13.11.12

Klein aber oho

Diese Neuwagen gibt es für unter 10.000 Euro

Auch ohne Rabattschlacht kann man für sehr wenig Geld zu recht viel neuem Auto kommen. Die Klasse unter 10.000 Euro hat sich etabliert und zeigt sogar überraschende Größe.

Von Stefan Weißenborn
Foto: Dacia

Der Dacia Sandero, dessen Nachfolger bald in die Läden kommt, ist mit 6790 Euro das billigste Auto auf dem deutschen Markt.

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Den meisten fällt sofort Dacia ein: Die rumänische Tochtermarke von Renault zeigt, wie man Fahrzeuge vieler Gattungen für weniger als 10.000 Euro gut verkaufen kann. Doch die Rumänen sind nicht allein: In Deutschland werden mehr als ein Dutzend Autos anderer Marken angeboten, die diese Schwelle unterschreiten.

Billigautos etablieren sich offenbar. Ablesen kann man das nicht nur an dem wachsenden Erfolg von Dacia, sondern auch an den Vorhaben von Nissan und Volkswagen: Die Japaner organisieren für asiatische Märkte ein Revival von Datsun als Billigmarke. Überlegungen zu einer neuen Einstiegsmarke gibt es auch in Wolfsburg, wenngleich die Fahrzeuge wohl nicht zuallererst in Europa angeboten werden. Bis auf weiteres unterschreitet bei VW in Deutschland nur der Kleinstwagen Up die 10.000-Euro-Marke.

Dacia hat Einzigartiges geschafft

Für den Branchenexperten Stefan Bratzel hat Dacia eine neue Entwicklung angestoßen. "Dacia hat ein neues Paradigma gesetzt – von ,größer, teurer, schneller' zu ,weniger drin und dafür günstiger'", sagt der Experte von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Auch für Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, sind die Rumänen ein Paradebeispiel – nicht nur unter den Billigmarken. "Noch nie hat es eine Automarke geschafft, in weniger als zehn Jahren praktisch von null über 800.000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren."

Abgesehen vom SUV Duster starten alle Modelle der Rumänen unter 10.000 Euro. Sie haben dabei "alles an Bord, was Autofahrer brauchen", sagt Dudenhöffer – wenngleich neueste Fahrerassistenten und Sicherheitssysteme wie Spur- oder Abstandshalter außen vor bleiben. Aber die Zeiten, als Dacia Geld sparte, indem das Unternehmen auf ESP verzichtete, seien vorbei.

Minivan knapp unter 10.000 Euro

Im Falle des Dacia Sandero (ab 6790 Euro) bleiben Kunden selbst dann im vierstelligen Preisbereich, wenn sie die 8890 Euro teure Ausstattungsvariante Lauréate II mit Seitenairbags vorn, Lederlenkrad und Bordcomputer wählen. Die für Januar angekündigte Neuauflage des Kleinwagens wird ab 6990 Euro zu haben sein. Und mit dem Dacia Lodgy gibt es erstmals einen Minivan für knapp unter 10.000 Euro. Den günstigsten Geländewagen zum gleichen Einstiegspreis von 9990 Euro hat allerdings Lada mit dem 4x4 im Programm.

Während Dacia explizit zum sogenannten "Low Cost Car Segment" gehört, das viele Fahrzeuggattungen abdeckt, versuchen es angestammte Hersteller mit Kleinwagen als Preisbrecher. Fiats Klassiker, der Panda, steht schon seit Jahren für 9990 Euro bei den Händlern – so auch die aktuelle dritte Generation. Das Grundmodell hat einen 1,2 Liter großen Benziner mit 69 PS an Bord. Den moderneren Zweizylinder-Benziner TwinAir gibt es nur in Verbindung mit der Topausstattung Lounge zu Preisen ab 12.890 Euro.

