12.11.12

Mercedes SLS AMG GT

So fährt der Flügeltürer auf dem Hockenheimring

Schneller schalten, härter federn, lauter brüllen: Mercedes hat den SLS AMG noch etwas schärfer gemacht. Als GT-Version kann er nun verhinderte Rennfahrer begeistern – und das Beste kommt erst noch.

Von Stefan Anker
Foto: Daimler

Der neue SLS AMG GT lässt sich besonders gut...

15 Bilder

Genau so will ich es haben: Nach einer scharfen Rechts- und einer etwas weiteren Linkskurve liegt freie Strecke vor mir. Sie biegt sich leicht nach links, aber nicht so sehr, dass ich nicht Vollgas geben könnte. Acht Zylinder unter der Haube brüllen.

Oh ja, anders kann man das nicht nennen, auch wenn das Auto den Stern im Kühlergrill trägt. Der SLS AMG, der moderne Flügeltürer, ist ein recht knackiger Sportwagen ohne viel Komfort-Kompromiss geworden, und für das Exemplar, in dem ich hier sitze, gilt das noch viel mehr.

GT heißt hier nicht Gran Turismo

SLS AMG GT heißt das Geschoss, und hinter all den Buchstaben steckt die "hoch-emotionale, Performance-orientierte GT-Variante", wie es in der offiziellen Presse-Info heißt.

GT bedeutet hier nicht Gran Turismo (was für einen eher komfortablen Langstreckensportwagen stünde), sondern bezieht sich auf die Rennwagenklasse GT3, in der der Flügeltürer auch antritt, etwa bei der ADAC-GT-Masters-Serie.

Hockenheimring, Parabolika-Kurve

Da heißt das Auto SLS AMG GT3, der GT ist die zivile Variante dazu, mit Straßenzulassung, aber doch mit einigen Schikanen, die ans Rennfahren zumindest erinnern sollen.

Darum ist die freie Strecke hier auch nicht irgendeine freie Strecke, sondern der Hockenheimring, genauer: die Parabolika-Kurve. Sie ist die schnellste Passage des 4,5 Kilometer langen Kurses, die Formel 1 erreicht am Ende, vor der Spitzkehre, 310 km/h.

Die Formel 1 schafft hier Tempo 310

Das klappt im SLS GT nicht ganz, aber um ehrlich zu sein, schaffe ich es nicht, auf den Tacho zu sehen. Es ist mein erster Besuch auf dem Hockenheimring, mir stehen vier Runden zu, und ich muss mich ziemlich konzentrieren.

Als erstes auf die Bremspunkte. Die Formel 1 bremst knapp 100 Meter vor der Spitzkehre von 310 auf Tempo 50 ab, so steht es im Streckenplan. Nun ja, ich gehe wohl etwas früher in die Eisen.

Die Elektronik ist schne ller

Dann herunterschalten in den zweiten Gang, aber immer wenn ich an den Paddeln ziehen will, hat das Auto die Gänge schon gewechselt. Das ist eine wichtige Erkenntnis der schnellen Testrunden: Im Sport-Modus ist mir die Elektronik stets eine Nasenlänge voraus und schaltet genau dann, wenn ich eben daran denke, das zu tun.

Ich wechsele in Runde drei auf "Manuell", um mal selbst Herr des Verfahrens zu sein, aber der Stress mit den Kurven und den Bremspunkten wird dadurch nur größer, also überlasse ich das Schalten wieder der Elektronik.

Leicht krachendes Hochschalten

Im übrigen wurden im SLS GT die Schaltvorgänge des Doppelkupplungsgetriebes noch einmal abgekürzt, vor allem im manuellen Modus. Leicht krachend, mit einem kurzen Tritt in den Rücken, schaltet das Siebengang-Getriebe hoch, und das automatische Zwischengas beim Herunterschalten ist präsenter und lauter zu hören als beim normalen SLS.

Nach der Spitzkehre geht es kurz geradeaus weiter, dann folgt eine Halbrechtskurve, und danach muss ich wieder auf die Bremse: 90 Grad links ab, dann eine nicht zu schnelle Rechtskurve, und es folgt, in einem zügig zu fahrenden Rechtsbogen, die Einfahrt ins Motodrom.

Der Mercedes als Heckschleuder

Hier, in der recht engen Sachs-Kurve (linksherum), zeigen sich die speziellen Handling-Eigenschaften des SLS, die auch der GT nicht ablegt, ganz gut: Das Auto ist zwar ein Mercedes, aber es ist auch eine Heckschleuder.

Am Kurvenausgang etwas zu viel aufs Gas getreten, und der teure Wagen (204.680 Euro) zuckt spürbar mit dem Hinterteil. Wäre ich ein Rennfahrer, würde ich sagen: Hm, blöd, das kostet mich jetzt ein paar Zehntel.

ESP setzt erst später ein

Da ich aber keiner bin, sage ich: Okay, das macht Spaß, geht das in der nächsten Runde wieder? Es geht. Das leichte Übersteuern kann man im SLS GT ziemlich problemlos hervorrufen, und da wir es hier mit einem echten Sportwagen zu tun haben, bleibt das ESP-System auch ziemlich lange unbeteiligt.

