09.11.12

Sportlich

Seat bietet Golf-Technik in heißer Verpackung

Die gezauste VW-Tochter bringt einen Bruder des Klassikers auf den Markt. Das Design des Leon ist klar und dynamisch. Innen fehlt es etwas an Eleganz. Dafür wurde ordentlich am Preis poliert.

Von Thomas Geiger
Foto: Seat

Kürzer, aber geräumiger und neu motorisiert. Verkaufsstart des Seat Leon der dritten Generation ist Ende November.

7 Bilder

Seat wagt den Aufbruch in eine neue Ära: Mit dem Mut der Verzweifelten bringt die krisengeschüttelte VW-Tochter am 24. November die dritte Generation des Leon in den Handel und wirft dabei so ziemlich alles in die Waagschale, was die Spanier zu bieten haben.

Das sind ein leidenschaftliches Design, bewährte VW-Technik für mehr Komfort, Leistung und Effizienz und vor allem attraktive Preise sollen den heißblütigen Bruder des VW Golf wieder ins Bewusstsein der Kunden rücken und Seat so die Zukunft sichern. "Der Weg ist länger als wir uns das wünschen", räumt Markenchef James Muir ein. "Aber mit Produkten wie dem neuen Leon werden wir wieder über die Gewinnschwelle kommen", schürt er die Zuversicht.

Wie der Golf basiert auch der Leon auf dem Modularen Querbaukasten. Er hat deshalb bei leicht gekürztem Format einen sichtlich größeren Radstand und eine breite Spur und bringt bis zu 90 Kilo weniger auf die Waage. Das merkt man natürlich auch beim Platzangebot und beim Verbrauch, aber vor allem merkt man es beim Fahren: Als tanze der Golf jetzt Flamenco mit uns, gibt der Leon den feurigen Heißsporn, der Sportlichkeit aber nicht mehr falsch mit reiner Härte übersetzt.

Kanten sind scharf, der Blick ist fest

Er steht viel satter und stabiler auf der Straße, bleibt deshalb länger ruhig und gelassen und schneidet wenn es sein muss trotzdem ziemlich scharf durch die Kurven. Da tanzt man förmlich über die Landstraße und ist auf der Autobahn schnell schneller als die Polizei erlaubt. Dabei helfen ihm auch die unterschiedlichen Fahrprogramme, die auf Lenkung, Motorkennung und Getriebe wirken aber gerne noch ein bisschen stärker gespreizt sein dürften.

Zwar nutzen Golf und Leon den gleichen Komponentensatz. Doch wo der Besteller aus Niedersachsen die konservative Konstante in der Kompaktklasse ist, gibt der Leon einmal mehr so etwas wie den Latin Lover. Muskulös, mit klarem Strich und starken Proportionen gezeichnet, steht er stolz, sportlich und stramm auf der Straße. Der Blick ist fest und fesch, die Kanten sind scharf und die Flächen glatt und klar: "Das Auto strotzt vor Selbstbewusstsein und sieht auf den ersten Blick sehr entschlossen aus", sagt Designchef Alejandro Mesonero und freut sich über die scharfe Tornadolinie genauso wie über die brillanten Scheinwerfer, die erstmals diesseits der Premiumwelt mit LED-Technik strahlen.

Mehr Platz im Innen- und Kofferraum

Für den neuen Auftritt hat Seat nicht nur an der Form, sondern auch am Format gearbeitet. Das Auto ist mit 4,26 Metern etwa fünf Zentimeter kürzer als früher, hat aber sechs Zentimeter mehr Radstand. Entsprechend kurz und knackig sind die Überhänge. Trotzdem reicht es für einen Innenraum, der spürbar mehr Platz auf allen Plätzen bietet. Und der Kofferraum wächst um fast 40 auf 380 Liter.

Aber wichtiger als der Raumgewinn ist den Spaniern der noble Eindruck, den der Innenraum hinterlässt. "Da hatten wir deutlichen Nachholbedarf", räumt Entwicklungschef Matthias Rabe ein und schwärmt von einem Cockpit aus einem Guss, von hochwertigen Anzeigen und jeder Menge Zierrat auf den Konsolen. Ganz auf Golf-Niveau ist der Leon damit noch nicht, weil manche Materialien nicht so recht zu einander passen wollen, die mechanische Handbremse seltsam antiquiert wirkt und der Bildschirm des Navigationssystems so gar nichts mit Brillanz und Schärfe aktueller Smartphones gemein hat. Doch alle Bedienelemente liegen perfekt zur Hand, die Instrumente sind eine Augenweide und das Ambiente ist stimmig.

Motorenvielfalt anders als beim Golf

Während die Spanier am Zeichenbrett ihre eigene Linie gefunden haben, nutzen sie unter dem Blech die Vorzüge des Konzernverbundes. Das bedeutet bis zu 90 Kilogramm weniger Gewicht, bis zu 22 Prozent weniger Verbrauch und jede Menge neuer Infotainment- und Assistenzsysteme. So wacht die Elektronik auf Wunsch über die Einhaltung der Fahrspur und greift zur Not auch korrigierend ins Lenkrad, warnt den Fahrer, bevor er zu müde wird, zündet automatisch das Fernlicht und steigt bei einer drohenden Kollision selbstständig in die Eisen.

Anders als der Golf startet der Leon gleich mit einer Vielzahl von Motoren: Es gibt vom Start weg drei Diesel mit 90 bis 150 PS und vier Benziner von 86 PS bis 140 PS. Damit sind Geschwindigkeiten von 178 bis 211 km/h möglich. Die Verbrauchswerte liegen zwischen 3,8 Litern Diesel (Co2-Ausstoß 99 g/km) und 5,2 Litern Benzin (119 g/km).

Und damit ist es noch lange nicht genug: Für das nächste Jahr hat Seat neben einem Spardiesel mit 3,3 Litern Verbrauch für sportliche Fahrer einen 1,8-Liter-Turbo mit 180 PS sowie einen 2,0-Liter-Diesel mit 184 PS angekündigt. Außerdem stellen die Spanier eine Erdgasvariante sowie einen neuen Cupra mit mehr als 250 PS und Allradantrieb in Aussicht, den es dann auch für die zivilen Varianten geben wird.

Auch der Preis wurde poliert

Auch bei den Karosserievarianten setzt Seat auf eine neue Vielfalt: Schon im Frühjahr sollen dem Fünftürer deshalb ein noch sportlicherer Dreitürer und im Spätherbst erstmals bei Seat in dieser Klasse ein Kombi folgen. Und wenn alles läuft wie geplant, dann könnte sich das spanische Sorgenkind demnächst sogar ein paar richtig neue Modelle für neue Segmente gönnen, deutet Designchef Mesonero an: "Wir hier im Design sind so etwas wie die Traumfabrik von Seat und haben viele Ideen. Und je besser das Geschäft läuft, desto mehr können wir davon auch wahrmachen."

Solide Golf-Technik in leidenschaftlicher Verpackung, kräftige Motoren und ein knackiges Fahrwerk – für Firmenchef James Muir ist der Leon das beste Auto, das Seat je gebaut hat. Doch allein auf die Überzeugungskraft des Produktes wollen die Spanier offenbar nicht setzen. Sondern zugleich polieren sie auch noch einmal am Preis: Mit 15.390 Euro ist der neue Leon deshalb sogar noch billiger als der Alte. Wenn das mal keine guten Vorzeichen sind.

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