19.11.12

Warnsysteme

Wie Geisterfahrer künftig gestoppt werden sollen

Rund 1700 Geisterfahrer werden jährlich in Deutschland gemeldet. Künftig sollen beispielsweise Warnschilder Schlimmeres verhindern. Auch ein spezielles Warnsystem könnte 2013 in Serie gehen.

Foto: dpa

Nur eine von vielen Möglichkeiten, um Geisterfahrer zu stoppen: In Bayern warnen seit Ende 2010 große Schilder an ausgewählten Autobahnabschnitten
Nur eine von vielen Möglichkeiten, um Geisterfahrer zu stoppen: In Bayern warnen seit Ende 2010 große Schilder an ausgewählten Autobahnabschnitten

Für viele Autofahrer ist es eine Horrorvorstellung: Während man mit hohem Tempo unterwegs ist, meldet das Radio einen Geisterfahrer. Tödliche Unfälle mit Falschfahrern kommen zwar relativ selten vor. Doch am Wochenende starben sechs Menschen auf der A 5 bei Offenburg – den Unfall hatte ein Geisterfahrer verursacht.

Dieser und andere jüngste Fälle haben die Frage neu aufgeworfen, wie die Sicherheit erhöht werden kann. In Bayern läuft gerade ein Pilotprojekt, um Falschfahrten zu verhindern. Ende dieses Jahres sollen dort erste Ergebnisse vorliegen. Auch andere europäische Länder ergreifen Maßnahmen gegen Falschfahrer.

Der Bund und Bayern starteten das Vorhaben Ende 2010. Große Schilder warnen an ausgewählten Autobahnabschnitten: Sie zeigen eine ausgestreckte, schwarze Handfläche mit den Hinweisen "Stopp" und "Falsch". "Man kann nur unabsichtliche Falschfahrten verhindern, vorsätzliche Falschfahrten lassen sich nicht verhindern. Es gibt kein Allheilmittel", sagte dazu ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Rund 1700 Geisterfahrer pro Jahr

Etwa 1700 Geisterfahrer würden pro Jahr im Verkehrsfunk auf deutschen Straßen gemeldet, teilte das Ministerium mit. Der ADAC spricht sogar von bis zu 2800 jährlich von Radiosendern gemeldeten Falschfahrern. Doch nicht hinter jeder Meldung steckt ein wirklicher Falschfahrer. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geisterfahrer relativ konstant", sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl.

Die Möglichkeiten, Falschfahrten zu verhindern, sind aus seiner Sicht eingeschränkt. "Wenn jemand bewusst in falscher Richtung auf eine Autobahn auffährt, wird man gar nichts machen können", sagte Reindl.

"Denn wir haben in Deutschland 13 000 Autobahnkilometer, wir haben etwa 2500 Anschlussstellen, Autobahnkreuze, Autobahndreiecke – nicht eingerechnet die ganzen Parkplätze." Krallen, die das Auffahren in falscher Richtung unmöglich machen, könnten Rettungsfahrzeuge behindern.

Vorbild Österreich

Vorbild für die Warntafeln bei dem Pilotprojekt in Bayern ist Österreich. Dort sehen Autofahrer ebenfalls eine große schwarze Hand und ein Stoppschild auf neongelbem Grund, die Schilder sollen Geisterfahrer direkt an der Auffahrt zur Autobahn bremsen.

Es gibt sie seit Jahren, sie hätten sich bewährt, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Walter Fleissner, am Montag in Wien. Zudem versuche man Um- und Neubauten von Straßen so zu gestalten, dass die Menschen intuitiv richtig fahren.

Auffällige Markierungen und Schilder sollen auch in Großbritannien Falschfahrten verhindern. "Am besten ist es, die Straßen so zu bauen, dass man kaum falsch auffahren kann", sagte ein Sprecher des Automobilclubs "The Automobile Association". Wer auf der Insel als Geisterfahrer unterwegs ist, dem drohen empfindliche Strafen.

Nach Angaben des Automobilclubs kann Falschfahren in die Kategorien "gefährliches Fahren" oder "unaufmerksames Fahren" eingeordnet werden. Für "gefährliches Fahren" drohen Haftstrafen bis zu 14 Jahren, falls es bei Unfällen zu Toten kommt.

Mautstelle als "Hindernis"

Da man auf italienischen Autobahnen meistens eine Mautstelle passieren muss, gibt es weniger Probleme mit Geisterfahrern. Deswegen sind dort auch keine besonderen Warnhinweise zu sehen.

Im Schnitt machen monatlich zwei bis drei oft betrunkene oder unter Drogen stehende Falschfahrer Schlagzeilen, wenn sie etwa auf ihrer Straßenseite wenden. Dafür gibt es harte Geldstrafen, der Führerschein kann eingezogen und das Auto für Monate stillgelegt werden.

Ähnlich wie in Italien sind in Frankreich für Geisterfahrer Mautstationen ein Hindernis, denn sie können nur in eine Richtung passiert werden. Um Falschfahrten zu verhindern, sollen dort künftig noch spezielle Kameras auf Autobahnen installiert werden. Außerdem ist geplant, Warnschilder aufzustellen.

In Frankreich ist die Zahl der Unfälle durch Geisterfahrer auf Autobahnen in den vergangenen Jahren geringfügig, aber kontinuierlich gesunken. 2011 verursachten Falschfahrer 35 Unfälle mit 56 Verletzten, das geht aus einer Statistik der Behörde für Straßensicherheit hervor.

Geisterfahrer-Warnsystem für Autos

Ein Geisterfahrer-Warnsystem könnte im kommenden Jahr in Serie gehen. Bislang hätten sich aber wenige Autohersteller für das Assistenzsystem interessiert, sagte am Montag eine Sprecherin der Automotive Group der Continental AG in Frankfurt.

Dabei erkennt eine an der Rückseite des Innenspiegels angebrachte Kamera das Verkehrszeichen "Verbot der Einfahrt". Mit Hilfe eines optischen oder akustischen Signals wird der Fahrer auf das Versehen hingewiesen.

Ein abruptes Abbremsen des Fahrzeuges werde es aber nicht geben, betonte die Sprecherin. Das sei ein zu starker Eingriff in das Fahrgeschehen. Zudem könnte es Probleme bei Baustellen auf Autobahnen geben, wenn der Verkehr über die Gegenfahrbahn geführt wird. Entwickelt hatte das System die Siemens VDO in Regensburg. Das Unternehmen wurde 2008 von Continental übernommen.

Quelle: dpa/fp
Quelle: Reuters
18.11.12 0:48 min.
Bei einem Unfall auf der Autobahn 5 in Südbaden kamen sechs Menschen ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Ursache war offenbar ein Falschfahrer. Wegen starken Nebels kam es auch zu Folgeunfällen.
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
19.06.13Minutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19.06.13Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Obama in Berlin
19.06.13Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
19.06.13Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Multimedia
Unfälle

Tödliches Ende einer Geisterfahrt bei Offenburg

Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote