17.11.12

Kolumne "Autonom"

Der Sündenfall im neuen Bond-Film

Autofreunde haben in Actionfilmen immer einiges zu gucken: Ist es nicht schön, wenn richtig viel Blech mit Karacho verschrottet wird? Aber in "Skyfall" bleibt dem Fan an einer Stelle das Herz stehen.

Von Stefan Anker
Foto: dapd

Daniel Craig als James Bond in „Skyfall“, hinter ihm der Aston Martin DB5, der erstmals 1964 im Bond-Film „Goldfinger“ zu sehen war
Daniel Craig als James Bond in "Skyfall", hinter ihm der Aston Martin DB5, der erstmals 1964 im Bond-Film "Goldfinger" zu sehen war

Es sagen ja alle, dass "Skyfall" nicht nur ein guter Bond sei, sondern ganz allgemein ein guter Film. Tiefe habe er, und er lasse den Helden in neuem Licht erscheinen, weil er ihn zuerst an seinen Abgrund führe und ihm dann bei der Auferstehung helfe. Okay.

Ich war im Kino und kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. Guter Actionfilm, sicher, tolle Bilder, dazu Schauspieler, denen man gern bei der Arbeit zusieht. Aber auch zwei ganz entscheidende Fehler.

Die Schüsse sehen so echt aus

Erstens ist die Verfolgungsjagd am Anfang schon der Höhepunkt des Films. Zwar kommt noch viel mehr, aber es kann gegen den Beginn nicht bestehen.

Und zweitens machen sie am Ende den Aston Martin DB5 kaputt. Gut, ich gebe zu, wenn zum Schluss auch das Haus brennt, ist wohl ein Modell des Autos zu sehen.

Aber vorher, die Schüsse. Es sieht so echt aus, wie diese Ikone durchlöchert wird, das kann doch wohl nicht wahr sein.

Nicht Doku, sondern Drama

Hollywoodfilme haben sich immer – wohltuend – von europäischen Produktionen dadurch unterschieden, dass die Regisseure echte Autos in großer Zahl zu Schrott fahren ließen. Das finde ich gut, denn ein Actionfilm ist nicht Doku, sondern Drama. Da muss man auch mal ein paar Dollars springen lassen.

Aber warum sparen sie bei "Skyfall" am Anfang und zerstören mit dem Bagger lumpige fünf VW Beetle der Vorgänger-Generation? Und dann murksen sie eine sündhaft teure Ikone der Auto- und Filmgeschichte ab, das Bond-Auto schlechthin.

Am Ende war es wohl doch nur vorgetäuscht

Vielleicht hilft mir der Blick auf eine weitere rollende Legende: Der Land Rover Defender tankt sich durch die Verfolgungsjagd zu Beginn, schnell wie ein D-Zug, unverwüstlich wie ein Panzer. Er wirkt genau so, wie wir ihn sehen sollen, obwohl er solche Manöver in Wirklichkeit gar nicht hinbekommt. Alles Schwindel, alles Film.

Mir bleibt daher die stille Hoffnung, dass das böse Ende des Aston Martin ebenfalls nur vorgetäuscht war. Die Botschaft vom erneuerten Bond ist auch so angekommen, wirklich.

Folgen Sie "Welt"-Reporter Stefan Anker auf Twitter: http://twitter.com/StefanAnker.

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