25.11.12

Daimler-Studie

Großes Kino unterm kleinen Smart-Sternenhimmel

Der Forstars ist ein Tribut an das digitale Zeitalter. Der Wagen steckt voller verrückter Ideen, darunter ein Beamer, der Filme an die Wand werfen kann. Ist das die Zukunft oder nur eine Spielerei?

Von Jürgen Zöllter
Foto: Daimler AG; press department

So stellt sich Smart die Zukunft des Stadtverkehrs vor. Ein kleiner Wagen mit Elektromotor soll für die junge Generation attraktiv sein.

16 Bilder

Das neueste Smartphone oder Laptop zu besitzen ist vielen Jugendlichen wichtiger, als ein eigenes Auto zu fahren. Das haben Trendforscher in Shanghai und die Analysten der Beratungsgesellschaft Arthur D. Little in neuen Studien übereinstimmend festgestellt. Allein die Zahl junger deutscher Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren, die einen Wagen kaufen, werde im Zeitraum 2005 bis 2015 um 35 Prozent sinken.

Die Strahlkraft des eigenen Fahrzeugs als Symbol für Status und Freiheit hat dramatisch nachgelassen. Ihre Unabhängigkeit lebt die Generation Smartphone weniger auf Asphaltstraßen aus als vielmehr auf Datenautobahnen. Diejenigen, die auf einen Pkw dennoch nicht verzichten wollen, haben erkannt, dass auch im innerstädtischen Stau gechattet und gesurft werden kann: mit dem Handy oder dem Bordsystem des Autos.

Wohl kaum ein anderer Hersteller hat diesen Gedanken so konsequent in Blech gegossen wie Smart mit dem Forstars. Der Vorgriff auf den neuen Smart Forfour wurde für den Individualverkehr in Metropolen mit einem Elektroantrieb ausgestattet und hält kleine Ausstattungsmerkmale vor, die das Mitteilungsbedürfnis der jungen Stadtbewohner befriedigen sollen.

Smartphone als Innenspiegel

Das Smartphone zum Beispiel ist an der Stelle befestigt, wo normalerweise der Innenspiegel sitzt. Es soll Bilder übertragen, die eine Kamera am Heck liefert. Es gibt ein Glasdach, das über dem Forstar elektrochromatisch, das heißt mittels eines Prismas, abgedunkelt werden kann, um die Privatsphäre darunter zu schützen. Die Romantiker unter der urbanen Klientel werden den Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel zu schätzen wissen, von dem die Smart-Marketingstrategen die Modellbezeichnung "Forstars" ableiten.

Praktisch sind die Sitze, die nur aus einem Rahmen mit Stoffbezug bestehen. Entfernt man die Hülle, können durch die Sitze sperrige Gegenstände geschoben werden. Wo das lang gestreckte SUV-Coupé, das von der Seite betrachtet etwas einem Mini ähnelt, hinten einen überdachten Laderaum hat, werden im späteren Serienmodell zwei zusätzliche Sitze installiert sein, die man durch zwei Fondtüren erreicht.

In Rom, der Stadt der Vespas und Minitransporter, hat der Forstars ein Heimspiel. Die Leute staunen über den niedlichen Stromer und heben anerkennend den Daumen. Mit dem Tritt aufs Gaspedal schnurrt der Smart wie eine Ministraßenbahn los. Es gibt kein Schaltrucken, denn der E-Smart kennt nur einen Vorwärtsgang.

Elektromotor bringt den Kleinen auf Tempo 130

60 Kilowatt Leistung treiben ihn auf maximal 130 km/h. Man merkt, dass Daimlers Haus-und-Hof-Tuner Brabus Hand angelegt hat. Im Getümmel der italienischen Kapitale ist das 3,55 Meter kurze, 1,71 Meter breite und 1,50 Meter hohe Gefährt spritzig und äußerst wendig.

Die Testfahrt endet in einer Hotelgarage, wo der Spieltrieb vollends befriedigt werden kann. In der Fronthaube ist ein lichtstarker Beamer eingelassen. Über die Bluetooth-Technik im iPhone gesteuert, das auf Wunsch wieder in eine Halterung am Rückspiegel eingeklickt wird, wirft er nicht nur zum Vergnügen der Smart-Fahrer Bilder an eine Betonwand.

Rotphasen an Ampeln können durch Filme versüßt werden und auch Verkehrsteilnehmer neben und hinter dem kleinen Stadtflitzer in den Bann ziehen. Allerdings bedarf es eines davor stehenden Sattelzugs oder wenigstens des bulligen Hecks eines BMW 5er GT als Projektionsfläche. Ob das mobile Kino und der Smartphone-Ersatz für den Innenspiegel die Straßenzulassung erhalten, bleibt abzuwarten.

Kooperation mit Renault

Während der Filmvorführung kann der Forstars an die Steckdose gehen. Aber erst nach sieben Stunden ist seine Lithium-Ionen-Batterie vollständig geladen und reicht für 145 Kilometer. Innen schützt den Fahrer die gewohnte Tridion-Sicherheitszelle von Daimler, die Entwicklungsarbeit leistet Kooperationspartner Renault, in dessen Werk in Novo Mesto der Forfour parallel zum neuen viertürigen Twingo des französischen Herstellers entsteht.

Die Formensprache des Forstars werden sowohl die für 2013 geplante dritte Generation des Smart Fortwo als auch der Forfour aufnehmen. Die pausbäckige Karosserie soll für einen markanten Auftritt sorgen. Während Kleinwagen anderer Hersteller den strengen Auflagen des Gesetzgebers bei Fußgänger- und Insassenschutz folgend immer ähnlicher aussehen, gelingt es den Smart-Designern, mit überwölbenden Karosserieflächen einen Kontrapunkt zur wachsenden Uniformität zu setzen.

Karosserie nach Comic-Art

Die Ähnlichkeit des Forstars mit Comicfiguren ist dabei beabsichtigt. Dazu passen die plastischen, rhombenförmig mit LED-Tagfahrleuchten umrandeten Frontscheinwerfer. Das hätten die Gestalter von Walt Disney nicht besser hinbekommen. Die Smart-Gestalter haben sich auch an den Heckleuchten ausgetobt. Sie lassen sich öffnen: Unter der rechten sitzt die Steckdose der Hochvoltbatterie, hinter der linken ist ein Geheimfach für eine Getränkedose verborgen.

Ungeachtet aller Spielereien, die der Smart Forstars jungen Großstadtmenschen bieten könnte, wenn er denn tatsächlich in Serie ginge, pflegt er auch Fahrqualitäten, auf die es angeblich immer weniger ankommt: Der Forstars vermittelt Fahrspaß. Der sehr direkte Elektroantrieb verleitet dazu, den niedlichen Flitzer rasant durch den Verkehr zu treiben und dicke Geländewagen abzuhängen. Wenn die Passagiere nicht gerade einen Hollywoodstreifen geladen haben und beim Chatten lieber auf Stop-and-go-Verkehr hoffen.

Die Reise zum Test wurde unterstützt von Daimler. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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