des Magazins wurde mehrere Wochen darüber diskutiert, in welcher Form man solche Fotos abdrucken könnte, ohne die Industrie damit allzu zu verärgern.

Chefredakteur Heinz-Ulrich Wieselmann kam schließlich auf die Idee, durch amüsante Begleittexte den betroffenen Firmen die bittere Pille ein wenig zu versüßen. Er reimte für die ersten Bilder je ein kleines Achtzeilen-Gedicht im Stil von Goethes "Erlkönig". Alle trugen sie dieselbe Überschrift: Erlkönig.

Doch nicht nur mit der Erlkönig-Anekdote hat der Mercedes 180 Geschichte geschrieben. Mit dieser Limousine war Mercedes 1953 formal und technisch in der Nachkriegszeit angekommen. Der alte Mercedes 170 wurde zwar noch immer gebaut, doch mit seiner Vorkriegskonstruktion stieß der Wagen an Grenzen. Die Zeit war reif für etwas Neues.

Mehr Platz für Passagiere und Gepäck

Der 180er war das erste Modell von Mercedes mit selbsttragender Pontonkarosserie, was ihm auch den Namen Ponton-Benz einbrachte. Charakteristisch für diesen Aufbau waren voll integrierte Kotflügel, ein rechteckiger Grundriss der Karosserie und die jeweils annähernd als Quader ausgebildeten Fahrzeugbereiche Vorderwagen, Passagierabteil und Heck. Die Karosserie trug jetzt mit und wurde dadurch auch noch wesentlich leichter.

Durch diese Konzeption verringerte sich der Luftwiderstand, was wiederum weniger Windgeräusche und einen sinkenden Verbrauch bedeutete. Die neue Konstruktion bescherte aber auch mehr Innenraum und mehr Kofferraum, der nur noch von anfangs einem und später zwei möglichen, stehenden Reserverädern eingeschränkt wurde.

Offiziell hatte Mercedes den 180er nur als viertürige Limousine im Programm, allerdings verwandelte der Karosseriebauer Binz den Wagen in verschiedene Varianten. Binz baute unter anderem Kombis, die über die Mercedes-Händler vertrieben wurden. Diese Fahrzeugform war in Europa damals noch recht unbekannt.

1962 endet die Karriere des kleinen Ponton

Bei so viel Innovation im Karosseriebereich wurde bei den Motoren an Bewährtem festgehalten. So startete die 180er-Baureihe mit dem leicht modifizierten Motor des 170ers. Der Vierzylinder leistete 52 PS, als Diesel gar nur 40 PS. Wegen des geringeren Luftwiderstands verbesserten sich aber zumindest die Fahrleistungen etwas.

Bis 1962 dauerte die Karriere des kleinen Ponton-Benz. Über die Jahre erhielt die Baureihe einen gedrungenen Kühlergrill sowie mehr Chrom und Leistung. Am Ende waren es immerhin 75 PS. Der Nachfolger hatte dann nicht nur mehr Kraft unter der Motorhaube, sondern auch eine Flosse am Heck...

Quelle: DW
26.12.12 6:36 min.
Ein alten Bauernhof vor den Toren Münchens. Hier hat Ralf Kurschewitz seine Werkstatt. Seine Leidenschaft gilt dem Purismus auf vier Rädern, denn Ralfs Herz schlägt für den VW Kübelwagen.
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