24.12.12

BMW X6

Auf Kriegsfuß mit dem Zivil-Panzer von BMW

Wer sich die Freiheit nimmt, einen leistungsstarken Koloss zu fahren, wird den BMW X6 M50d lieben. Der Tritt aufs Gas macht Spaß. In Berlin aber versperren ihm viele Feinde den Weg.

Von Robert Dunker
Foto: BMW

Den frisch geliftete BMW X6 offerieren die Münchener auch als X6 M50d mit dreifacher Aufladung ab 86.400 Euro.

5 Bilder

Eine gewisse Gerechtigkeit sollte auch Autos widerfahren. Deshalb kann der BMW X6 M50d wahrscheinlich nichts dafür, dass ich ihn so gar nicht mochte. Ich gestehe, es waren vor allem Äußerlichkeiten, die mich störten. Aber er und ich – das passte von Beginn an nicht zusammen.

Der Dicke stand schon so aufdringlich in der Tiefgarage, machte sich schrecklich breit in seiner nicht mal so kleinen Parkbucht. Die Proportionen schienen bei ihm aus den Fugen geraten zu sein. Alles eine Spur zu breit, zu hoch, zu lang.

Die Fahrertür ließ sich nur einen Spalt öffnen, ohne dass ich den Wagen nebenan womöglich vermackt hätte. Nachdem ich kurz erwogen hatte, das Wageninnere über die Beifahrertür zu erklimmen, quetschte ich mich mit meiner Winterjacke dann doch durch die Ritze schräg hinauf in den Fahrersitz.

Grundsportlichkeit erforderlich

Das Super-SUV misst 1,98 in der Breite, die Außenspiegel nicht mitgerechnet. Auch ohne das gegen Aufpreis erhältliche Trittbrett an der Seitenflanke ist beim Einsteigen in der freien Wildbahn eine gewisse Grundsportlichkeit sachdienlich. Hinterm Steuer lässt es sich dafür trefflich hinabblicken auf die anderen Verkehrsteilnehmer.

Die exponierte Lage polarisiert. Kreuzt der X6 auf, sind seine Feinde nicht weit. Womit man sich in München und Starnberg angefreundet hat, erregt an der Basis in Berlin zuweilen blanken Zorn. Als ich die Kollegin auf dem Heimweg kurz am Alexanderplatz rauslasse, schnauzt mich ein angriffslustiger Radfahrer an: "Du bist ja ein ganz Großer mit deinem Ding."

Manche glauben, dass das Ding sogar etwas für Gernegroße ist, noch dazu, wenn er wie der Testwagen über das sperrige Kürzel M50d verfügt. Damit könnte man wohl auf jedem Truppenübungsplatz Eindruck schinden. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich die sportliche M-Tochter der Münchner den Kaventsmann vorgeknöpft und ihn mit einem Extra-Bums versehen hat. Ohnehin gab es beim neuen X6 kleinere optische Retuschen, jetzt sorgt auch noch ein 381 PS starker Turbo-Diesel für Vortrieb.

Nicht vernünftig aber ein Problemlöser

Wer sich für diese Fahrzeugvariante entscheidet und einigermaßen sozialisiert ist, dem werden Grundsatzdiskussionen nicht erspart bleiben. Eine meiner Freundinnen ist Grundschullehrerin. Sie findet, dass Autos auf Berlins Straßen immer größer und schwerer werden. "Warum", fragt sie, "braucht man in der Stadt ein SUV?"

Ich komme ihr mit der individuellen Freiheit, sie hält mir das Solidarprinzip entgegen und das Gebot der Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Ich kontere, dass Vertreter der SUV-Klasse nicht häufiger Unfälle verursachten als Besitzer von Mittelklassewagen. In einem Punkt muss ich ihr recht geben: Vernünftig ist es nicht, einen BMW X6 M50d zu fahren.

Wir finden noch einen gemeinsamen Nenner: In unserem Bekanntenkreis kaufen sich viele Leute plötzlich ein großes Auto, wenn sie Kinder bekommen. Sie glauben, den Alltag sonst nicht mehr bewältigen zu können. Da kommt der X6 ins Spiel. Er ist ein Problemlöser, zugegeben: bei einem Grundpreis von annähernd 90.000 Euro eher für wohlhabende Familien.

Tri-Turbo für zwei Drehzahlbereiche

Wenn man nur ein bisschen Ignoranz an den Tag legt, kann man sich im BMW X6 tatsächlich erleichtert fühlen. Also trete ich aufs Gas, bis die Reifen quietschen und etwas Gummi raucht: 381 PS mit durchgedrücktem Pedal zu aktivieren ist lustig und kostet etwas Kraftstoff. Die bei BMW übliche Verbrauchsanzeige blieb bei diesem Spaß am rechten Ende des Spektrums hängen.

