06.12.12

Mittelklasse-Coupé

Wie aus dem BMW 3er der 4er wurde

Es ist bildschön, duckt sich flach und breit auf die Straße und trägt einen seltsamen Namen: Concept 4er Coupé. Doch das "Concept" kann man sich sparen: Der BMW 4er kommt, und er bleibt nicht allein.

Von Stefan Anker
Foto: BMW

Böse und breit steht der BMW Concept 4er Coupé auf der Straße, doch das Wort Concept kann man getrost streichen: Das technische Grundgerüst und das Gesicht des künftigen 4er stehen schon fest.

13 Bilder

Wie schön, wenn man so viel Historie hat: Irgendwo wird sich in der ruhmreichen Vergangenheit immer eine Begründung finden für neue Strategien der Zukunft. Die von BMW geht so: Wir haben den 6er, der ist das Coupé zum 5er. Wir hatten mal den 8er, der passte zumindest preislich zum 7er. Und liegt es dann nicht nahe, dem 3er einen 4er zur Seite zu stellen?

Das ist, knapp zusammengefasst, was Vertriebsvorstand Ian Robertson über die neue Nummernstrategie zu sagen hat, und es klingt ein bisschen weit hergeholt.

Mehr Auto für mehr Geld

Allerdings war das 3er Coupé, wiewohl ein attraktives Auto, bis dato nicht nur technisch ein Ableger der Limousine, sondern auch optisch. Nun bekommt der Wagen eine Eigenständigkeit, die vielen Menschen die Hälse verdrehen wird.

Tiefer, breiter, länger, dazu mehr Abstand zwischen den Achsen – legt man die Silhouette des nun vorgestellten Concept 4er Coupé über die des 3er Coupé, dann ist deutlich zu erkennen, dass man beim 4er für mehr Geld auch mehr Auto bekommt, zumindest, was die Dramatik des Auftritts anlangt.

Acht Zentimeter breitere Spur

Und lassen wir ruhig schon den Beinamen "Concept" weg: Der 4er ist beschlossene Sache, auch wenn es an diesem Mittwochabend noch keiner offiziell sagt. Konkret streckt sich das Auto nun über 4,64 Meter (3er Coupé: 4,58 Meter), das Dach wurde um knapp zwei Zentimeter auf 1,36 Meter abgesenkt.

Das macht optisch schon etwas aus, genau wie der um fünf Zentimeter auf 2,81 Meter gewachsene Radstand (der dem der aktuellen 3er Limousine entspricht). Aber während diese Änderungen der Geometrie vielleicht nur Kenner sofort identifizieren, wird jeder Laie auf den ersten Blick die enorme Verbreiterung bemerken: Die vordere Spur wuchs von 1,49 auf 1,55 Meter, und die Hinterräder stehen sogar acht Zentimeter weiter auseinander.

Mit den Proportionen sind wir sehr happy"

1,59 Meter misst die Spur hinten, das ganze Auto ist (ohne Spiegel) 1,83 Meter breit, und vor allem beim Blick aufs Heck beschleicht den Betrachter das Gefühl, hier schon eine Tuningversion vor sich zu haben. "Ja, das bleibt so breit", sagt Designchef Adrian von Hooydonk. "Mit den Proportionen sind wir sehr happy."

Profil und Gesicht des Autos liegen fest, auch der Serienstart ist beschlossen. Dieses Konzeptauto, das im Januar bei der Detroit Motor Show zum ersten Mal einer großen Öffentlichkeit gezeigt wird, ist keines, mit dem erst die Reaktion des Publikums getestet werden sollte. Es ist die konkrete Vorbereitung der Kundschaft auf das, was da im Herbst nächsten Jahres in die Läden kommt.

Die auffälligen Kiemen sollen bleiben

So muss man sich vielleicht noch die c-förmigen Strukturen in den vorderen Lufteinlässen und in der Heckschürze wegdenken. Auch die Auspuffrohre dürften sich in der Serienversion nicht mehr verstecken, sondern sichtbar sein.

Nur die deutlich erkennbaren Kiemen in den vorderen Kotflügeln will Designchef van Hooydonk offenbar behalten. "Bei anderen Modellen werden sie dezenter sein. Aber der 4er ist ein Sportwagen, da können sie durchaus etwas sportlicher aussehen."

Das Design soll auch die Sparsamkeit betonen

Airbreather heißen die Kiemen im BMW-Jargon, wobei sie keine Luft atmen, sondern sie aus den vorderen Radhäusern ins Freie lassen. Das verbessert die Aerodynamik, weil die Luft sonst ungünstig um die Räder herumwirbeln würde – gerade wenn es sich um 20-Zoll-Felgen handelt wie bei der Studie, die der Luft im Radkasten kaum noch Platz lassen.

Diese Feinheit ist van Hooydonk wichtig, weil durch solche Details die Bemühungen der Ingenieure um Effizienzverbesserung auch im Design gespiegelt würden. "Wir übertragen den Efficient-Dynamics-Gedanken auch in die Designsprache."

Kleinere Motoren sind der Königsweg

100 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer – das ist der Zielwert, den die EU der BMW-Flotte für 2020 vorgibt, bei 145 Gramm stehen die Autos aus München derzeit. Den sehr großen Schritt nach unten werde das Unternehmen nur mit der Etablierung der Elektromodelle i3 und i8 schaffen, sagt Entwicklungsvorstand Herbert Diess. Und bei den konventionellen Autos bleiben weiter verkleinerte Motoren mit Turboaufladung und aufwändigen Automatikgetrieben der Königsweg.

Ein Auto wie der 4er passt da auf den ersten Blick nicht ins Konzept, es sei denn, er übernimmt vom 3er, seinem technischen Mutterschiff, auch die kleinsten Motoren.

Ist denn ein 416i vorstellbar?

Doch so wie der 4er heute aussieht, ist ein 416i, ein 416d oder 418d schwer vorstellbar. Möglicherweise kann man sich auf den 420d mit 184 PS als Basismodell einigen, vielleicht auch auf einen 420d Efficient Dynamics mit 163 PS und zusätzlicher Spartechnik an Bord.

Doch solche detaillierten Technikinformationen sind heute nicht zu erhalten. Auch Probesitzen ist noch nicht erlaubt, und es bleibt zudem die Frage unbeantwortet, ob die zwei sehr schön ausgeformten Einzelsitze hinten in Serie gehen oder es doch nur eine profane (und im Coupé stets zu enge) Dreierbank gibt.

Cabrio und Gran Coupé könnten folgen

Erste Erlkönigfotos vom 4er Cabriolet sind dagegen schon aufgetaucht, und denkbar wäre wohl auch ein 4er Gran Coupé mit vier Türen, wobei das noch Spekulation ist. Allerdings: Wenn der Mercedes CLA (ab Frühjahr 2013) reüssiert, wäre der Beweis erbracht, dass man auch in kleineren Klassen viertürige Coupés verkaufen kann.

In seinem 38. Dienstjahr jedenfalls wird der 3er einen Teil seiner Erfolgsbasis abgeben, langfristig wird BMWs meistverkaufte Baureihe nur noch als Limousine und Kombi angeboten.

Warten auf 2er und 8er

BMW macht mit dieser Neuordnung auch einen weiteren Weg frei: Coupé und Cabrio vom 1er könnten nach dem nächsten Modellwechsel als 2er neu erscheinen. Fehlt nur noch, dass der 8er zurückkommt.

"Welt"-Reporter Stefan Anker twittert regelmäßig spontane Auto-News und Beobachtungen aus dem Test-Alltag. Folgen Sie ihm unter http://twitter.com/StefanAnker.

Die Reise zur Präsentation des Concept 4er Coupé wurde unterstützt von BMW. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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