Erst habe ich als Fahrer die Chance, das Auto mit einer Gegenlenkbewegung wieder zu zähmen, und nur, wenn ich das nicht schaffe (zugegeben: es ist vorgekommen), hilft die Elektronik.

Schnelle Kurve, sichere Straßenlage

Nach dem Motodrom geht es auf die Zielgerade, und dann kommt für mich die schwierigste Kurve. Nordkurve heißt sie, sie knickt so 50, 60 Grad nach rechts ab, man kann nicht genau sehen, was dahinter eigentlich kommt. Und man ist am Ende der Zielgeraden doch schon sehr schnell.

Die ersten zwei Male lupfe ich viel zu früh, aber dann scheine ich mein Tempo gefunden zu haben. Und hier ist der SLS GT sehr stabil, kein Zucken der Hinterachse. Wenn ich gleichmäßiges Tempo mache, liegt der Wagen satt und sicher.

SportPlus ist kaum zu ertragen

Nun probiere ich auch die Fahrwerksverstellung. Im GT wurde das Komfortprogramm ersatzlos gestrichen, man hat nur noch die Wahl zwischen Sport und SportPlus.

Mir persönlich reicht Sport vollkommen, SportPlus ist aber auf einer intakten und glatten Rennstrecke wie dem Hockenheimring auch okay. Draußen auf der Landstraße ist SportPlus dagegen kaum zu ertragen, weil der SLS GT dann die Straße nahezu 1:1 abtastet und fast nichts mehr ausgleicht.

Wie machen echte Rennfahrer das nur?

Das geht dann zu Lasten der Lenkpräzision des Fahrers: Für einen Ritt auf der Nürburgring-Nordschleife wäre diese Einstellung nichts, mit dem weicher abgestimmten Sportprogramm wäre zumindest ich als Nicht-Rennprofi dort schneller unterwegs.

Jetzt aber sause ich ziemlich zügig ein viertes Mal auf die Parabolika zu. Sie beginnt mit einer 90-Grad-Rechtskurve, dann kommt wieder der kleine Knick nach links, und dann: Vollgas, den V8 brüllen lassen. Für mich immer wieder beeindruckend, wie echte Rennfahrer 50, 60, 70 solche Runden ertragen und jede Runde nahezu gleich schnell fahren.

17.850 Euro für 20 PS

Ich bin nach vier Umläufen schon etwas erschöpft (mehr mental als körperlich), und der Wagen, immerhin ein Serienprodukt, ist auch ganz froh über die langsamer gefahrene Abkühlrunde. Knisternd, tickend und nach Gummi riechend steht er in der Boxengasse, und nun, als ich den Wagen von außen betrachte, kommen natürlich die Fragen nach dem Sinn.

Muss man 17.850 Euro zusätzlich ausgeben, um 20 PS mehr zu haben? Um ein Auto mit 320 statt 317 km/h Spitze zu fahren?

Es geht noch viel mehr

Rhetorische Fragen natürlich. Man macht es, weil man es kann. Und Mercedes macht es, weil man Kunden dafür findet. Und für mehr auch noch.

Basierend auf dem GT wird im Sommer 2013 der AMG SLS GT Black Series herauskommen. Nicht unbedingt in Schwarz, aber mit weniger Gewicht (1550 statt 1695 Kilogramm), mehr Leistung (631 PS) – und einer geringeren Höchstgeschwindigkeit.

Das teurere Auto ist langsamer

Dass der Black Series nur 315 km/h erreicht, liegt an seinem großen Heckflügel und den extrem breiten Reifen (vorn 275er, hinten 325er). Beide Maßnahmen lassen den Wagen in Kurven besser auf der Straße haften, erhöhen aber die Fahrwiderstände.

Ein Preis für den SLS AMG GT Black Series ist noch nicht festgesetzt worden, dank der vielen Karbonteile an der Karosserie und der teuren Keramikbremsanlage dürften 250.000 Euro aber eine realistische Schätzung sein.

Nicht das erste Black-Series-Modell

Und ja, auch dafür gibt es wohl Kunden: Der SLS AMG GT ist nicht das erste Black-Series-Modell, die gab es schon vom SLK, vom CLK, vom SL und vom Coupé der C-Klasse. Weil man es eben kann.

Die Reise zur Präsentation des SLS AMG GT wurde unterstützt von Daimler. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

Quelle: DWTV
12.09.12 6:45 min.
Als der Wagen 1954 auf den Markt kam waren es nicht nur die Flügel, sondern auch die damals unheimlich fortschrittliche Technik, die diesen legendären Wagen zu etwas Besonderem machte.
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Designkunst

Wir basteln uns einen Lamborghini

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Champions League "Das war für Rom eine Katastrophe"
Verhaftet vom Regime Nordkorea lässt US-Bürger frei
Champions League Dortmund lechzt nach einem Erfolgserlebnis
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großbritannien

Ein Hauch von Bauch – Auftritt von schwangerer…

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote