24.11.12

Kolumne "Autonom"

Werde ich mir je einen Rolls-Royce leisten können?

Angucken ist erlaubt, anfassen schon weniger, und kaufen ist unmöglich – die Eröffnung eines neuen Rolls-Royce-Händlers macht dem gewöhnlichen Autofan klar, wo seine Grenzen liegen.

Von Stefan Anker
Foto: M. Lengemann
Ja
Der Berliner BMW-Händler Kurt Schnauck eröffnet am 24. November 2012 offiziell seinen Rolls-Royce-Showroom. Damit gibt es in Deutschland vier Orte, an denen man den abgebildeten Rolls-Royce Ghost und das noch größere Modell Phantom kaufen kann: Neben Berlin sind das Dresden, Köln und München

Ich trage heute einen Anzug, und eine Krawatte habe ich mir auch eingesteckt. Nicht weil ich ausnahmsweise mal am Samstag im Büro bin, sondern weil ich später noch zur Eröffnung des neuen Berliner Rolls-Royce-Händlers gehe.

Da sind ungefähr 30 Journalisten akkreditiert, und wie ich die Meute kenne, kommen da auch einige in Jeans. Kann man machen, aber ich finde, ein Termin bei Rolls-Royce ist vergleichbar mit einem Besuch in der Oper, auch was die Kleiderordnung angeht.

30 Millionen Dollar auf dem Konto

Wer weiß, vielleicht will ich unbewusst so wirken, als könnte ich mir einen Rolls-Royce leisten. Aber möglicherweise hätte mein Anzug dann nicht von der Stange sein sollen, sondern maßgeschneidert. Jedenfalls sehe ich nur aus wie ein Mann im Anzug, nicht wie einer mit Geld.

Es ist übrigens ziemlich genau ermittelt, was für Leute das sind, die sich einen Rolls-Royce kaufen. Sie heißen Ultra High Networth Individuals (UHNWI), und so bezeichnet man Menschen, die 30 Millionen Dollar flüssig haben (also nicht in Firmen investiert, sondern wirklich auf dem Konto) – oder über ein Nettoeinkommen von 20 Millionen Dollar im Jahr verfügen.

Wenn der Autokauf nicht weh tut

Allzu viele UHNWIs gibt es nicht auf der Welt, aber es sind doch mehr, als man denkt, nämlich etwa 100.000. Ob sie beim Kauf eines Rolls-Royce Glück und Befriedigung empfinden, weiß ich nicht, aber was ich weiß: Sie empfinden keinen besonderen Schmerz über die Geldausgabe.

Denn wenn man 20 Millionen Dollar, umgerechnet gut 15 Millionen Euro (netto!) im Jahr verdient und sich einen Rolls-Royce Phantom für 407.123 Euro kauft, dann ist das etwa so, als hätte man ein Netto-Jahresgehalt von 30.000 Euro und kaufte sich eine anständige Digtalkamera für gut 800 Euro.

Inkognito zum Händler

Keine Kleinigkeit, gewiss, aber es bringt einen nicht um. Der Unterschied zwischen normalen Menschen wie mir und den UHNWIs dieser Welt: Sie haben im Schnitt acht, neun Autos (jedenfalls bei Rolls-Royce-Eignern ist es so), ich habe aber nur eine Kamera.

Ich besitze im übrigen auch nur zwei Anzüge, aber ich spare derzeit wenigstens auf den dritten. Ja, ich muss sparen, denn der nächste Anzug soll tatsächlich maßgeschneidert sein. Und wenn ich ihn habe, gehe ich damit vielleicht noch einmal zu Rolls-Royce, inkognito gewissermaßen.

Sollte ich dann von dem Verkäufer freundlich angesprochen werden , ob ich mich nur umsehen wolle, oder ob er mir etwas zeigen könne, dann weiß ich nicht nur, dass mein Schneider gut war. Sondern dass ich auf dem Weg zum UHNWI den ersten Schritt getan habe.

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Quelle: DWTV
21.11.2012 6:47 min.
Die ersten beiden Serien des Bentley T wurden parallel zum Rolls Royce Silver Shadow 1 gebaut, von 1965 bis 1980. Die zweite Auflage des handgefertigten V8-Motors hatte 6,8 Liter Hubraum und 223 PS.
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