13.11.12

Auto-Legende

Der Porsche 911 war der schnellste Fön der Welt

Es kam, als Porsches Elfer schon vor dem Aus zu stehen schien: In diesem Jahr feiert das 911 Cabriolet seinen 30. Geburtstag – und bleibt dabei aktuell wie eh und je.

Foto: Porsche

Bei ihrer Premiere Anfang der Achtziger verzückte die Freiluft-Version des Porsche 911 das Publikum. Ob offen...

19 Bilder

Als es dann kam, da war fast verwunderlich, dass es noch kam. Denn als Porsche im Jahr 1982 eine Open-Air-Version seines 911 vorstellte, da schien sich der Sportwagen schon im Herbst seines Lebens zu befinden. Zu Beginn der Elfer-Fertigung in den Sechzigern hatte man sich ein Vollcabrio verkniffen, weil es hieß, dass die USA diesen Wagentyp verbieten würden.

Stattdessen hatte man den Targa mit seinem herausnehmbaren Dachpanel präsentiert – auf keinen Fall ein Cabrio, aber doch ziemlich offen.

Ein Cabriofan auf dem Chefsessel

Anfang der Achtziger dagegen galt der große 928 bereit als designierter, wenn auch nicht direkt geliebter Nachfolger des Elfers. Cabriolets schienen weltweit auf dem Rückzug zu sein, selbst britische Roadster gab es kaum noch zu kaufen.

Aber der Deutsch-Amerikaner Peter W. Schutz, der 1981 den Vorstandsvorsitz bei Porsche übernommen hatte, war leidenschaftlicher Cabrio-Fahrer. So entstand das neue 911 SC Cabriolet, mit 235 Stundenkilometern markierte es den weltweiten Spitzenwert aller offenen Autos.

Eine Studie als Appetithappen

Nicht zuletzt war Porsches Tradition auch eine der offenen Wagen: Immerhin war schon der Porsche Nr.1 aus dem Jahr 1948 ein Roadster gewesen. Auch der endgültige Durchbruch auf dem wichtigsten Markt Nordamerika war mit dem 356 Speedster gelungen.

Auch darum ließ Schutz das Cabrio zeichnen, als Studie zuerst, nur um zu sehen, was käme. Entwicklungsvorstand Helmuth Bott griff auf einen Speedster-Prototypen zurück, der bereits unvollendet in der Entwicklungsabteilung stand. Auf der IAA 1981 war es dann soweit. Unter Palmen präsentierten die Schwaben ein weißglänzendes 911 Cabriolet mit Allradantrieb und Turbomotor.

Viel Applaus auf dem Genfer Salon

Die Begeisterung der Medien und Messebesucher war überwältigend. Porsche konnte gar nicht mehr anders, als den offenen Elfer fertig zu entwickeln – auch wenn Allrad und Turbo auf dem Weg in die Serie verschwanden.

Das käufliche Cabrio stand dann im Frühjahr 1982 auf dem Genfer Salon – und stahl anderen Neuheiten wie Maserati Biturbo, Monteverdi 5.0 oder Bentley Mulsanne die Schau.

Stahlprofile als Überrollschutz

Selbst mit geschlossenem Dach machte der neue Sportwagen eine ausgesprochen gute Figur: Porsche hatte für das Verdeck geprägte Stahlblechprofile eingesetzt, die sogar bei Tempo 235 formstabil blieben und gleichzeitig als Überrollschutz dienten.

Nur die amerikanischen Porsche-Kunden vermissten eine elektrische Verdeckbetätigung. Porsche hörte den Ruf und arbeitete nach. In 20 Sekunden öffeneten und schlossen die E-Motoren die Kapuze, für damalige Zeiten war das rasend schnell.

Das Extrem-Cabrio hieß Speedster

Bis zu 7000 Käufer orderten von da an das kostspielige Cabrio – verblüffenderweise verkaufte Porsche trotzdem kaum weniger Targas. 239 PS machten das Cabrio zum ausgesprochen dynamischen Weg an die frische Luft. Und wer mehr wollte, der bekam bald auch den Turbo.

Zunächst, 1984, erhielt das Cabrio die Optik des Über-Porsche, mitsamt Flügel und breiten Backen. Ab 1987 wurde auch der dazugehörige Motor eingebaut. Auf der IAA stand außerdem noch der 911 Speedster, mit einer zusätzlichen Abdeckung hinter den Vordersitzen.

911 als Vorreiter des Cabrio-Booms

Neben dem regulären Speedster wurde sogar noch eine spektakulär gezeichnete Club-Sport-Version vorgestellt, die auf die Frontscheibe verzichtete und auch den Beifahrersitz unter einer Abdeckung versteckte.

Und nicht zuletzt wegen Porsche hatte sich das Image von Cabrios geändert. Praktisch jede Prestigemarke wollte wieder welche bauen, fünf Klassen unter dem Porsche läutete der Mazda MX-5 das Roadster-Revival ein.

Sammlerstücke ab Werk

Deshalb wurde die Cabrio-Variante fortan bei jedem Modellwechsel des Elfers mitgeplant. In der Modellgeneration 964, die 1989 auf den Markt kam, fuhr der Elfer auf Wunsch erstmals mit vier angetriebenen Rädern, vor allem aber mit einem neuen 3,6 Liter großen Motor, der mindestens 250 PS lieferte.

Ein Speedster kam auch auf 964-Basis wieder auf den Markt, außerdem ein Sammlerstück ab Werk, ein Speedster in Turbo-Breit-Version, der auf 930 Autos limitiert war. Und 1994 kam schon die Generation 993 als Cabrio auf den Markt, mit auffälligen Kotflügelverbreiterungen, flachen Scheinwerfern und einer neuen, aufwändigen Fünflenker-Hinterachse.

Scheinwerfer wie Spiegeleier

Doch das war nichts gegen die Revolution, die 1997 einsetzte und im folgenden Frühjahr auch das Cabrio erreichte: Mit der Baureihe 996 wurden die Boxermotoren von Luft- auf Wasserkühlung umgestellt. "Sakrileg", riefen die Puristen, doch im Ergebnis akzeptierten die Käufer den Prinzipwechsel besser als erwartet.

Ein bisschen schmerzhaft war, dass der Elfer nun die gleichen Scheinwerfer wie der erste Porsche Boxster trug, von Kennern auch despektierlich Spiegeleier genannt.

Zu jung für den Schrottplatz

Im Cabrio faltete sich das Stoffverdeck nun erstmals z-förmig zusammen und versteckte sich unter einer Metallmütze hinter den Notsitzen. Neu war auch der offene Carrera 4 mit Allradantrieb für mehr Traktion.

Und auch wenn das 911 Cabriolet inzwischen nicht mehr der schnellste aller offenen Supersportwagen ist, schätzen viele seine Qualitäten, etwa die Langlebigkeit. Zum letzten Modellwechsel im März freute man sich über insgesamt 80.000 verkaufte Einheiten von einem Modell, das reift und nicht altert. Auf einem Schrottplatz wird man ein Porsche 911 Cabrio kaum jemals sehen.

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