19.12.12

Autolegende

Hund, Maultier, Ziege – vom Dschieh Pieh zum Jeep

Ursprünglich hieß der Jeep gar nicht Jeep, sondern Willys MB. Gebaut wurde der Geländewagen für den Kriegseinsatz. Doch im Frieden wartete auf das spartanische Fahrzeug eine zweite Karriere.

Von Denise Juchem
Foto: pa/dpa

Der Urahn aller Geländewagen: Der Willys MB. Das Allzweckfahrzeug, das von den Soldaten Jeep genannt wurde, ist das Ergebnis einer Ausschreibung des amerikanischen Verteidigungsministerium aus dem Jahr 1940. Dieses Foto zeigt ein Testfahrzeug von Willys-Overland, das unter dem Namen Willys MA lief.

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"Er ist treu wie ein Hund, stark wie ein Maultier und flink wie eine Bergziege." Mit diesen Attributen beschrieben amerikanische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs ihr spartanisches Allzweckfahrzeug Willys MB – den Urvater aller Geländewagen. Denn mit seinem zuschaltbaren Allradantrieb kam der 3,30 Meter kurze und 63 PS starke Wagen überall durch. Selbst Steigungen von bis zu 60 Prozent waren für ihn kein Problem.

Als die USA kurz vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg standen, fehlte dem Militär ein passendes Fahrzeug. Klein, günstig, leicht zu reparieren und geländegängig sollte es sein. 1940 veröffentlichte das US-Verteidigungsministerium eine Ausschreibung für einen solchen Wagen.

Die Zeit drängte, das konnte man an der Einsendefrist erkennen: Innerhalb von nur 49 Tagen sollte ein passender Entwurf vorliegen und innerhalb von 75 Tagen eine Kleinserie von 70 Versuchsfahrzeugen bereitgestellt werden. Hohe Erwartungen. Nur drei amerikanische Hersteller konnten sie erfüllen: Ford, Bantam und Willys-Overland.

Bei den GIs sehr beliebt

Noch im selben Jahr mussten die drei Konkurrenten mit ihren Prototypen gegeneinander antreten. Erst danach fiel die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommen sollte. Die Prototypen von Willys-Overland überzeugten, 1941 wurden die ersten Kriegsfahrzeuge gebaut.

Die große Produktion der modifizierten Version, des Willys MB, begann 1942. Etwas später baute auch Ford den Wagen in Lizenz. Bis zum Kriegsende wurden rund 600.000 dieser Fahrzeuge auf die Räder gestellt.

Sitze wie Campingstühle, auf Türen und Seitenfenster wurde ganz verzichtet, das hätte nur unnötiges Gewicht bedeutet, und vor Regen schützte die Insassen lediglich ein notdürftiges Stoffverdeck. Mit Komfort hatte dieser rustikale Geländewagen, den die Soldaten kurz Jeep nannten, nichts zu tun. Aber es handelte sich ja auch schließlich um ein Kriegsfahrzeug. Dennoch war er bei den GIs sehr beliebt.

Zivile Versionen nach Kriegsende

Warum die Soldaten den Wagen Jeep nannten und sich dieser Name durchsetzte, darüber gibt es unterschiedliche Theorien. Da hinter dem Wagen in einem Armeehandbuch die Buchstaben "GP" (ausgesprochen "Dschieh Pieh") für general purpose (Allzweckfahrzeug) standen, könnte daraus das Wort Jeep geworden sein.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Name von einer Figur aus der Comic-Serie Popeye stammt. "Eugene the Jeep", so hieß ein gelbes, hundeähnliche Super-Wesen, das seinem Freund Popeye half, wenn der trotz seines Spinatkonsums nicht weiter wusste. Eugene the Jeep war unglaublich stark, konnte klettern und sogar durch Wände gehen – ganz so wie Willys Jeep MB eben.

Das Ende des Krieges bedeutete jedoch nicht das Ende des zähen Geländewagens. Nach 1945 arbeiteten die Ingenieure bereits an einer zivilen und komfortableren Version, dem CJ-2A. In Werbeanzeigen wurde der Jeep als "Motor auf Rädern" bezeichnet und als Nutzfahrzeug an Farmer und Bauarbeiter verkauft.

Kein Jeep für Eisenhowers Fuhrpark

Komfortabel war der CJ-2A zwar auch nicht, dennoch verfügte er über ein paar Besonderheiten, die seine militärischen Vorgänger nicht hatten. Beispielsweise eine Hecktür, ein seitlich angebrachtes Reserverad, große Scheinwerfer, einen verbesserten Antriebsstrang mit einem neuen Motor und – einen Tankstutzen außen an der Karosserie.

Ab 1953 wurde Willys unter dem Namen Kaiser-Jeep vermarktet. Über die Stationen AMC und Renault ging die Marke Jeep 1987 an Chrysler und gehört mittlerweile zum Fiat-Konzern.

Ein bekennender Jeep-Fan war auch der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower. Aber als er 1953, frisch gewählt, für seinen Fuhrpark des Weißen Hauses einen Willys MB haben wollte, wurde sein Wunsch abgelehnt. Der Geheimdienst hatte Sicherheitsbedenken.

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