04.12.12

Neuer CLA

Der heiße Ritt mit dem Mercedes-Erlkönig

2013 stellt Mercedes seiner A-Klasse den CLA zur Seite, das erste viertürige Coupé der Kompaktklasse. Die Berliner Morgenpost konnte ein getarntes Exemplar ausprobieren und lernte dabei auch neue Technik kennen.

Foto: Daimler

Die unruhige Schwarzweiß-Beklebung des Vorserien-CLA verhindert einen detaillierten Blick auf die Formen des Autos, trotzdem kann man erkennen, ...

8 Bilder

Man sieht alles und doch nichts. Der Mercedes CLA, dem ich mich auf dem Trainingsgelände des österreichischen Auto- und Motorrad-Clubs (ÖAMTC) nahe Innsbruck nähere, ist in seiner Grundform klar erkennbar, und er weicht praktisch nicht von der Designstudie ab, die Mercedes im April gezeigt hat.

Doch eine sehr unruhige, schwarz-weiß gemusterte Klebefolie lässt die Gestalt dieses neuen Autos im Ungefähren verschwinden. Im März/April 2013 erst kommt der CLA auf den Markt, und das Vorserienmodell soll noch nicht dort betrachtet werden, wo es momentan unterwegs ist: auf der Straße oder besser auf der Teststrecke.

Die Marktnischen werden immer kleiner

Der CLA ist eine besonders noble Version der A-Klasse, inspiriert vom Erfolg des viertürigen Oberklasse-Coupés CLS. Weniger kompliziert kann man es kaum sagen, die Marktnischen, von denen sich die Hersteller Erfolg versprechen, werden halt immer kleiner.

Wie die 4,29 Meter lange A-Klasse ist der CLA (4,63 Meter) auf der aktuellen Frontantriebs-Architektur von Mercedes entstanden. Hier in Tirol ist der beklebte Wagen jedoch mit Allradantrieb ausgestattet, und diese besondere Form der 4Matic (so heißt Allrad bei Mercedes) ist so neu wie das ganze Auto.

Probefahrt mit abgeschaltetem ESP

Bevor ich mir die Wirkungsweise erklären lasse, steige ich erst einmal ein. Zwar nur auf der Beifahrerseite, aber immerhin. Wim, ein freundlicher Holländer aus dem Team für Mercedes-Fahrerlehrgänge, erklärt mir kurz, dass es sich hier um das Modell CLA 250 Sport handelt (211 PS), dann schaltet er das ESP-System aus. "Dann merken wir besser, was los ist."

Wir sausen über eine gewässerte Kreisbahn, verlieren nur kurz die Haftung, dann eine scharfe Rechts-Links-Kombination auf trockenem Untergrund, die das Auto kurz abheben lässt. Als es sich wieder fängt, geht es bergan, aber auf einer Gleitfläche, die etwa so viel Grip bietet wie Schnee.

Mit hohem Tempo in die Spitzkehre

Wim dreht am Lenkrad, lässt das Heck ausbrechen (Fachbegriff: übersteuern) und fängt das CLA-Vorserienmodell dann elegant wieder ein, um dieselbe Übung in die andere Richtung zu wiederholen.

Am Ende wieder Asphalt, geradeaus geht es weiter, aber nur kurz. Mit hohem Tempo sticht Wim in eine Spitzkehre. Ich spüre, wie das Auto beim Bremsen untersteuern will (also den eingeschlagenen Lenkrädern nicht folgen, sondern den Radius größer machen), doch da hat schon eine unsichtbare Macht die Motorkraft von vorn nach hinten verschoben, das Auto wird ruhiger, wir kommen am Scheitelpunkt an, Wim gibt Gas, hinten schwänzelt der Wagen leicht, um dann mit guter Traktion aus der Kurve heraus zu beschleunigen.