Der Motor ist der wahre Grund für die Freude am Fahren bei jedem BMW. Er ist auch bei diesem Fahrzeug das beste Stück. Der Hightech-Diesel erlaubt ein hohes Tempo (bei 250 km/h wird abgeregelt, so viel Vernunft dann doch) und hat dabei nur mäßig Durst. 9,8 Liter verbrauchte er im Testbetrieb. Die Turboaufladung sorgt für ein hohes Drehmoment, das dem Wagen einen kräftigeren Schub verleiht.

Der M50d verfügt über drei Turbolader, zwei kümmern sich um die niedrigen Drehzahlen, einer ist für den roten Bereich gedacht. Dass er den Spurt von null auf 100 trotz seiner imposanten Erscheinung in der überaus sportlichen Zeit von 5,3 Sekunden tatsächlich schafft, kann man in der Stadt nur erahnen.

Luxurös auf Schotterwegen

Eine Autostunde von Berlin entfernt kann der Zivil-Panzer endlich zeigen, wie er ins Manöver zieht. Rasant meistert der Wagen mit seinem gewaltigen Aufbau und der bequemen Federung jedes Schlagloch, zwischendurch steige ich immer mal wieder kurz aufs Gas, worauf es die die juchzenden Kinder vor Vergnügen in die Rückbank drückt. Mehr als zwei Mitfahrer passen allerdings nicht in den Fond, den Platz in der Mitte hat BMW offenbar für die Minibar reserviert.

Natürlich hat auch der X6 keine Differenzialsperre und keine separate Geländeuntersetzung wie herkömmliche Geländewagen. Ebenso fehlt das flexible Fahrwerk, das man braucht, wenn es über extrem bucklige Pisten geht. Immerhin sorgen der Allradantrieb und die hervorragende Abstimmung von Fahrwerk und Bremsen dafür, dass man auch auf Schotterwegen luxuriös vorankommt.

Auch für BMW ist die Einführung der M-Ausführung ein Abenteuer. Dass die Werkstuner Diesel-Limousinen zu Sportwagen ummodeln können, hat schon AMG (Mercedes) vor zehn Jahren mit der C-Klasse bewiesen. Werden der aufgemotzte SUV-Diesel und die Palette der M-Selbstzünder ein Erfolg, haben die Bayern vieles richtig gemacht.

Quelle: DWTV
19.12.12 5:07 min.
Der Porsche Cayenne GTS spurtet in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 261 km/h. Diese Werte verdankt der Cayenne GTS seinem leistungsgesteigerten Motor.
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Los Angeles zwischen Super-SUV und Öko Auto

Co-Kommentar
  • Wie in Mutters Schoß

    Karl Lagerfeld hat mal erklärt, warum er sich so gern in einem Ungetüm wie dem Hummer chauffieren lässt. „Ich will nicht auf derselben Höhe wie die anderen fahren. Der Hummer ist wie ein Panzer, er gibt mir ein Sicherheitsgefühl“, sagte er. Das bringt uns zum X6. Die Perspektive? Einmalig, der Blick geht hinab. Wer das mag, sitzt hier genau richtig. Das Gefühl der Sicherheit? Der Brummer erweckt in einem ein Gefühl wie in Mutters Schoß. Die Linienführung der Karosserie? Ein Streitfall. Aber das kennt Lagerfeld ja auch. Patrick Krull, Sportredaktion, privat: Ford Mondeo Turnier

  • Hässlich, aber agil

    „Oh Gott, ist der hässlich!“ Das war meine Reaktion, als ich den BMW X6 zum ersten Mal auf der Straße sah. Und meine Empörung ging noch weiter: „Der sieht ja aus wie ein Geländewagen, über den hinten ein Panzer gerollt ist.“ Vier Jahre ist diese Begegnung her, an meiner Meinung hat sich nichts geändert. Doch kürzlich bin ich den X6 erstmals gefahren. Und war positiv überrascht. Obwohl der Wagen ein Koloss ist, fährt er sich spielerisch, ist superagil und hält die Spur wie auf Schienen. Dennoch: Für mich ist es der hässlichste BMW, den es je gab. Denise Juchem, Motorredaktion

  • Brumm-Brumm, Berlusconi

    Wer den X6 hässlich findet, hat ihn einfach nicht verstanden. Ich halte es da mit einem italienischen Journalistenkollegen, der über den X6 einmal sagte: „You know, this is a Berlusconi car.“ Es geht hier also nicht um Schönheit, sondern um Selbstbewusstsein, meinetwegen auch um Chuzpe. Muss man nicht immer gut finden, aber im Gegensatz zu Berlusconi macht der X6 M50d nicht Bunga-Bunga, sondern Brumm-Brumm. Und zwar so gewaltig, dass es mir völlig egal ist, wie der Wagen aussieht. Stefan Anker, Motorredaktion

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