23.11.12

Luxuslimousine

Lexus LS – Exotische Wellness-Oase auf vier Rädern

In Deutschland kaum nachgefragt, aber trotzdem schön und gut. Die Toyota-Schwester nimmt mit ihrem Premiummodell LS den Kampf gegen den BMW 7er, Audi A8 und die S-Klasse von Mercedes-S-Klasse auf.

Foto: Lexus

Lexus hat sein Flaggschiff LS überarbeitet. Die Oberklasselimousine mit den Modellen LS 600h (h wie Hybrid)...

8 Bilder

Der BMW 7er gerade gründlich überarbeitet, der Audi A8 kurz vor dem großen Facelift und die nächste Generation der Mercedes S-Klasse schon in den Startlöchern: Da will auch Lexus nicht hinten anstehen und frischt noch einmal sein Flaggschiff LS auf. Zwar ist der Luxusliner der noblen Toyota-Schwester schon seit 2006 auf dem Markt, und die erste Modellpflege hat er bereits hinter sich. Doch jetzt haben die Japaner 3000 Details entdeckt, die sie verbessern konnten und feiern deshalb am 2. Februar noch einmal Premiere.

Von außen erkennt man dem LS vor allem an seiner neuen Kühlermaske, die irgendein Held aus dem Marketing mal zum "Diablo-Grill" gemacht hat. Die sieht tatsächlich zackiger aus als früher und wird flankiert von Scheinwerfern mit LED-Technik, die genau wie die Rücklichter Leuchtstäbe in "L"-Form zieren.

Direktere Lenkung, spontanere Gasannahme

Aber das alles ist nur Kosmetik. Genau wie die neue Ausstattungslinie "F-Sport", die zwar mit ihren dunkleren Anbauteilen noch selbstbewusster und fordernder auftritt. Aber von deren etwas sportlicher abgestimmtem Fahrwerk mit einem Zentimeter weniger weniger Bodenfreiheit, der direkteren Lenkung und der spontaneren Gasannahme merkt man kaum etwas.

Müsste man nicht vorher zu einem Drehregler greifen und würde danach nicht die Cockpitbeleuchtung in ein feuriges Rot wechseln – man bekäme wahrscheinlich gar nichts vom neuen Charakter mit. Selbst in der Komfortstellung ist jeder Siebener BMW dynamischer als der Lexus im Sport-Modus.

Aber das ist beim Lexus eigentlich auch gar nicht wichtig. Natürlich sind die Ingenieure stolz wie Bolle auf den seidigen Achtzylinder mit wahlweise 388 PS und Heck- oder 370 PS und Allradantrieb. Und mehr noch schwärmen sie vom zusammen 445 PS starken Hybrid-Modell, den ein fünf Liter großer V8-Benziner mit elektrischer Unterstützung und zusammen 650 Nm in nur 6,1 Sekunden auf Tempo 100 wuchtet.

So leise und so viel Luxus

Schließlich ist der Verbrenner jetzt noch etwas stärker. Und der immerhin 2,3 Tonnen schwere Teilzeitstromer arbeitet jetzt noch harmonischer und sein Verbrauch sinkt auf 8,6 Liter, was einem respektablen CO 2 -Ausstoß von 199 g/km entspricht.

Doch was den Japaner wirklich auszeichnet, ist sein Wohlfühlfaktor. Keine andere Luxuslimousine ist so leise wie der Lexus, kaum eine bietet so edle Unterhaltungselektronik mit einem derart großen Bildschirm in der Mittelkonsole und keine ist so detailverliebt. Nicht umsonst lassen sich die Japaner zum Beispiel geschlagene 38 Arbeitstage Zeit, bis in 67 Schritten aus verschiedenfarbigen Furnieren ein neues Holzlenkrad entsteht.

Zur Modellpflege haben sie in dieser Disziplin noch einmal kräftig nachgelegt: Beim Einsteigen gibt es jetzt Lichtspiele, die an den Sonnenaufgang vor Hawaii erinnern. Ein Klima-Concierge stimmt nun für jeden Passagier automatisch und individuell die Temperatur von Luft und Lederpolstern und beim Fahrer auch des Lenkrads ab. Und im Fond gibt es auf Wunsch Einzelsessel mit ausfahrbarer Fußstütze und eine variablen Massagefunktion. Kein Wunder, dass man in diesem Auto lieber hinten rechts als vorne links Platz nimmt.

Bescheidene Ziele auf dem deutschen Markt

In Europa ist der LS ein exklusiver Exot. Selbst wenn die Pläne der Japaner aufgehen und sie ihre Verkäufe mit dem Generationswechsel tatsächlich vervierfachen können, kommt das Flaggschiff im nächsten Jahr auf weniger als 1500 Zulassungen. Und in Deutschland ist die Toyota-Schwester schon froh, wenn sie 2013 eine dreistellige Anzahl an Autos verkaufen. Aber man müsse den Blick nur ein wenig weiter schweifen lassen, um den Erfolg von Lexus wahrzuhaben, sagt Projektmanager Satoru Osaku und lenkt die Aufmerksamkeit zum Beispiel auf Amerika, wo man den LS auf Augenhöhe mit S-Klasse oder Siebener sehe.

Und auch ein Blick in die Vergangenheit mag helfen. Denn seit vor 23 Jahren und vier Generationen mit eben dem LS seinen Einstand in der Luxusliga gegeben hat, wurden immerhin 730.000 Exemplare der Limousine verkauft. Wer das weiß, der versteht, weshalb die Japaner so stolz auf ihr Top-Modell sind – und weshalb sie jetzt noch einmal so kräftig investiert haben.

Zwar sieht der LS auf den ersten Blick tatsächlich frischer aus, die Motoren sind noch einmal sparsamer geworden und die Wohlfühlatmosphäre ist unbeschreiblich. Doch weiß Lexus um seine geringen Chancen auf dem deutschen Markt und hält sich bei der Preisgestaltung deshalb dezent zurück. Mit einem Grundpreis von 92.800 Euro kostet der neue LS deshalb fast genauso viel wie der alte.

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