Die 4Matic arbeitet schnell und feinfühlig

Auf etwa 200 Metern trockenem Asphalt macht Wim den Wagen schnell und nimmt am Ende eine etwas weitere, ebenfalls trockene Rechtskurve fast ohne Anbremsen. Die Reifen quietschen, das Auto aber bleibt stabil, wird in die folgende enge Linkskurve geworfen und erreicht leicht übersteuernd wieder die gewässerte Kreisbahn.

Sagen wir es so: Mit einem sehr guten Fahrer kann man auch in einem mittelmäßigen Auto erhebende Erlebnisse als Kopilot haben. Doch bin ich zu oft in Sport-, Renn- und Versuchswagen mitgefahren, um nicht zu erkennen, dass die neue 4Matic schnell und eher feinfühlig arbeitet.

ESP leitet alle Informationen weiter

Das liegt unter anderem daran, dass das ESP zwar abgeschaltet ist und nur im äußersten Notfall einzelne Räder abbremst, aber trotzdem Informationen über Lenkwinkel, Stellung des Autos und Drehzahlunterschiede der Räder weitergibt.

So kann die Kraft über eine elektrohydraulische Lamellenkupplung variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt werden. Im Normalfall wird der CLA 4Matic als reiner Fronttriebler fahren, was auch für die Top-Variante CLA 45 AMG (350 PS) gilt. Auch in der B-Klasse wird es eine 4Matic-Variante geben. Wird hinten mehr Traktion gebraucht, etwa beim forschen Anfahren oder auch in schnellen Kurven, so schließt die Lamellenkupplung so weit, wie es nötig ist, und dann ist die Kraftverteilung eben nicht mehr 100 zu 0, sondern vielleicht 73 zu 27 oder auch 50 zu 50.

Das ist der Bereich, in dem sich das Auto in den meisten Situationen bewegen wird, doch theoretisch lässt sich das Grundverhältnis von 100 zu 0 auch umkehren. "Wenn die Vorderräder auf Eis komplett durchdrehen würden, und die Hinterräder auf Asphalt stehen, dann geht auch 0 zu 100", sagt Baureihenleiter Rüdiger Rutz, Leiter Gesamtfahrzeugversuch Kompaktklasse.

"Der Antrieb macht die Fahrt rund"

Er schwärmt vom Allradantrieb, weil der dem Fahrer mehr Möglichkeiten gibt, das Auto aktiv zu bewegen. Kommt man etwa mit einem Heckantrieb ins Übersteuern, so schleudert das Auto gewöhnlich sehr viel schneller herum, als es ein Allradmodell macht.

Und da es zunächst mit Kraftverteilung die Situation entschärfen kann, muss das Hilfssystem ESP, das einzelne Räder unabhängig voneinander abbremst, nicht so früh eingreifen; die Fahrt ist kontrollierter und angenehmer. Oder wie Rutz es sagt: "Der Antrieb macht die Fahrt schön rund, der Bremseingriff macht sie ruckelig."

Die Allradkomponenten wiegen nur 70 Kilo

Nun ist Mercedes nicht der Erfinder des Allradantriebes, nahezu alle Hersteller haben vergleichbare Systeme im Programm, die meisten in der so genannten Hang-on-Technik: Die zweite Achse ist nicht permanent aktiv, sondern wird nur bei Bedarf mit ins Boot holt.

Die serienmäßige Kombination mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, und das mit 70 Kilogramm recht leichte Zusatzgewicht machen die neue 4Matic allerdings zu einer interessanten Variante im Vergleich zu quattro (Audi), 4Motion (VW) oder xDrive (BMW).

Wen das allerdings weniger bewegt, weil er entweder nicht in schneereichen Gebieten wohnt oder seinen Fahrspaß aus einer ruhigeren Gangart bezieht, der bekommt den CLA natürlich auch in zivileren Versionen, mit weniger Leistung und reinem Frontantrieb. Das macht die Sache auch preiswerter. Was der CLA allerdings genau kostet, wird noch nicht verraten. Man kann ihn ja noch nicht einmal richtig sehen.

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Die Reise zur Tesfahrt des CLA wurde unterstützt von Daimler. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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