08.12.12

Gebrauchtwagen-Check

Porsche 911 – Das "Spiegelei" im Sonderangebot

Die Generation 996 ist die derzeit günstigste Möglichkeit, einen Neunelfer zu fahren. Die Modelle gelten als langlebig und sehr solide. Nur ein kleiner Dichtring kann die Fahrfreude trüben.

Foto: Porsche

Die zwischen 1997 und 2006 gebaute Generation des Porsche 911 ist heute die günstigste.

8 Bilder

Der Porsche 911 ist der deutsche Sportwagen überhaupt. Da ist es kein Wunder, dass er auch als Gebrauchtwagen begehrt und teuer ist. Eine Baureihe allerdings ist einen Hauch weniger gesucht als die anderen: Der Porsche 911 des Typs 996, der zwischen 1997 und 2006 gebaut wurde.

Stein des Anstoßes war damals wie heute vor allem die Form der Scheinwerfer. Die teilte sich der damalige Elfer aus Kostengründen mit dem Porsche Boxster der ersten Generation, Spötter nannten die Form mit den vielen Rundungen schnell "Spiegelei".

Die Wasserkühlung irritierte

Außerdem war der 996 der erste Porsche 911, dessen Motor mit Wasser statt althergebracht mit Luft gekühlt wurde. Was heute niemanden mehr stört, sahen Traditionalisten damals als Sakrileg an.

Die damaligen Irritationen laufen dem Modell bis heute nach, wer mit der Form leben kann, bekommt deshalb mit dem Wagen viel Sportwagen für vergleichweise wenig Geld.

Kindersitze für den Elfer

Karosserie: Der Porsche liegt tief und er ist flach. Viel Platz im Innenraum bleibt deshalb nicht, aber Kinder kommen mit den Notsitzen in der zweiten Reihe zurecht und sogar spezielle Kindersitze gibt es für die Baureihe. Trotzdem: Als Familienkutsche wird man sich den Wagen eher nicht anschaffen.

Aber für eine oder zwei Personen ist er durchaus alltagstauglich, wenn man keine raumgreifenden Hobbys pflegt: Die Einkäufe verstaut man unter der vorderen Kofferraumhaube oder eben auf den hinteren Sitzen.

Mit 4,43 Meter ist ein 996 etwas kürzer als ein aktueller Golf Variant, so braucht man keine riesigen Lücken zum Einparken. Neben dem Coupé boten die Stuttgarter auch Cabrio und Targa an. Am beliebtesten ist aber die geschlossene Variante, ein Schiebedach wird dann gerne genommen.

300 PS sind das Minimum

Antrieb: Der erste wassergekühlte Motor im Elfer wurde nötig, um damals neue Verbrauchs- und Abgasvorschriften zu erfüllen. Die Vierventil-Zylinderköpfe mit den obenliegenden Nockenwellen wären luftgekühlt nicht realisierbar gewesen.

Vom Kühlmedium abgesehen haben die Motoren aber die klassische Auslegung – Boxer mit sechs Zylindern und zwischen 3,4 und 3,8 Liter Hubraum. Leistung und Sound lassen nicht zu wünschen übrig. Mindestens 300 PS liegen an, der GT2 leistet sogar 483 PS.

Ein Simmerring als Standarddefekt

Die Motoren gelten als nahezu unverwüstlich, wenn man sie langsam warmfährt und nicht mit der Wartung schlampt. Laufleistungen über 300.000 Kilometer sind keine Seltenheit.

Allerdings gibt es einen Running Gag, der bei den Aggregaten den Standarddefekt darstellt: ein Simmerring der Kurbelwelle an der zum Getriebe zeigenden Seite des Motors. Er wird gern undicht und sorgt dann dafür, dass der Elfer sein Öl unter sich lässt. Kleine Ursache, große Wirkung, die Reparatur kann um die 1000 Euro kosten.

Der Basis-Elfer reicht den meisten aus

Wer seinen Porsche im Alltag auf der Straße bewegen will, der ist mit dem Basis-Boxer schon sehr gut bedient. Die starken Turbos und GT können auf der Rennstrecke zwar noch einiges mehr, doch das wird man im öffentlichen Verkehr kaum jemals ausnutzen können. Außerdem sind die Versionen sehr hart abgestimmt, im Alltag kann man das als eher anstrengend empfinden.

Gerne genommen wurden und werden die Allradvarianten namens Carrera4. Sie bieten mehr Traktion, allerdings schlucken sie auch etwas mehr Sprit. Dagegen ist die Tiptronic-Automatik definitiv nicht empfehlenswert: Sie reagiert zu langsam und raubt dem Elfer viel von seinem Biss. Je nach Version schlucken die Motoren zwischen 11,2 und 13,3 Liter auf 100 Kilometer.

Besser nicht mit Automatik

Ausstattung und Sicherheit: Eine NCAP-Wertung gibt es für den 996 nicht – teure und seltene Sportwagen werden von der Vereinigung nicht gegen die Wand gefahren. Der Porsche gilt aber allgemein als sehr sicher.

Allerdings birgt allein die Leistung schon ein gewisses Betriebsrisiko: Schon die schwächste Version ist für Tempo 280 gut. Serienmäßig kommt der Elfer aber mit ABS, Front- und Seitenairbags. Gegen Aufpreis gab es ein Stabilitätsprogramm, das Porsche PSM nannte.

Als Extras sind außerdem Klimaanlage, Navigationssystem und Lederausstattung nicht ungewöhnlich. Der Begriff "Vollausstattung" führt beim 996 allerdings in die Irre. Da sich einige Zusatzausstattungen gegenseitig ausschlossen, gibt es keine Autos, in denen alle bestellbaren Extras stecken.

Ein Porsche braucht gute Vorbesitzer

Die Qualität: Beim TÜV-Bericht schneidet der Sportwagen deutlich besser ab als vergleichbare Modelle in ähnlichem Alter. Schon seit 1977 sind alle Elfer vollverzinkt, Rost ist seitdem nur noch selten ein Thema, die Bremsen sind meist ebenso in Ordnung wie Auspuffanlage, Scheinwerfer und Fahrwerk – zumindest dann, wenn der Vorbesitzer sich den Unterhalt des Wagens leisten konnte.

Generell sollte man sich Bremsscheiben und Reifen des Wagens genau ansehen, denn beides leidet, wenn der Porsche hart rangenommen wurde. Probleme gibt es ab und an mit der Elektronik, speziell die Batterie entlädt sich manchmal durch Kriechströme selber. Auch spielt manchmal die Steuerung der Klimaanlage und des Navigationssystems verrückt.

Viel billiger wird er nicht mehr

Fazit: Der Preis für den Porsche 911 der Generation 996 sind im Keller, es ist nicht zu erwarten, dass der Wagen noch deutlich günstiger wird. Akzeptable Exemplare bekommt man für weniger als 20.000 Euro, man sollte allerdings darauf achten, dass der Vorbesitzer nicht gebastelt, Spoiler oder ein Fahrwerk aus dem Zubehör montiert hat.

Und: Ein Porsche 911 war als Neuwagen ein teures Gefährt und im Unterhalt und bei Reparaturen ist er das immer noch. Wer einen kauft, dem sollte das klar sein.

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