20.11.12

Kleinwagen

Ford Fiesta mit Mini-Motor und Zauberschlüssel

Mit dem überarbeiteten Kleinwagen Fiesta legt Ford die Messlatte für Kraftstoffverbrauch hoch, besser: niedrig. Derzeit schafft kein Konkurrent 4,3 Liter auf 100 Kilometer – Benzin, nicht Diesel.

Von Stefan Anker
Foto: Ford

Der neue Ford Fiesta ist auf Anhieb von seinem Vorgänger zu unterscheiden: Der Kühlergrill fällt auf, und er zeigt Verwandtschaft zu dem der britischen Edelmarke Aston Martin.

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Es lebe der Neue Europäische Fahrzyklus! Das ist die Norm, nach der der Verbrauch neuer Autos ermittelt wird, und diese Norm treibt manchmal wirklich seltsame Blüten, etwa beim Ford Fiesta.

So gibt es die frisch überarbeitete Version des Kleinwagens, sehr gut zu erkennen am Beinahe-Aston-Martin-Kühlergrill, mit einem neuen Dreizylinder-Benzinmotor, der in vier Leistungsstufen zu haben ist – und alle verbrauchen gleich viel, nämlich 4,3 Liter auf 100 Kilometer.

Start-Stopp kostet 200 Euro

Ob 65 oder 80 PS (ohne Turbo) oder 100 bzw. 125 PS (mit Turbo), für alle steht dieselbe Zahl im Datenblatt, jedenfalls dann, wenn für 200 Euro Aufpreis noch das Start-Stopp-System mitbestellt wird.

Ansonsten liegen die schwächeren Versionen bei 4,6 Litern, der 100-PS-Turbo verbraucht 4,5 (und die 125-PS-Variante ist ohne Start-Stopp nicht zu haben).

Im Alltag etwa 5,5 l/100 km

Ob das alles wirklich so sein kann, ist bei einer ersten kurzen Ausfahrt mit dem Auto nicht seriös zu beurteilen. Zumal auch nur die 125-PS-Variante zur Verfügung steht (ein Trend bei Pressepräsentationen: immer schön Power unter der Haube).

Aber es gibt die Praxiserfahrungen der "Welt" mit dem Ford Focus 1.0 Ecoboost, bei dem der sparsame Dreizylinder erstmals eingesetzt wurde: 6,1 Liter auf 100 Kilometer statt versprochener 4,8 – für einen 100-PS-Benziner, der sogar recht lebendig am Gas hängt, ist das gar nicht so übel. Und umgerechnet auf den Fiesta kämen dann etwa 5,5 Liter heraus.

Verbrauch hängt auch vom Fahrer ab

Thomas Zenner lächelt. "Ich bin den Focus 1.0 Ecoboost schon mit 4,7 Litern gefahren, also unterhalb des Normwertes." Das ist allerdings kein Wunder, denn Zenner hat diesen Motor mitentwickelt, er hat ein Händchen, besser: ein Gas-Füßchen fürs sparsame Fahren.

"Ja, ich will da etwas beweisen, ich habe schließlich viereinhalb Jahre an dem Motor gearbeitet." Der Ingenieur kennt aber auch Kollegen, die den Focus Ecoboost mit einer sieben vorm Komma bewegen. Es hängt eben immer auch vom Fahrer ab.

Diesel allein genügt hier nicht

Mit dem Fiesta wird nun die Ecoboost-Idee breiter ausgerollt, denn sparsame Dieselmotoren allein genügen in der Kleinwagenklasse nicht. Zwar gibt es im Fiesta auch einen neuen 1,5 TDCi mit 75 PS und 3,7 Litern Normverbrauch, zwar liegt der 1,6 TDCi Econetic (95 PS) bei nur 3,3 Litern, doch macht das nicht so viel aus. "Der Benziner hat beim Fiesta einen Marktanteil von 70 Prozent", sagt Ingenieur Zenner.

Der 125-PS-Testwagen rollt später entspannt über die Autobahn, Tempo 120 stehen an, der Drehzahlmesser zeigt 2600 Touren. Die lange Übersetzung des Fünfganggetriebes tut das Ihre, den Verbrauch im Zaum zu halten, doch wenn man nun Gas gibt und beschleunigt, dann regt sich im Auto auch etwas.

196 km/h sind möglich

170 Newtonmeter Drehmoment jedenfalls reichen, um den nur 1045 Kilogramm schweren Fiesta in Schwung zu halten, und wie beim Focus Ecoboost hat man zu keiner Zeit das Gefühl, in einem schwindsüchtigen Verzichtsmobil unterwegs zu sein.

196 km/h sind möglich, in 9,4 Sekunden geht es auf Tempo 100, die 100-PS-Variante ist etwas weniger temperamentvoll unterwegs: 180 km/h, 11,2 Sekunden. Beide Ecoboost-Varianten liegen damit in Sachen Fahrleistungen an der Spitze des Fiesta-Feldes.

Auch der Mondeo mit Dreizylinder

Das einzige, was den neuen Motor im Alltag von den herkömmlichen Vierzylindern unterscheidet, ist sein etwas knurriger Sound. Den muss man mögen, aber die Käufer des Ford Focus scheinen damit kein Problem zu haben: Laut Thomas Zenner wird der neue Spar-Motor in Europa schon in jedem dritten neuen Focus eingebaut.

Und 2014 wird der neue Mondeo ebenfalls mit dem 1,0 Liter kleinen Dreizylinder unterwegs sein. Schwer vorstellbar, aber fest beschlossen.

Neues Gesicht bei Ford

Genauso wie das neue Ford-Gesicht, das schon im heute noch aktuellen Fiesta erkennbar ist (nämlich als großer Lufteinlass unter dem Kühlergrill), doch nun deutlich höher angesetzt und mit fünf Chromleisten so auffällig verziert wird, dass man nicht umhin kommt, sich das Auto für einen Moment anzusehen.

Der Mondeo wird ebenso dieses Gesicht zeigen, und auf dem Pariser Salon stand eine Studie des Focus mit Elektoantrieb, die auch schon den neuen Kühlergrill trug.

MyKey, der programmierbare Schlüssel

Über ein simples Facelift geht die Überarbeitung des Fiesta also weit hinaus, der Kleinwagen markiert eher eine Designwende der Marke, hin zu einer höheren Wiedererkennbarkeit. Dass Autofans dann unwillkürlich an Aston Martin denken, wenn sie einen neuen Ford sehen, muss ja nicht schaden.

Zu den neuen inneren Werten des Fiesta gehört eine Idee, die es bei Ford in den USA schon länger gibt: MyKey.Ab der zweiten Ausstattungsvariante Trend ist diese Technik serienmäßig, und sie hilft vor allem Eltern, die ihr Auto auch mal den Kindern leihen.

Höchstgeschwindigkeit wird beschränkt

Mit MyKey kann ein Zweitschlüssel so programmiert werden, dass die jugendlichen Fahrer nicht alles mit dem Wagen machen können, was sie vielleicht wollen.

So erreicht der Fiesta mit entsprechend manipuliertem Schlüssel nur noch 140 km/h Höchstgeschwindigkeit, die Ausschaltknöpfe für ESP und andere Assistenzsysteme bleiben deaktiviert, und das CD-Radio schafft nicht mehr als 60 Prozent seiner maximalen Lautstärke. Außerdem spielt es keinen Ton, bis alle Insassen angeschnallt sind.

Big Brother im kleinen Auto

Ein bisschen Big Brother im kleinen Auto, das könnte man einwenden. Aber mit beschränkter Höchstgeschwindigkeit fahren die jungen Leute nicht nur sicherer. Sie haben auch eine bessere Chance, den Normverbrauch einzuhalten.

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Die Reise zur Präsentation des Fiesta wurde unterstützt von Ford. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

Quelle: DWTV
12.09.2012 4:41 min.
Großzügige Platzverhältnisse bei kompakten Abmessungen, das verspricht der neue B-Max von Ford. Ein pfiffiges Türkonzept und praktische Sitze machen es möglich. Und ordentlich PS bringt er auch mit.
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