"Neue Motoren kosten viel"

Das passt ins Bild, denn gerade über die Motorisierung werden die Preise gedrückt. "Was viel kostet, sind neue Motoren", sagt Stefan Bratzel. Deshalb seien die Billigheimer oft nicht mit der neuesten Motorengeneration bestückt. Vergleichsweise ökologisch sind Fahrer mit den Günstigautos dennoch unterwegs, denn Kleinwagen fahren naturgemäß mit kleinen und damit tendenziell sparsamen Maschinen.

"Der Spritspareffekt spielt auch unter diesen Autos eine gewichtige Rolle", sagt Bratzel. Zum einen gehe es darum, die Fahrzeuge für die Kunden auch im Unterhalt erschwinglich zu machen. Zum anderen böten Kleinwagen eine gute Möglichkeit für die Hersteller, CO2-Grenzwerte für ihre Flotten zu erfüllen.

Nur 4,3 Liter auf 100 Kilometer

Zur Verbrauchssenkung hat Ford dem 69 PS starken Vierzylinder des Ka sogar ein Start-Stopp-System gegönnt. 4,9 Liter Normverbrauch und einen CO2-Ausstoß von 116 g/km gibt der Hersteller an und verlangt für den Dreitürer mindestens 9800 Euro.

Mit einem kombinierten Verbrauch von 4,3 Litern (CO2-Ausstoß: 99 g/km) laut Hersteller steht der Peugeot 107 sogar noch besser da. Der Dreitürer ist mit 3,43 Metern Länge rund 20 Zentimeter kürzer als der Ford und kostet bis Ende des Jahres in einer Sonderaktion ab 8490 Euro. Sein Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum leistet 68 PS. Ab 2013 gilt wieder der alte Einstiegspreis von 9650 Euro, sagt Firmensprecher Bernhard Voß. Technisch fast identisch sind der Toyota Aygo (ab 8990 Euro) und der Citroën C1 (ab 9450 Euro).

Sparen mit baugleichen Modellen

9290 Euro ruft Chevrolet für sein Einstiegsmodell Spark auf, dessen gleichstarker Vierzylinder mit durchschnittlich 5,0 Litern aber etwas mehr verbraucht (CO2-Ausstoß: 118 g/km). Der Chevy hat – für einen Kleinwagen ungewöhnlich – immer fünf Türen, das Auto wird ausdrücklich als vollwertiger Fünfsitzer beworben.

In Preisgefilden zwischen regulär 8000 und 9000 Euro bewegen sich Kleinwagen aus Fernost auf dem deutschen Markt. Jeweils 8990 Euro verlangen Kia und Suzuki für ihre Modelle Picanto und Alto. Den Koreaner treibt ein Dreizylinder mit 69 PS an, der 4,2 Liter benötigt (CO2-Ausstoß: 99 g/km). Der Suzuki steht zum gleichen Grundpreis in der Liste, die Werte für Verbrauch und CO2 liegen etwas höher (4,3 Liter und 103 g/km). 500 Euro können Kunden sparen, wenn sie zum Nissan Pixo greifen, dem technischen Zwilling des Alto. Für beide Fahrzeuge kostet ESP jedoch rund 500 Euro extra.

ESP ist bei Volkswagen serienmäßig

Anders sieht das mit der Sicherheitsausstattung der Kleinwagenfamilie im Volkswagen-Konzern aus, zu der neben dem Up (ab 9975 Euro) die nahezu baugleichen Modelle Seat Mii und Skoda Citigo (je ab 8890 Euro) zählen. Die je 3,56 Meter kurzen Autozwerge werden in der Basisversion von einem 1,0 Liter großen Benziner mit 60 PS angetrieben. ESP ist bei den Drillingen Standard. "Und technologisch sind sie auf dem neuesten Stand", sagt Bratzel. Als Beispiel nennt er den in dieser Wagenklasse bis dato einzigartigen, wenn auch nur gegen Aufpreis erhältlichen Notbremsassistenten.

Quelle: dpa/ank
Quelle: Reuters
13.09.12 2:10 min.
Äußerst ernüchternde Ergebnisse lieferten Smart Fortwo, Renault Twingo und Kia Piccanto. Nach Angaben des ADAC sind vor allem die die Gestaltung der Knautschzonen von den Herstellern zu überdenken.
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