02.12.12

Cabriolet

In 9,5 Sekunden ist beim VW Beetle das Dach weg

Wer VW Beetle Cabriolet fährt, den umweht immer auch ein Stück Auto-Geschichte. Doch retro ist der Wagen nicht, schon gar nicht mit 200 PS und einer Fahrwerksabstimmung von Hans-Joachim Stuck.

Foto: Volkswagen

Das VW Beetle Cabriolet feiert derzeit Weltpremiere bei der Los Angeles Auto Show.

13 Bilder

Das ist also das Gefühl im Käfer Cabrio: Es dröhnt und rasselt der Boxermotor im Heck, die Karosse schüttelt sich im Takt der Zündungen, aus den Benzinleitungen weht dieser unverwechselbare Duft herüber, und den Rückspiegel füllt das Verdeck aus, das zusammengefaltet auf dem Heck liegt.

Zeitreise am Strand von Malibu (da, wo "Baywatch" gedreht wurde): Die kurze Ausfahrt mit einem offenen VW 1303 LS, der 50 PS starken, 1972 bis 1980 gebauten letzten Spielart eines deutschen Klassikers, verdeutlicht schnell, was man heute an Autos hat – mehr Präzision, Qualität und Leistung.

Das "New" steht jetzt für alt

Und trotzdem gibt es beim neuen Beetle Cabrio einen klaren Bezug zur Vergangenheit. Denn auch hier liegt das geöffnete Verdeck auf der hinteren Karosseriekante. Längst nicht so hoch wie beim Original und auch flacher als beim direkten Vorgänger, dem New Beetle Cabriolet.

Aber betrachtet man das neue Auto (nun ohne "New" im Namen) von der Seite, ragt die zusammengeklappte Konstruktion keck ein Stück nach hinten, sie lässt sich einfach nicht ganz im Verdeckkasten versenken.

Das Eckige geht nicht ins Runde

Designchef Klaus Bischoff nimmt Zettel und Stift und skizziert die Draufsicht des Autos. Rundlich schließt es unter der hinteren Fensterkante ab, das ist nun mal der Käfer-Style. Das vordere Ende des Verdecks aber, das zuletzt in die Ablage hinter den Sitzen muss, ist eckig.

"Hier müsste also das Eckige ins Runde, und das geht nicht." Hätte irgendwer für dieses Problem doch eine Lösung gefunden, Bischoff hätte nicht groß gekämpft um den charakteristischen Verdeckbürzel. "Das wäre für mich ein verzichtbares Stilelement gewesen."

Komfort ist heute das Leitmotiv

Um keinen Preis retro sein, so ist das bei VW. Dennoch darf man im offenen Beetle ruhig schwelgen von der guten alten Autozeit (als die Straßen noch freier waren), und dafür ist es nett, wenn das Verdeck sichtbar bleibt und auch im Rückspiegel seinen Platz einnimmt.

Sanft säuselt der Fahrtwind um die Windschutzscheibe, wer das Windschott (325 Euro) aufstellt, kann die Fahrt sogar mit frisch frisierten Haaren überstehen. Heute ist nicht unbedingt Offenheit das Leitmotiv in der Cabrio-Entwicklung, sondern Komfort.

Dach kommt während der Fahrt weg

So darf man es auch getrost unterlassen, die Persenning übers geöffnete Verdeck zu knöpfen, weil kein offenes Verdeckgestänge gefährlich nach oben ragt.

Wenn also das Novemberwetter so ist, wie es in Malibu Beach eben ist, nämlich sonnig und mit 18 Grad nicht wirklich kalt, drückt man den Knopf und staunt. Nicht, dass noch nie jemand ein elektrisch öffnendes Cabriodach gesehen hätte. Aber 9,5 Sekunden, und das bis Tempo 50 während der Fahrt – alle Achtung.

Preise ab 21.350 Euro

Schon beim Grundmodell, dem TSI mit 105 PS für 21.350 Euro, ist die elektrische Bedienung serienmäßig, genau wie die Persenning, die den Wagen zwar verschönert, aber ihn eines Vorzugs beraubt: Setzt Regen ein, lässt sich das Verdeck nicht mehr lässig im Rollen schießen, wenn die Abdeckung montiert ist.

Aber nach Regen sieht es jetzt nicht aus, und die 105-PS-Version hat VW auch zu Hause gelassen. Dies ist eine amerikanische Veranstaltung, und da gibt es nur die amerikanischen Modelle: den Zweiliter-Turbodiesel (hört, hört!) mit 140 PS, den Zweiliter-Turbobenziner mit 200 PS und einen Motor, den in Deutschland zu Recht keiner kennt, aber dazu später.

