16.11.12

Mercedes A 45 AMG

So fährt sich die Turbo-A-Klasse mit 350-Allrad-PS

Nicht nur äußerlich ist die A-Klasse sportlicher geworden, auch unterm Blech gibt Mercedes Gas. Gegen Audi RS3 und BMW M135i tritt demnächst der A 45 AMG an, die "Welt" durfte schon mal einsteigen.

Von Stefan Anker
Foto: Daimler

Noch ist der Mercedes A 45 AMG mit schwarzem Klebeband getarnt, aber das verdeckt eigentlich nur noch die genaue Gestaltung der vergrößerten Lufteinlässe.

6 Bilder

Bevor jetzt alle Erlkönigjäger das Handy zücken: Wer demnächst eine knallgelbe A-Klasse mit abgeklebtem Mercedes-Stern durchs Land fahren sieht, kann sich wieder abregen.

Das Auto ist kein Geheimnis mehr, auch wenn es erst im nächsten Sommer auf den Markt kommt. Doch die A-Klasse selbst wird ja schon ganz offiziell verkauft, und der gelbe Pseudo-Erlkönig ist eine der Begründungen dafür, dass die A-Klasse heute so aussieht, wie sie eben aussieht, nämlich sportlich.

Von den direkten Konkurrenzmodellen, dem Audi A3 und dem BMW 1er, gibt es seit Jahren besonders potente Modelle, denen Mercedes mit der alten A-Klasse nichts entgegenzusetzen hatte. Die Architektur des Wagens eignete sich nicht für Motorleistungen jenseits der 200 PS, und das Design wäre dafür auch nicht glaubwürdig gewesen.

Der oberste Testfahrer sitzt am Steuer

Das ist nun anders, und mit zufriedener Miene (man kann das wirklich nicht anders sagen) sitzt Tobias Moers am Steuer des gelb lackierten Vorserienwagens mit den schwarzen Klebestreifen vorn und hinten. Moers ist Mitglied der Geschäftsführung der Mercedes-Tochter AMG und verantwortlich für die Gesamtfahrzeugentwicklung. So wie er sich das Auto jetzt auf dem Hockenheimring zur Brust nimmt, ist er auch oberster Testfahrer seiner Firma.

A 45 AMG wird der Wagen heißen, aber mit dem Hubraum oder der PS-Zahl hat diese Bezeichnung nichts zu tun. Der Wagen hat keinen 4,5 Liter großen V8 unter der Haube, und 450 PS hat er auch nicht. Das wäre vielleicht auch etwas zu viel des Guten, mit den von Moers angegebenen 350 PS steht die A-Klasse nämlich auch schon sehr gut im Futter. "Das ist exakt das Niveau der Konkurrenz, aber wir sind die Einzigen, die das mit einem Zweiliter-Vierzylinder schaffen", sagt Moers. Und ist noch eine Spur zu bescheiden dabei.

350 PS sind das Maß der Dinge

Denn der BMW M135i gerät trotz eines Dreiliter-Reihensechszylinders mit 320 PS klar ins Hintertreffen, und der Audi RS3 lässt sich noch nicht blicken. Gerade ist die neue A3-Generation angelaufen, momentan ist das Topmodell der S3 mit 300 PS. Der RS3 der letzten Generation lieferte 340 PS an Vorder- und Hinterräder, die Leistung wurde von einem 2,5 Liter großen Fünfzylindermotor erzeugt. Bei diesem Motor wird es für den künftigen RS3 auch bleiben, nur wird Audi die Leistung auf 350 PS anheben.

Der Turbomotor im A 45 AMG bleibt also, bezogen auf seine Größe, der potenteste von allen, und er teilt das seinen Passagieren auch ziemlich ungeniert mit. Im Vorserienmodell brummt und knurrt es, als stamme dieses Auto nicht vom seriösen Werkstuner, sondern aus einer der vielen Pimp-Sendungen im Privatfernsehen.

Moers sagt, dass am Sound noch gearbeitet werde, aber das sei eben auch eine schwierige Abstimmung: Wer viel Geld ausgibt für ein Sportmodell, der muss das auch mit allen Sinnen erleben können. "Gerade will ein russischer Kunde seinen ML 63 AMG zurückgeben, das Auto ist ihm zu leise."

Blubberndes Geräusch beim Schalten

Wir wechseln von der Rennstrecke auf die Landstraße, und Moers schaltet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe in den Comfort-Modus. Jetzt wird es zumindest beim Schalten ruhiger, im manuellen Betrieb (über Paddel am Lenkrad) und im Sport-Modus erzeugt die Elektronik bei jedem Hochschalten ein blubberndes Geräusch im Abgassystem – es klingt wie anno dazumal, als noch unverbranntes Benzin in den Auspuff gelangen und dort unkontrolliert verbrennen konnte.

So etwas leisten sich heute nicht mal mehr die Sportwagenhersteller: Abgas und Verbrauch sind so wichtig geworden, dass Zwischengas- und Fehlzündungssimulationen zwar schaurig-schön klingen, aber nichts mehr mit real vergeudetem Sprit zu tun haben.

Eine Sieben soll vorm Komma stehen, wenn AMG das offizielle Datenblatt der heißen A-Klasse ausfüllen wird, und das ist natürlich ein ehrgeiziges Ziel für ein Auto, das bei Tempo 250 in den Begrenzer läuft und in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100 sprintet. Aber ein moderner Turbo kann eben auch anders. Tobias Moers lässt den Wagen jetzt ganz langsam im hohen Gang rollen und beschleunigt dann wieder. Sauber zieht er hoch, das gewaltige Drehmoment von 450 Newtonmetern scheint schon sehr früh anzuliegen.

