26.11.12

Testserie "Autoquartett"

Panamera Turbo S - mehr Porsche geht nicht

Eigenheim, Urlaub, Konzertkarten - warum nicht mal ein Auto schenken? Für Menschen, die auf der Suche nach Exklusivem sind, ist die Topversion des Familien-Porsche genau das Richtige.

Von Stefan Anker
Foto: Porsche

Porsche hat den Panamera als Familienwagen konzipiert. Trotzdem bringt schon die Basisversion genug Sportwagengefühl mit sich.

8 Bilder

In Stufen arbeitet sich der Mensch nach oben oder wenigstens voran, das ist seine Natur. Nicht alle kommen ganz an die Spitze, aber in Deutschland stehen die Chancen gut, es zu Wohlstand zu bringen. Eigenheim, zwei Autos, die Kinder studieren, trotzdem zwei Urlaubsreisen pro Jahr. Dazu ein Hobby und gelegentlich ein neues Kleidungsstück, ein Buch, Konzertkarten. Ist es nicht schrecklich?

Der Wohlstand hat eine Kehrseite, und sie tritt in der Adventszeit zutage. Wenn andere nicht wissen, was sie denen, die schon alles haben, schenken sollen. Zwar verkennen die Verzweifelten, dass es beim Weihnachtsgeschenk nicht um Mehrung des Wohlstandes geht, sondern um ein Zeichen der Zuneigung und des Verstehens, trotzdem kann die Sache sich zum Problem auswachsen. Das aber leicht zu lösen ist: Dem, der schon alles hat, schenkt man das, was er hat. Nur in einer verbesserten Version.

Basisversion mit 300 PS

Große Porsche-Limousinen werden gewöhnlich nicht an Heiligabend übereignet, aber der psychologische Mechanismus der Leistungsabstufung hat etwas zu tun mit dem, was hinter einem Geschenk für Wohlständige steckt. Sicher kann man den Besitzer eines Porsche Panamera als jemanden bezeichnen, der schon alles hat, selbst wenn er sich mit der 300 PS starken Basisversion dieser Sportlimousine begnügt. Aber lassen wir ihn nur einmal mit dem 400-PS-Modell fahren, den Wechsel vom V6 auf einen V8 erleben, seine Augen werden leuchten wie die eines überraschend beschenkten Kindes.

Das ist nicht übertrieben, denn Porsche-Fahrer gehören zu den Menschen, denen ihr Auto nicht egal ist. Mithin wissen sie um den Unterschied zwischen V6 und V8, und sie können auch den Saugmotor vom Turbo unterscheiden. So erreichen sie beim Panamera die nächste Bewusstseinsstufe, dann mit 500 PS.

Und hier könnte die Geschichte an ihr Ende gelangen, wenn denn der Mensch nicht so wäre, wie er eben ist, nach oben strebend. Porsche Panamera Turbo S, so heißt derzeit in Zuffenhausen das Angebot für die, die wirklich schon alles haben. Ein rollender, ach was: ein rasender Wunsch nach einem Leben an der Spitze, eine in acht Zylindern erzeugte, von zwei Turboladern verstärkte und von vier Auspuffrohren hinausposaunte Forderung: Mehr, mehr, mehr!

Das teuerste Modell

Man muss das ja nicht gutheißen. Man ist selbst vielleicht etwas bescheidener. Und man fragt sich, ob es sich lohnt, auf 500 PS noch einmal 50 draufzulegen, nur um mit 306 statt 303 km/h über die Autobahn sausen zu können oder den Spurt von null auf Tempo 100 in 3,8 statt 4,2 Sekunden zu erleben

Wie so oft geht es aber nicht darum, dies wirklich zu tun, sondern es tun zu können, wenn es sein müsste. Es ist eine Spielart des Geländewagen-Phänomens, und gleichzeitig gibt der Panamera Turbo S seinem Besitzer auch das Gefühl: Mehr Porsche geht nicht. Mit 168.987 Euro ist er das teuerste derzeit angebotene Modell, der noch kommende Cayenne Turbo S wird nicht teurer werden, nur einige Rennwagen-ähnliche Spielarten des 911 und natürlich der Hybrid-Renner 918 Spyder mit seinen 795 PS werden ihn künftig übertreffen.

Auf der Autobahn zählt der Panamera zu den Königen, weil sein Gesicht so typisch Porsche ist, dass alle, die auch links fahren, ohne Murren nach rechts herüberziehen. Das passiert schon im 300-PS-Panamera, doch muss man den V6 dann arg treten, um in standesgemäßem Tempo das zuvor genossene Überholprestige zu rechtfertigen.

Perfekte Balance in Kurven

Der V8 mit 400 PS zieht da schon sehr viel souveräner am langsameren Verkehr vorbei, und im Turbo S ist es wie Beamen. Ein leichter Tritt aufs Pedal, und der Porsche verwandelt sich in ein fauchendes Ungetüm.

Fast wie ein ICE zieht er seine Bahn, so dominant und auf seine Art auch so gefährlich. Denn nach dem Überholen mag der Fahrer gar nicht mehr ruhiger werden, er lässt den Wagen laufen, genießt dessen perfekte Balance in lang gezogenen Kurven und bemerkt erst an den schmallippigen Kommentaren vom Beifahrersitz, dass er die 250er-Marke nun überschritten hat.

Als Familienlimousine mit Beinfreiheit und Kofferraum (445-1263 Liter) hat Porsche den Panamera konzipiert, doch sind ihm trotz seines enormen Gewichts von gut zwei Tonnen noch genug Sportwagen-Gene erhalten geblieben, um sich auch mal ganz allein mit ihm auseinanderzusetzen. Im Turbo S treffen 750 Newtonmeter Drehmoment auf einen serienmäßigen Allradantrieb, auf 20 Zoll große Räder und eine aktive Wankstabilisierung.

Besser muss nicht teurer heißen

Übersetzt auf das Fahrerlebnis Landstraße bedeutet das: Der beinahe fünf Meter lange Wagen wirft sich beherzt in jede Kurve, neigt sich dabei praktisch nicht zur Seite und bietet beim Herausbeschleunigen eine Traktion, die ihresgleichen sucht. Wahrscheinlich zahlt man den Preis dafür später beim Reifenhändler, aber das ist in einer kurzen Testzeit nicht seriös zu ermitteln.

Für eine Spritztour mit Panamera-Neulingen ist die Autobahn eher zu empfehlen. Dann sind sie angemessen angetan von der einzigartigen Kombination aus Komfort und Kraft. Das Auto ist in der Lage, auch diejenigen zu faszinieren, die nicht schon alles haben. Womit wir beim Ursprung des Problems wären: Was schenken, wenn die verbesserte Version des Bestehenden finanziell ein Problem ist?

Besser muss ja nicht teurer heißen. Es kann auch exklusiver sein, und da kommen die Selbstbastler ins Spiel. Warum soll sich ein Porschefahrer am Heiligen Abend denn nicht über einen Lebkuchen-Panamera freuen? Mit Turbo-S-Schriftzug aus Zuckerguss.

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Co-Kommentar
  • Wenn wir Autoquartett spielen,

    dann fahren die drei Autoredakteure und ein Gast aus der Welt-Redaktion den jeweiligen Wagen. Hier steht, was die Co-Kommentatoren über den Porsche Panamera Turbo S denken:

  • Als das Kind noch Kind war,

    endete die Tachoanzeige seines Bonanza-Rads bei unerreichten 70 km/h. Der Bananensattel war hochgezogen, die Bierdeckel ratterten zwischen den Speichen. Ich war Herrscher freien Straße. Einen satteren Sound gibt es heute im Porsche auf Knopfdruck. Türöffner wie Skulpturen, endlose Schalterreihen und nach hinten völlig unübersichtlich. Aber welche Kraft! Als ich im Panamera wieder Kind wurde, waren die freien Straßen zum Herrschen nicht frei genug, so blieb auch diesmal das Ende des Tachos von 350 km/h unerreicht. Leif Schindel, Artdirektion, privat: Volvo XC90

  • Der Panamera ist für mich

    nach dem bulligen Geländewagen Cayenne der zweite Stilbruch der Marke. Mit dem viersitzigen Porsche, der mit einer Gesamtlänge von 4,97 Metern der längste Porsche aller Zeiten ist, wird das Image der Sportwagenmarke immer weiter verwässert. Zumindest optisch. Was bitte kommt als Nächstes? Ein sportlicher Edel-Van? Bitte nicht! Bleibt doch einfach bei dem, was ihr könnt: richtig gute Sportwagen bauen. Denise Juchem, Motorredaktion

  • Ich glaube, dass Porsche den

    nicht wirklich als Familienauto etablieren will, erst recht nicht die S-Variante mit einem Plus von 50 PS. Aber am Sonnenschutz können sich die Hersteller von klapprigen Rollos oder albernen Diddelmaus-Sonnenblenden, hinter denen man eher gegrillt als geschützt wird, ein Beispiel nehmen. Der Panamera hat ihn vornehm unterhalb der Rückfenster eingelassen. Ein kurzer Fingertipp genügt. Per Knopfdruck an der Mittelkonsole lässt sich zusätzlich die Heckscheibe verdunkeln. Nie reiste eine Familie entspannter. Robert Dunker, Motorredaktion

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