Fahrerlebnis Latigo Canyon Road

Die 200-PS-Variante braucht man nicht unbedingt für den Pacific Coast Highway, der von Santa Monica über Malibu hinaus nordwärts führt. Aber es gibt in den USA auch kurvige, sehr kurvige Landstraßen dritter Ordnung.

Eine von ihnen ist die Latigo Canyon Road vom Highway aus ins Landesinnere: eng, nicht überall eben, steil auf und ab. 15, 25, maximal 35 Meilen pro Stunde erlauben die Verkehrsschilder – aber man muss doch testen können, wie das von Rennfahrer Hans-Joachim Stuck abgestimmte Fahrwerk funktioniert.

Leichtes Busfahrer-Gefühl beim Lenken

Trotz Sport-Attitüde hält der offene Beetle mehr als genug Fahrkomfort bereit. "Das musste sein", sagt Stuck, "das ist schließlich ein Cabrio." Die werden eigentlich gar nicht so rasant bewegt, aber im 200-PS-Beetle könnte man es versuchen, ohne sich und das Auto zu blamieren.

Mit leichtem Reifenquietschen, aber sonst erfreulich spurstabil zieht der offene VW ums Eck, nur die Sechsgangschaltung ist beim raschen Wechsel vom dritten in den zweiten Gang etwas unwillig. Zudem stört das schräg stehende Lenkrad: Wechseln die Kurven in schneller Folge, bekommt man ein leichtes Busfahrer-Gefühl, als müsse man zu weit ausholen.

Gas Guzzlers an jeder Ecke

Zurück am Strand von Malibu kann man Delfine im Wasser entdecken und eine Schar Frauen, die im Sand liegen und sich an Gymnastikbällen abarbeiten. Die Trainerin wird ihre Gerätschaften am Ende der Übungen in einen Hummer-Geländewagen verstauen.

Solche Gas Guzzlers (Sprit-Gurgler) sieht man hier weiterhin an jeder Ecke, trotz knapp vier Dollar pro Gallone (3,8 Liter) Super bleifrei. 70 Prozent der amerikanischen Beetle-Kunden kaufen bislang das 2,5-Liter-Modell mit fünf Zylindern ohne Turbo, mit 170 PS, Sechsgangautomatik und wenig ruhmreichen Verbrauchswerten.

Cabrio-Aufpreis: 4200 Euro

Alteisen aus deutscher Sicht, aber so motorisiert kostet der Wagen nur 24.995 Dollar; Diesel oder Turbo sind knapp 3000 Dollar teurer.

In Deutschland wird der offene Beetle ab Februar 2013 zu haben sein, für jeweils 4200 Euro mehr als die geschlossene Version. Der TDI ist ab 26.100, der 200-PS-Turbo ab 29.400 Euro zu haben – lieber nicht in Dollar umrechnen.

Interesse an spontanen Auto-News und Beobachtungen aus dem Test-Alltag? Dann folgen Sie Berliner Morgenpost-Reporter Stefan Anker auf Twitter: http://twitter.com/StefanAnker.

Die Reise zur Präsentation des Beetle Cabriolet wurde unterstützt von Volkswagen . Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
09:05Lohnverhandlungen
Einigung im Tarifstreit bei den BVG - Streikgefahr abgewendet

Am frühen Mittwochvormittag gab es einen Kompromiss in den festgefahrenen Tarifverhandlungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Damit sind mögliche Streiks im öffentlichen Verkehr nun abgewendet. mehr...

Rechtsanspruch: Bis 2017 müssen insgesamt 11.000 Betreuungsplätze geschaffen werden
09:47Erfolgloses Konzept
"Ein-Euro"-Kitas werden wieder abgeschafft

Viele Berliner Kitas müssen dringend saniert werden, den Bezirken fehlt jedoch das Geld. Das zur Lösung des Problems geplante Ein-Euro-Programm wird nun beendet - der Senat hält es für gescheitert. mehr...

Die Wohnung des Rap-Musikers Bushido  wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft durchsucht
21.05.13Rap-Musiker
Verdacht auf Steuerstraftat - Bushidos Privathaus durchsucht

Rapper Bushido sorgt immer wieder für Aufsehen. Jetzt steht er unter Verdacht, eine Steuerstraftat begangen zu haben. Seine Wohnräume wurden aufgrund dessen durchsucht. mehr...

Gefährlicher Zwischenfall am U-Bahnhof Kurfürstendamm: Zwei Schläger flüchteten nach einer Prügelattacke auf einen Passanten in den Tunnel der U-Bahn
10:34Gewalt
Schläger flüchten vor Polizei in U-Bahn-Tunnel

Nachdem drei Schläger einen Mann auf dem Berliner U-Bahnhof Kurfürstendamm überfallen hatten, flüchteten zwei der Täter in den Schacht der U-Bahn-Linie 9. Ein 19-Jähriger wurde festgenommen. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
Iran Rafsandschani darf bei Wahl nicht antreten
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote