20.12.12

Raus aus der Nische

Amerika exportiert seine Auto-Träume

US-Cars für Deutschland: Ford, GM und Chrysler bieten amerikanische Sportwagen, Vans und Riesen-SUVs über ihre Händler an. 2014 soll auch die Ikone Ford Mustang offiziell bestellt werden können.

Von Peter Maahn
Foto: dpa-tmn

Der Camaro der Siebziger ist eine Legende, das aktuelle Modell kann man bei deutschen Chevrolet-Händlern bestellen.

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"Objects in mirror are closer than they appear." Dieser Satz (übersetzt bedeutet er: "Objekte im Spiegel sind näher, als es den Anschein hat") dürfte jedem, der schon einmal in einem amerikanischen Auto gesessen hat, im rechten Außenspiegel aufgefallen sein. Jeder Wagen, der aus den USA zu deutschen Kunden über den Atlantik geschippert wird, muss den Warnhinweis tragen.

Diese Fahrzeuge machen sich jetzt immer mehr auf deutschen Straßen breit, denn US-Autos erleben eine Renaissance. Einige Modelle, die kürzlich auf der Messe in Los Angeles Premiere feierten, werden auch für deutsche Kunden zu haben sein – ohne den Umweg über einen freien Importeur.

Große Hersteller wie General Motors (GM) und Ford buhlen um die deutschen Autofahrer. Nischenmodelle wie die Sportwagen Corvette, Chevrolet Camaro und Ford Mustang tauchen nun auch im offiziellen europäischen Verkaufsprogramm auf oder sind zumindest für die nächsten Monate angekündigt. Und auch um an US-Bestseller wie die großen Geländewagen Ford Edge oder Cadillac Escalade zu kommen, müssen bald keine Grauimporteure mehr bemüht werden.

Jeep Grand Cherokee als Bestseller

Ford und GM blickten schon immer neidisch auf den Detroiter Nachbarn Chrysler, der mit der Marke Jeep das Sternenbanner auch außerhalb des amerikanischen Kontinents hochhielt. Das seit Jahren erfolgreichste US-Modell in Deutschland, der Jeep Grand Cherokee, kam in diesem Jahr zusammen mit dem Wrangler auf knapp 5000 Verkäufe. Das waren gut 200 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zahlen, von denen GM oder Ford derzeit nur träumen dürfen.

"Die Verkaufserfolge von Jeep in Europa sind der Beweis dafür, dass die Integration der Chrysler Group in die Fiat-Familie funktioniert", sagt Mike Manley, Präsident der Marke Jeep. Unter der Regie des neuen Eigners Fiat sind auch die nunmehr unter dem Lancia-Logo angebotenen Chrysler-Modelle wieder aus der Versenkung gestiegen. Beispielsweise der Familien-Van Voyager, der bis Ende November auf immerhin 794 Neuzulassungen kam.

Zum Jubiläum ein Mustang für Deutschland

Unlängst rief Ford in einer großen Konzerthalle in Amsterdam 2500 europäische Händler zusammen, um die neuen Modelle zu präsentieren. Die Jubel-Show war fast schon vorüber, als der aus den USA angereiste Ford-Chef Alan Mulally noch einmal vor den bereits geschlossenen Vorhang trat. Zeitgleich ertönte ein dumpfes Grollen aus acht Zylindern, ein greller Scheinwerfer erfasste die Kühlerpartie eines flachen Sportwagens. Der Mustang, Inbegriff des typisch amerikanischen Sportwagens, zeigte sich in voller Pracht.

Ein Vorgeschmack auf die neueste Version, die 2014 – dann wird der Mustang 50 Jahre alt – auch in Deutschland auf den Markt kommt. "Wir werden die Sieger sein", prophezeit Mulally mit Blick auf die Sportwagen-Ikone. Europa-Chef Stephen Odell ergänzt: "Der Mustang ist ein einzigartiger Ford, der eine riesige Fangemeinde in Europa hat."

Auch wenn die Daten noch nicht feststehen, soll der Mustang mit viel Power unter der Haube nach Europa sausen. Das neue Modell wird auch die EU-Normen für den Fußgängerschutz erfüllen. Zudem kann es sich Ford ersparen, einen längst überfälligen Nachfolger für den verblichenen Capri zu entwickeln.

Makel der Unverkäuflichkeit getilgt

Um der immer noch wachsenden Nachfrage nach geländetauglichen SUVs nachzukommen, kündigte Odell den Import des Ford Edge an, der gegen Audi Q5, Mercedes GLK und BMW X5 antreten soll. Auch der Ford Mondeo, der schon im nächsten Jahr erscheint, ist nichts anderes als die Europa-Version des US-Modells Fusion.

Amerikanische Autos scheinen den Makel der Unverkäuflichkeit außerhalb der US-Grenzen überwunden zu haben. Jahrzehntelang galten sie als zu groß für das kleine Europa, als zu benzinhungrig und wegen des schwankenden Dollarkurses und der nötigen Umbauten (Scheinwerfer-Höhenverstellung, Blinker) als zu teuer. Bis auf den Jeep Grand Cherokee und Chrysler Voyager blieben sie Ladenhüter.

Mit Ausnahme einer kurzen Periode Mitte der 70er-Jahre. Damals verkauften einige Opel-Händler ganz offiziell den Sportwagen Chevrolet Camaro, der mit seinem 193 PS starken 3,8-Liter-Sechszylinder stattliche 20 Liter Normalbenzin konsumierte. Eine Billigvariante ohne elektrische Fensterheber, Automatik und sonstige Feinheiten wurde für einen Festpreis von 17.900 Mark angeboten und fand reißenden Absatz.

Camaro mit 432 PS kostet 39.900 Euro

Nun taucht der Name wieder in der Chevrolet-Preisliste auf. Die gleichnamige Tochterfirma von GM, die vor allem kleinere koreanische Autos im Programm hat, will mit klangvollen Namen ihr Image stärken. Der aktuelle Camaro kostet 39.900 Euro, hat einen 432 PS starken Achtzylindermotor unter der langen Haube. Dazu ein Hubraum von 6,2 Litern und eine Durchzugskraft von 556 Newtonmetern.

Nie war es günstiger, einen derartigen Muskelprotz zu besitzen. Gefühle der Reue könnten an der Tankstelle aufkommen. Denn ein Verbrauch von weniger als 20 Litern auf 100 Kilometer sind in der Praxis kaum zu schaffen. Das Cabrio mit elektrischem Verdeck ist 5000 Euro teurer.

Im ersten Verkaufsmonat konnten die Händler 53 Kaufverträge präsentieren. Ungleich teurer wird der Sportwagen Corvette, der im Januar in Detroit unter dem Kürzel C7 seine Neuauflage erlebt und kurz danach auch nach Deutschland kommt. Rund 80.000 Euro müssen voraussichtlich angelegt werden, um die 450-PS-Rakete zu ordern. Zylinderabschaltung und Direkteinspritzung sind die Highlights des neuen Motors.

Erfolgsaussichten für den Malibu ungewiss

Der Außenseiter mit der flachen Form und den Klappscheinwerfern hatte in den vergangenen Jahren nur eine kleine Fangemeinde. Mit dem völlig neuen Modell hat GM jetzt die betuchte Kundschaft im Blick, die jedoch nicht wie für einen Porsche oder Maserati mehr als 100.000 Euro ausgeben will. Ob die Corvette neben den Fahrleistungen auch mit dem Fahrwerk und den sonstigen Vorzügen europäischer Sportwagen mithalten kann, bleibt jedoch fraglich.

Chevrolet hat aber auch einen ganz normalen Amerikaner im Europa-Programm. Erstmals wird die Mittelklasse-Limousine Malibu, ein Bestseller in den USA, auch in Deutschland angeboten. Mit 4,87 Metern bietet sie viel Platz, ist mit Dieselmotor (160 PS) oder Benziner (167 PS) zu haben und hat mit 545 Litern einen recht großen Kofferraum. Preise: zwischen 29.900 und 33.490 Euro. Erfolgsaussichten: ungewiss.

Während die amerikanischen Sportwagen und SUV zumindest Außenseiterchancen haben, werden sich die Modelle von Cadillac hierzulande wohl eher schwertun. Beispielsweise der futuristisch gezeichnete, nur 4,64 Meter lange ATS.

Nur sechs Caddy-Händler in Deutschland

Der kleinste Cadillac, den es je gab, tritt gegen den BMW 3er oder die C-Klasse von Mercedes an, hat einen Zweiliter-Turbobenziner mit 276 PS und kostet samt guter Serienausstattung vergleichsweise bescheidene 37.500 Euro. Wer diesen Mini-Caddy haben will, muss jedoch suchen. In ganz Deutschland gibt es derzeit nur sechs Händler.

Ähnliches gilt für den Cadillac Escalade, der mit einer Länge von 5,12 Metern und einer Breite von über zwei Metern in einer eigenen Liga fährt. Sein 6,2-Liter-Achtzylinder mit 409 PS ist für gerade mal 170 km/h gut und mit einem Praxisverbrauch von mehr als 20 Litern dennoch durstig. Fast 79.000 Euro müssen angelegt werden. Für die Hybridversion, die mit zwölf Litern auskommt, kommen noch einmal rund 10.000 Euro dazu.

Bis Ende Oktober bekamen immerhin drei Escalades ein deutsches Kennzeichen. Dennoch kein Grund zur Sorge für die Chefetagen von Mercedes, BMW und Audi.

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