Mehr Selbstbewusstsein bei AMG

Nein, mehr Details gibt es noch nicht und nein, auch der Drehmomentwert habe nichts mit der Modellbezeichnung zu tun. "Es ist auch nicht die Tatsache, dass AMG jetzt 45 Jahre alt geworden ist." Wahrscheinlich brauchte man einfach nur eine Zahl, die sich irgendwie höher anfühlt als die "3" im RS3 oder im M135i.

Das spricht auch für das gestiegene Selbstbewusstsein bei AMG. Beschäftigten sich die Ingenieure im schwäbischen Affalterbach früher noch hauptsächlich mit dem Optimieren und Veredeln vorhandener Mercedes-Technik, haben sie 2006 mit ihrem ersten selbst entwickelten V8-Motor einen großen Schritt hin zu mehr Eigenständigkeit gemacht.

Der seit 2009 angebotene Flügeltürer-Sportwagen Mercedes SLS AMG ist zudem die erste eigene Fahrzeugentwicklung von AMG, und so verwundert es nicht, wenn Tobias Moers auch beim Motor des A 45 AMG die Urheberrechte reklamiert. Allein die Maße der Zylinder seien noch so, wie von Mercedes vorgegeben, alles andere habe neu konstruiert werden müssen. Schon allein, um den enormen Drücken standzuhalten.

Allrad muss unbedingt sein

Doch das sind Feinheiten, die den Käufer mutmaßlich weniger bewegen. Ihn interessiert vielmehr, wie denn ein Kompaktwagen Leistungen jenseits der 300 PS sauber auf den Boden bringt. Der Audi hat seinen Quattro-Antrieb, der BMW fährt (als Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse) mit angetriebener Hinterachse und gegen Aufpreis auch mit Allrad, da konnte sich Mercedes/AMG nicht mit dem standardmäßigen Frontantrieb der A-Klasse begnügen. Der A 45 AMG fährt mit Allrad.

Wird dem Wagen wenig abverlangt, etwa auf der Fahrt ins Büro, ist in der Regel nur die Vorderachse beschäftigt, über eine Haldexkupplung kann allerdings die Hinterachse ebenfalls mit dem Motor verbunden werden und bis zu 50 Prozent der Antriebskraft aufnehmen.

Das scheint zu funktionieren, jedenfalls fühlt es sich in den schnell gefahrenen Kurven des Hockenheimrings nicht so an, als verlören die Vorderreifen rubbelnd die Haftung. Das wäre dann das gefürchtete Untersteuern, das sportliche Fahrer so hassen, weil Lenkeinschlag und Kurvenradius nichts mehr miteinander zu tun haben – und weil man vom Gas gehen muss, damit es aufhört.

Sportschalensitze als Extra

Der erste Eindruck vom Beifahrersitz ergibt noch ein zwiespältiges Bild. Einerseits scheint der A 45 AMG mindestens mitspielen zu können bei den etablierten Rennern der Kompaktklasse. Andererseits wirkt das Auto so, als wolle es den Vorsprung der Konkurrenz, die einfach länger auf dem Markt ist, mit Gewalt aufholen.

Der sehr präsente Klang des Motors, die knallgelben Nähte der Innenausstattung, die (später als Sonderausstattung erhältlichen) Recaro-Sportschalensitze – man könnte es vielleicht auch eine Spur dezenter angehen. Andererseits zeigt das Topmodell der A-Klasse von außen die typische Zurückhaltung, die AMG-Modellen sonst auch eigen ist. Kein Spoilerwerk, keine extrabreiten Seitenschweller, und die vorderen Lufteinlässe, die sich momentan noch hinter Klebefolie verbergen, scheinen auch nicht übermäßig groß zu sein.

Zwischen 44.000 und 49.900 Euro

Beim Preis, sagt Moers, liege das neue Auto "genau im Wettbewerb, aber auf keinen Fall drüber". Das bedeutet irgendetwas zwischen 44.000 Euro (so viel kostet der BMW M135i mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik) und 49.900 Euro. Das ist der letzte Kurs für den Audi RS3 Sportback.

Welcher Wagen am Ende die Nase vorn haben wird, hängt aber kaum vom Preis ab. Die Käufer der Krawall-Kategorie werden sich eher daran gewöhnen müssen, dass nun ein Auto mit Stern mitspielt. Und beim Dreikampf muss es nicht bleiben, denn es könnte noch der VW Golf dazustoßen. Ein Golf R für 2013 ist ausgemacht, er wird mit 290 PS aber Abstand halten.

Doch die Zeitschrift "AutoBild" hat schon von einem Golf RS berichtet, der 2014 kommen soll, mit Siebengang-Doppelkupplung, Allradantrieb, Turbo-Fünfzylinder, also mit der Technik des Audi RS3. Und mit 375 PS.

Folgen Sie "Welt"-Reporter Stefan Anker auf Twitter: http://twitter.com/StefanAnker.

Die Reise zur Präsentation des A 45 AMG wurde unterstützt von Daimler. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Gebrauchtwagen-Check

Dieser Mercedes ist mit Vorsicht zu genießen

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Protestzug Nazis demonstrieren gegen Berliner Flüchtlingsheim
E-Bike Dieses Holzfahrrad ist absolut CO2-neutral
Mariachi-Musiker So bunt feiern die Mexikaner ihre Schutzpatronin
Kampf gegen IS Das fordert US-Vize Biden von Erdogan
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Unfall in Brandenburg

Reisebus stürzt auf der A10 um

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote